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Künstliche Pflanzen haben positive Wirkung 

In einer Befragung untersuchten vier Studierende des Bachelorstudiengangs Facility Management , wie sich natürliche und künstliche Pflanzen auf die Wahrnehmung der Raumqualität, das Wohlbefinden und die ästhetische Anziehungskraft eines Raums auswirken. «Natürliche Pflanzen werden im Vergleich zu künstlichen als deutlich ästhetischer wahrgenommen, aber 68 Prozent der Befragten fanden auch künstliche Pflanzen ansprechend oder sogar sehr ansprechend», berichtet Lukas Windlinger Inversini , Betreuer der Arbeit und Leiter der Kompetenzgruppe Betriebsökonomie/Human Resources am Institut für Facility Management . Ausserdem konnten viele Teilnehmende auf Bildern künstliche und natürliche Pflanzen nicht voneinander unterscheiden. «Diese Erkenntnisse sind spannend», so Windlinger Inversini. «Wir führen in unserem Biophilia Living Lab in Wädenswil viele Führungen durch. Das Lab kommt enorm gut an. Doch viel Menschen scheinen eine Abneigung gegen künstliche Pflanzen zu haben. Unser Ziel ist es, zu ermitteln, woran das liegt.» Das Biophilia Living Lab dient der Untersuchung der Auswirkungen von Pflanzen in Lern- und Arbeitsumgebungen. Es beherbergt verschiedene Pflanzen, sowohl natürliche als auch künstliche, Wandapplikationen, eine Mooswand sowie eine 20 Quadratmeter grosse Vertikalbegrünung. «Neben dem Einfluss von Pflanzen möchten wir dort in Zukunft auch weitere Kriterien für das menschliche Wohlbefinden in Räumen untersuchen, zum Beispiel Licht und Temperatur», erzählt Windlinger Inversini. (Bild: Frank Brüderli) Sara Blaser

Jobwechsel? Noch so gerne!

Im Jahr 2022 wechselten 14,7 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz ihre Stelle – etwas mehr als der Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Ein Drittel wagte mit dem Wechsel auch den Schritt auf berufliches Neuland. Insbesondere junge Menschen wechseln häufiger den Arbeitsplatz: Bei den 15- bis 24-Jährigen war es fast jede vierte Person. Eltern von kleinen Kindern scheinen sich hingegen Beständigkeit zu wünschen. 50 Prozent der Personen, die 2022 arbeitslos gemeldet waren, waren 2023 wieder berufstätig. Bei Personen, die krankheitsbedingt ausfielen, lag der Anteil um einiges tiefer. Erwerbstätige in der Deutschschweiz wechselten etwas häufiger als in der Romandie und im Tessin. Bei den Stellenwechseln, die freiwillig stattfanden, wurden die meisten mit unbefriedigenden Arbeitsbedingungen oder einem wunsch nach Veränderung begründet. Geld scheint aber auch eine bedeutende Rolle zu spielen: Bei 38,1 Prozent derer, die ihren Job wechselten, nahm der Lohn bei gleichem Pensum um mindestens 10 Prozent zu. Die Verweildauer an einem Arbeitsplatz hat innert 20 Jahren bei allen Altersgruppen abgenommen, im Schnitt um 1,3 Jahre. Eine Mehrheit der Arbeitskräfte in der Schweiz ist unzufrieden mit ihrem Job, aber nur mässig engagiert, etwas daran zu ändern. Insgesamt ist in Europa die Zufriedenheit am Arbeitsplatz tief: Nur 13 Prozent der Erwerbstätigen bezeichnen sich als engagiert und mit ihrem Unternehmen verbunden. 73 Prozent geben an, nur Dienst nach Vorschrift zu machen, und 15 Prozent sagten gar, innerlich gekündigt zu haben. Die Schweiz gehört sowohl regional als auch global zu den Schlusslichtern in Bezug aufs Engagement. Quellen: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung , Gallup Report 2025 Sara Blaser

Nicht auf den Mund gefallen 

Gegen Dana Widmer möchte man nicht in einer Quizshow antreten. Kaum jemand kennt die aktuelle Weltlage, die Kader von Sportteams und politische Debatten so gut wie sie. Seit rund 15 Jahren sitzt die ZHAW-Alumna nämlich berufsbedingt stundenlang vor dem Bildschirm und trägt als Respeakerin dazu bei, dass die Sendungen im Schweizer Fernsehen untertitelt werden. Respeaken bezeichnet die Art des Untertitelns, bei der eine Software eine Spracheingabe in Untertitel verwandelt. Sie wird vorwiegend zur Verschriftlichung von Live-Passagen eingesetzt. Die Respeakerinnen und Respeaker wiederholen auf Hochdeutsch, was gesagt wird, und diktieren dabei die Satzzeichen mit. Bei SRF werden die meisten Sendungen untertitelt – ein Service public für Menschen, die eine Hörbeeinträchtigung haben, kein Schweizerdeutsch verstehen oder sich unterwegs eine Sendung ohne Ton anschauen möchten. «Mit dem Respeaken habe ich bereits vor dem ersten Simultanunterricht im Dolmetschstudium angefangen», erzählt Widmer. «Es ist ein guter Einstieg ins Dolmetschen. Das gleichzeitige Zuhören und Nachsprechen ist eine Form von Multitasking – Shadowing genannt –, die sozusagen die Vorstufe zum Simultandolmetschen darstellt.» Mit einem 55-Prozent-Pensum als Respeakerin stellt Widmer ihren Lebensunterhalt sicher. Daneben bleibt viel Flexibilität für ihre eigentliche Berufung, das Dolmetschen. «Einen Dolmetschauftrag würde ich nie als Arbeit bezeichnen», sagt sie, und man glaubt es ihr sofort. «Ich empfinde es nach über zehn Jahren noch als grosses Privileg, dass ich diesen Traum leben darf. Ich liebe alles daran – das Einarbeiten in immer neue Themenbereiche, das Spielen mit der Sprache, das Gestalten mit der Stimme, das Adrenalin, das Abliefern auf den Punkt. Für mich war schon zu Beginn des Übersetzerstudiums klar, dass ich nicht schriftlich übersetzen, sondern dolmetschen wollte», betont sie. Auch wenn es sich in beiden Fällen um das Übertragen der einen Sprache in die andere handelt, unterscheiden sich die Fähigkeiten, die dabei gefragt sind: Dolmetschen erfordert Improvisationstalent, sicheres Auftreten, ein enormes Allgemeinwissen und kognitives Multitasking. Beim schriftlichen Übersetzen hingegen hat man Zeit, aber es ist Perfektion gefragt. Recherchieren, optimieren, feilen an den Formulierungen. Direkt ins Dolmetschen einzusteigen, war jedoch zu Widmers Studienzeit nicht möglich, darum musste sie erst Übersetzen studieren. «Trump zu dolmetschen, ist next Level. Bei ihm versagt eines der zentralen Werkzeuge von Dolmetschenden: die Plausibilitätskontrolle.» Dana Widmer Beide Studiengänge absolvierte sie mit Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch als Arbeitssprachen. «Auf dem Schweizer Privatmarkt sind aktive Sprachen wichtig, also dass man in beide Richtungen dolmetschen kann. Für internationale Organisationen hingegen dolmetscht man meist nur in die Muttersprache, da ist es von Vorteil, möglichst viele passive Sprachen zu haben», erklärt Widmer. Muss man zweisprachig aufgewachsen sein, um Dolmetscherin zu werden? «Einige der besten Dolmetschenden, die ich kenne, sind es nicht», antwortet sie. «Ich selbst bin es, dolmetsche aber hauptsächlich vom und ins Englische und arbeite weniger mit meiner zweiten Muttersprache Spanisch.» Aufgewachsen ist die Tochter eines Schweizers und einer Mexikanerin in der Berner Agglomeration. Diese Herkunft würde man ihr heute nicht mehr geben – nach über zwanzig Jahren in Zürich hat sie längst den Zürcher Dialekt angenommen und fühlt sich im Kreis 4 zu Hause. So sehr, dass sie ihn sogar in einem ihrer zahlreichen Tattoos verewigt hat. Bei SRF steht sie auch als Dolmetscherin für Live-Events im Einsatz. Das grösste Highlight war für sie jeweils die Oscar-Verleihung. Wer die Veranstaltung noch nie gesehen hat, muss wissen: Sie dauert mehrere Stunden, findet in unseren Breitengraden mitten in der Nacht statt, und man kann sich kaum darauf vorbereiten, denn was sich die Hollywood-Stars für ihre Laudationes ausdenken, ist höchst individuell und hat einen grossen Unterhaltungsfaktor. Eine pointierte Rede im selben Stil zu dolmetschen, ist besonders anspruchsvoll – Widmer meisterte es mehrmals mit Bravour. «Für viele Kolleginnen und Kollegen sind die Oscars ein absolutes Albtraumszenario», sagt Widmer lachend. «Für mich hingegen ist es genial. Ich bin ein Nachtmensch und ein Serienjunkie, kenne alle Schauspielerinnen und Schauspieler und verstehe aufgrund meiner Affinität zu den USA sämtliche Anspielungen.» Herausfordernd sei es hingegen, wenn eine Person mit einem ausgeprägten Dialekt spricht. «Im Rahmen der Sendung ‘Sportpanorama’ hatte ich etwa mit Julien Alfred, der Sprint-Olympiasiegerin aus St. Lucia, gewisse Mühe, weil das Zuhören allein so viel Denkleistung erforderte.» Auch bei den Debatten im US-Wahlkampf war Widmer am Mikrofon von SRF, um Joe Biden und Kamala Harris ihre Stimme zu verleihen. Anspruchsvoll sei eine solche Debatte allemal, aber ihr Kollege, der Trumps Part übernehmen musste, habe eine ungleich schwierigere Aufgabe gehabt: «Trump zu dolmetschen, ist next Level – am sogenannten Liberation Day, dem Tag, als die US-Zölle verkündet wurden, übernahm ich ausnahmsweise diese Aufgabe. Während es bei anderen Politikerinnen und Politikern oft vorhersehbar ist, was sie bei öffentlichen Auftritten sagen, ist Trump einfach eine Wundertüte hoch zehn. Bei ihm versagt eines unserer zentralen Werkzeuge: die Plausibilitätskontrolle – hat er das jetzt wirklich gesagt oder hat mir mein Hirn einen Streich gespielt?» Man erinnere sich an die Aussage, Immigranten ässen Hunde. Ein breites Allgemeinwissen ist für eine Dolmetscherin Pflicht. «Es gibt schon rhetorische Strategien, um auszuweichen, wenn man etwas nicht genau verstanden hat. Aber Improvisieren erfordert viel Denkarbeit und man kann es sich einfach nicht leisten, zu viele Wissenslücken zu haben», erzählt Widmer. «Wenn gerade die Fussball-WM läuft, muss man wissen, wer gewonnen hat, auch wenn man sich nicht dafür interessiert. Es könnte überall eine Anspielung auf ein Spiel kommen.» Um informiert zu bleiben, liest sie täglich Zeitungen auf Deutsch und Englisch, hin und wieder auch auf Spanisch und Französisch. «In den letzten Jahren fällt es mir oft schwer, die Weltlage ist ja leider alles andere als aufbauend», gibt sie zu. «Manchmal entscheide ich mich bewusst dafür, nur Überschriften und Einleitungen zu lesen, um mich emotional abzugrenzen.» Wie sieht sie die Zukunft des Dolmetschberufs? «Es wird bestimmt nicht einfacher», sagt Widmer. «Zumindest mit der Sprachkombination Englisch und Deutsch. Französisch hingegen ist in der Schweiz noch immer enorm gefragt.» Spardruck spüre man deutlich. Waren früher bei mehrsprachigen Veranstaltungen Dolmetschkabinen noch selbstverständlich, so begnügen sich heute viele Veranstalter damit, Dolmetschende per Online-Plattform zuzuschalten – oder ganz wegzusparen, mit der Begründung, Englisch könnten sowieso alle. «Nicht live dabei zu sein, erschwert unsere Arbeit enorm. Durch die Datenkomprimierung gehen Frequenzen verloren, was das Zuhören anstrengender macht. Manchmal sieht man auch die nonverbale Kommunikation der Sprechenden nicht.» Einige Veranstalter setzen mittlerweile auch auf KI. «KI-Systeme sind noch nicht so ausgereift, dass sie eine menschliche Verdolmetschung adäquat ersetzen, und die Englischkenntnisse vieler Leute reichen bei Weitem nicht aus, um einem komplexen Sachverhalt zu folgen. Aber diese Entwicklung ist kaum aufzuhalten», sagt Widmer. «Ich gebe meinen Traumjob dennoch nicht so schnell auf. Für mich hat Dolmetschen Priorität, solange es irgendwie geht.» Um sich abzusichern, setzt Widmer auf verschiedene Tätigkeiten, die eine gute Stimme erfordern. So hat sie auch eine Ausbildung zur Sprecherin absolviert, um Werbespots oder Dokumentationen zu vertonen. Und sollte die Nachfrage einmal ganz wegfallen, hätte sie durchaus noch andere Talente und Interessen. Vor dem Studium spielte sie zwei Saisons Profivolleyball und in ihrer Freizeit widmet sie sich dem Modedesign und dem Goldschmieden – die Ideen werden ihr definitiv nicht so schnell ausgehen. Sara Blaser

English? Can we good!

«An internationalen Konferenzen ist es immer üblicher, auf Englisch zu präsentieren, statt in der Muttersprache», erzählt Michaela Albl-Mikasa , Professorin für Dolmetschwissenschaft am Institut für Übersetzen und Dolmetschen (IUED) und erfahrene Konferenzdolmetscherin. «Viele überschätzen dabei aber ihre Sprachkenntnisse.» Dolmetscherinnen und Dolmetscher seien von dieser Tendenz alles andere als begeistert. Hinter vorgehaltener Hand sprechen sie bei nichtmuttersprachlichem Englisch von BSE (bad simple English), Desesperanto oder Lego-Englisch – willkürlich zusammengesetzte Sätze, die einen zum Verzweifeln bringen. In einer internationalen Umfrage des IUED mit 900 Teilnehmenden gaben 63 Prozent der Übersetzenden und 86 Prozent der Dolmetschenden an, dass mindestens die Hälfte des englischen Textinputs, den sie erhalten, von nichtmuttersprachigen Personen stammt. «Rund 70 Prozent wünschen sich aber muttersprachlichen Input», erklärt Anne Catherine Gieshoff , Postdoc am IUED. «Sie empfinden ihre Arbeit als anstrengender, wenn sie neben der eigentlichen Aufgabe der Sprachmittlung noch überlegen müssen, was die Aussage ist.» «Unmissverständliche Formulierungen sind zentral dafür, dass der Inhalt ankommt.» Michaela Albl-Mikasa, Professorin für Dolmetschwissenschaft Solche Rückmeldungen aus der Praxis haben in der Dolmetschforschung Zweifel daran geschürt, ob Englisch die ideale Lösung für die internationale Verständigung ist, wie vielerorts angenommen wird. Insbesondere, wenn es sich um monologischen Input handelt. «Im Unterschied zu einem Dialog können die Zuhörenden bei einer Präsentation nicht einfach nachfragen, wenn eine Aussage unklar war», sagt Albl-Mikasa. «Unmissverständliche Formulierungen sind zentral dafür, dass der Inhalt ankommt.» Im vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Projekt «CLINT» (Cognitive Load in Interpreting and Translation) untersuchte ein interdisziplinäres Team aus Forschenden des IUED und des Psychologischen Instituts der Universität Zürich (UZH), ob sich der Einfluss von nichtmuttersprachlichem Englisch bei der Sprachverarbeitung bemerkbar mache. Das Team der ZHAW um Albl-Mikasa verglich dabei die Leistung der Sprachmittelnden bei zwei verschiedenen Versionen desselben Textinputs: echte nichtmuttersprachliche Texte und eine abgeänderte Version davon, die in Bezug auf nichtmuttersprachliche Auffälligkeiten geglättet wurde. Das Team der UZH untersuchte physiologische Merkmale wie Herzschlag und Hirnströme während des kognitiven Verarbeitungsprozesses. Die Ergebnisse zeigen, dass die kognitive Belastung der Sprachmittelnden höher ist, wenn der Textinput von einer nichtmuttersprachigen Person stammt. «Unübliche Wortkombinationen oder Satzstrukturen sowie mangelnde Logik erschweren den Dolmetschenden die Arbeit», berichtet Gieshoff. Erfahrene Berufsleute hätten die Aufgaben jedoch besser gemeistert als Studierende. Die Erkenntnisse fliessen in die Dolmetschausbildung ein. «Wir thematisieren am IUED nichtmuttersprachliches Englisch, um die Studierenden auf die Praxis vorzubereiten», berichtet Albl-Mikasa. Dabei werden Präsentationen von Sprechenden unterschiedlicher Herkunft gedolmetscht und Hintergrundwissen vermittelt. «Sensibilisierung und Exponierung helfen, Strategien für nichtmuttersprachliche Abweichungen zu entwickeln», sagt Albl-Mikasa. Die Forschung soll auch ausserhalb des Fachbereichs darauf aufmerksam machen, dass Englisch als gemeinsame Sprache nicht nur Vorteile mit sich bringt. «Bei hochkarätigen Konferenzen darf man nicht das Risiko eingehen, dass man sich nur halbherzig versteht. Mit Präsentationen in der eigenen Muttersprache, die professionell verdolmetscht werden, ist die Verständigung besser gewährleistet.» Weiterführende Forschung könnte untersuchen, in welchen Situationen Englisch als Verkehrssprache im Alltag problematisch ist. «Nicht nur im internationalen Kontext, sondern auch in mehrsprachigen Ländern wie der Schweiz zeigt sich die Tendenz, dass Französisch- und Deutschsprachige miteinander Englisch sprechen», gibt Albl-Mikasa zu bedenken. «Welche Auswirkungen dies hat, ist noch weitgehend unerforscht.» Sara Blaser

Heizen im Winter, kühlen im Sommer

Dicke Rauchwolken, die gemächlich aus Kaminen puffen, waren früher ein Symbol von Winteridylle. Heute stellt man sich vor allem die Frage, wie man von ihnen wegkommt. Fossile Heizungen machen in der Schweiz etwa 40 Prozent der klimaschädlichen CO 2 -Emissionen aus. Wer auf ein Heizsystem umstellt, das auf erneuerbaren Energiequellen basiert, leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. «Wärmepumpen bieten ein enormes Potenzial, um die allseits angestrebte Dekarbonisierung voranzutreiben», bestätigt Frank Tillenkamp , Leiter des Instituts für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE). «Man nehme drei Teile Umweltenergie aus Luft, Wasser oder Erdwärme und einen Teil elektrische Energie und erhält vier Teile Heizenergie – genial, oder? Wird eine Wärmepumpe mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben, ist ihr Betrieb quasi CO 2 -neutral.» «Wärme ist wertvoll. Man sollte immer nur mit der Temperatur arbeiten, die wirklich benötigt wird.» Frank Tillenkamp, Leiter des Instituts für Energiesysteme und Fluid-Engineering Zudem sei die bestechende Eigenschaft von Wärmepumpen, dass man die Temperatur auf ein klar definiertes Niveau bringen kann, ergänzt Tillenkamp. «Diesen Grundsatz vermitteln wir unseren Studierenden am IEFE von Anfang an: Wärme ist wertvoll. Man sollte immer nur mit der Temperatur arbeiten, die wirklich benötigt wird.» Während die Verbrennung von Öl, Holz oder Gas Temperaturen von bis zu 2000 Grad in der Flamme erreichen kann, sind für das Heizen mit einer Bodenheizung gerade mal 35 Grad Wassertemperatur und bei Radiatoren 55 Grad nötig. «Beide Systeme eignen sich sehr gut für eine Umstellung auf eine Wärmepumpe», beteuert Tillenkamp. Eine Wärmepumpe funktioniert nach demselben Prinzip wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Sie kann sowohl heizen als auch kühlen. «Man geht davon aus, dass in Zukunft der Energiebedarf für das Kühlen von Gebäuden sehr stark zunehmen wird», erklärt Christian Stahel , wissenschaftlicher Mitarbeiter am IEFE. «Bei grossen Gewerbegebäuden sind Wärmepumpen deshalb ideal, weil sie sowohl den Wärmeenergiebedarf im Winter als auch im Sommer umweltfreundlich bereitstellen können.» «Wie schnell sich eine Wärmepumpe amortisiert, hängt aber in erster Linie von den Energiekosten ab.» Christian Stahel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering Die Energie, die dabei zum Einsatz kommt, kann aus unterschiedlichen Quellen gewonnen werden: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bezieht die Energie aus der Umgebungsluft. Mit 73 Prozent Anteil an den Verkäufen 2021 ist sie der beliebteste Typ in der Schweiz. Als Nachteile gelten vor alle Lärmemissionen, die durch den Kompressor und die Ventilatoren entstehen. Sole-Wasser-Wärmepumpen bedienen sich mit einer Erdsonde der Erdwärme. Diese Geräte haben einen Marktanteil von rund 25 Prozent. Ihr Nachteil sind vor allem die hohen Kosten für die Erdsondenbohrung. Zudem muss das Grundstück für die Bohrung und die dafür notwendigen Bauarbeiten geeignet sein. Wasser-Wasser-Wärmepumpen beziehen die Energie aus dem Grundwasser oder aus Seen. Diese Nutzung ist stark reglementiert. In der Regel sind es kommunale Verbünde, denen man sich als Privatpersonen anschliessen kann, wenn man im entsprechenden Einzugsgebiet lebt. So überzeugend die Vorteile einer Wärmepumpe sind, die Kosten haben oftmals noch eine abschreckende Wirkung: Die Anschaffung einer Wärmepumpe kann je nach Ausführung (Erdsonde usw.) einiges teurer sein als die einer Öl- oder Gasheizung. Die Betriebskosten sind jedoch entscheidend für einen Schritt zur Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung – und da führt die Wärmepumpe. «Wie schnell sich eine Wärmepumpe amortisiert, hängt aber in erster Linie von den Energiekosten ab», erzählt Stahel. Und diese sind bekanntlich enorm gestiegen in der letzten Zeit. Eine Prognose für die längerfristige Entwicklung der Öl-, Gas- und Strompreise ist derzeit jedoch nicht möglich. «Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe hängt die Effizienz stark von der Umgebungstemperatur ab: Je tiefer, umso weniger effizient ist sie.» Christian Stahel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering Tillenkamp wünscht sich, dass bei einer Kaufentscheidung nicht die kurzfristige finanzielle Rechnung im Vordergrund steht: «Man muss sich bewusst sein, dass eine Heizung etwa 20 Jahre im Einsatz ist. Wenn wir etwas bewegen wollen, dann müssen wir besser heute als morgen auf eine erneuerbare Wärmeerzeugung umstellen.» Mit fossilem Heizen ist aber zumindest im Kanton Zürich sowieso bald Schluss. Das neue Energiegesetz verbietet den Einbau von neuen Öl- und Gasheizungen weitgehend. Neben den Kosten ist der Standort ein wichtiger Faktor bei der Wahl einer Wärmepumpe. Die geografischen Gegebenheiten haben einen grossen Einfluss. «Die Effizienz einer Erdsonden-Wärmepumpe ist über ein ganzes Jahr betrachtet mehr oder weniger konstant», erklärt Stahel. «Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe hingegen hängt die Effizienz stark von der Umgebungstemperatur ab: Je tiefer diese ist, umso weniger effizient ist die Pumpe, weil mehr elektrische Energie benötigt wird, um das Wasser auf die gewünschte Temperatur zu erwärmen.» Aus diesem Grund setzt man in St. Moritz, mit einem langen Winter, nicht unbedingt auf dasselbe Modell wie etwa in Basel. Es ist aber zu berücksichtigen, wie wenige Stunden im Jahr mit einer sehr schlechten Effizienz anfallen. Wer Geräte vergleichen möchte, soll sich deshalb am SCOP orientieren, der Kennzahl für die saisonale Effizienz, die bei jedem Gerät ausgewiesen wird, ergänzt der Forscher: «Früher hat man bei der Effizienzberechnung nur den Gesamtnutzen mit dem Gesamtaufwand verglichen. Heute weiss man, dass man die Effizienz über eine ganze Heizperiode betrachten muss.» Das IEFE verhalf erst kürzlich einer neuen Wärmepumpe zur Marktreife , die sich durch ein natürliches Kältemittel auszeichnet und eine besonders hohe saisonale Effizienz aufweist. Das Team um Tillenkamp und Stahel optimierte dazu einen Prototyp und untersuchte das Verhalten mit Simulationen, die sowohl standortabhängige Wetterdaten als auch typische Verbrauchsprofile von Anwendern miteinbeziehen. Ihre Forschungsgruppe bildet ein Kompetenzzentrum für Kälteanwendungen und ist verantwortlich für zahlreiche Untersuchungen rund um die Anwendung von Wärmepumpen und Kältemaschinen – unter anderem auch für das Bundesamt für Energie. «Ich erachte es aber auch als zentral, dass wir mit Europa zusammenspielen und uns mit Wind-, Wasser- und Solarenergie gegenseitig aushelfen. Nur so steuern wir in eine sichere Zukunft.» Frank Tillenkamp, Leiter des Instituts für Energiesysteme und Fluid-Engineering In erster Linie gilt jedoch zu prüfen, welche Art von Wärmepumpe am eigenen Wohnort überhaupt realisierbar ist. Je nach Standort unterliegen sie einer Baubewilligung und zusätzlichen Auflagen. In Städten mit einem Fernwärmenetz, in dem die Abwärme von Kehrichtverbrennungsanlagen grossflächig zum Heizen genutzt wird, kann die Stadt sogar verbieten, eine Erdsonde zu bohren, und einen zum Anschluss an das Fernwärmenetz verpflichten. Dies ist etwa in Winterthur der Fall. In ländlicheren Gegenden hingegen werde derzeit viel gebohrt, sagt Tillenkamp: «Im Idealfall schliesst man sich mit benachbarten Grundstücken zusammen, damit nicht in jedem Vorgarten eine Erdsonde vergraben wird.» Für Tillenkamp ist die Wärmepumpe die Heizung der Zukunft. Für eine erfolgreiche Wärmewende, betont er, müssen jedoch noch wichtige Strukturen geschaffen werden: «Bei immer mehr Wärmepumpen und Elektroautos ist auch immer mehr elektrische Energie gefragt. Die Produktion aus Photovoltaik ausbauen und mit geeignete Batteriespeichern einen Puffer bilden, der für die Netzstabilität sorgt, wenn die Atomenergie wegfällt, sind zwei wichtige Aufgaben der Gegenwart. Derzeit tut sich viel in diesem Bereich. Ich erachte es aber auch als zentral, dass wir mit Europa zusammenspielen und uns mit Wind-, Wasser- und Solarenergie gegenseitig aushelfen. Nur so steuern wir in eine sichere Zukunft.» Sara Blaser

Aus Alt mach Neu

Konnte man früher Eisblumen an den Fenstern bestaunen, sorgen moderne Fenster dafür, dass sich weder Hitze noch Kälte in die Gebäude einnisten. Durch die Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben für die Wärmedämmung ist damit zu rechnen, dass bis 2050 alle Fenster, die vor dem Jahr 2000 eingebaut wurden, ersetzt werden. Was aus energetischer Sicht sinnvoll sein kann, ist aus der Sicht der Abfallströme jedoch ein Problem: Die Produktion von mehrfachverglasten Fenstern ist sehr ressourcenintensiv und es gibt bisher keinen Recyclingprozess für Fensterglas. «Es ist leider günstiger, Flachglas auf der Deponie zu entsorgen, als den Aufwand zu bezahlen, alte Fenster vom Rahmen zu trennen und wieder aufzubereiten. Aktuell enden 82 Prozent des Flachglases auf der Deponie, 18 Prozent werden zusammen mit Flaschenglas eingeschmolzen – was aber einem Downcycling entspricht. Obwohl sehr viel graue Energie in Fenstern steckt, gibt es bisher keine Recyclingpflicht», erklärt Michelle Schneider vom Institut für Konstruktives Entwerfen. «Es ist günstiger, Flachglas auf der Deponie zu entsorgen, als den Aufwand zu bezahlen, alte Fenster vom Rahmen zu trennen und wieder aufzubereiten.» Michelle Schneider, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Konstruktives Entwerfen Schneider forscht seit drei Jahren daran, wie man Fenster wiederverwenden oder zumindest recyceln kann, zuerst im Rahmen ihrer Abschlussarbeit im Masterstudiengang Architektur, heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Als sie von einem Ersatzneubauprojekt ganz in der Nähe des Departements Architektur und Bauingenieurwesen erfuhr, witterte sie ihre Chance und gleiste mit mehreren Industriepartnern ein Pilotprojekt auf. Sämtliche 375 Fensterflügel des Abbruchgebäudes wurden ausgehängt und sorgfältig von den PVC-Rahmen getrennt. Das Recyclingunternehmen Sibelco prüfte, ob sich das Glas für die Produktion von neuem Fensterglas eignet. «Die Herausforderung war, dass 50-jährige Fenster die hohen Anforderungen an die Reinheit erfüllen, denn auf Fenstern befinden sich oft Putz, Klebstoffe oder andere Mineralstoffe. Ausserdem besteht die Gefahr, dass die Fenster auf Abbruchbaustellen oder beim Transport mit anderen Stoffen verunreinigt werden, etwa mit Teer», erläutert Schneider. Erster Meilenstein im Projekt: Die Fenster haben die Reinheitsanforderungen erfüllt. Sie wurden eingeschmolzen und werden jetzt zu neuen Fenstern verarbeitet, die einst den Ersatzneubau zieren könnten. Ganz ohne zusätzliche Ressourcen kommt das Vorhaben nicht aus, denn das neue Gebäude wird mehr Fenster haben als das alte und Dreifach- statt Zweifachverglasungen. «Die Kosten unseres Verfahrens sind zwar noch immer höher als für die Deponie, aber wir stehen auch erst am Anfang. Wenn sich Unternehmen auf die Wiederverwertung von Fenstern spezialisieren, lassen sich die Prozesse optimieren und die Kosten deutlich senken. Das Wichtigste ist aber vorerst, aufzuzeigen, dass Flachglasrecycling mit etwas Mehraufwand machbar ist. Dies könnte die Tür für eine Recyclingpflicht öffnen», sagt Schneider. Das hätte eine grosse Hebelwirkung: «Würden alle Fenster, die jährlich in der Schweiz ausgebaut werden, wieder eingeschmolzen und wiederverwendet, liessen sich 350 Mio. Kilogramm CO2 einsparen im Vergleich zu Fenstern aus Primärrohstoffen. Das sind etwa so viele Emissionen, wie wenn die gesamte Basler Bevölkerung nach New York fliegen würde.» Sara Blaser

Forschungsansätze im Vergleich

Bei der multidisziplinären Zusammenarbeit arbeiten mehrere Disziplinen parallel an einem gemeinsamen Thema, aber jede bleibt in ihren eigenen Denkrahmen. keine echte Integration der Methoden oder Theorien Ergebnisse ergänzen sich, werden aber nicht unbedingt verschmolzen Disziplinen bleiben tendenziell getrennt Beleuchtung eines Problems aus verschiedenen fachlichen Perspektiven. Obwohl sich inter- und transdisziplinäre Ansätze immer grösserer Beliebtheit erfreuen, hat der multidisziplinäre Ansatz auch weiterhin klare Stärken: Effizienz fachliche Tiefe ideal in frühen Forschungsphasen oder wenn Integration keinen Mehrwert bringt Bei interdisziplinären Projekten arbeiten Disziplinen integriert zusammen, um eine gemeinsame Forschungsfrage zu lösen. Gemeinsame Problembearbeitung Aktive Verknüpfung von Methoden, Daten und Theorien Ergebnise bietet einen Mehrwert im Vergleich zur Summe der Einzelbeiträge Die Integration schafft neue Erkenntnisse oder sogar neue Fachgebiete Ganzheitliches Verständnis komplexer Fragestellungen Interdisziplinäre Forschung wird erweitert durch die Einbindung von Akteur:innen ausserhalb der Wissenschaft. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft Co-Produktion von Wissen Fokus auf reale gesellschaftliche Probleme Wissen entsteht nicht nur im akademishcen Umfeld, sondern im Austausch mit der Praxis Entwicklung praktisch umsetzbarer und gesellschaftlich relevanter Lösungen Sara Blaser

Die Zukunft der KI fliegt in Winterthur

Im Grossraum Zürich hat sich in den letzten Jahren ein florierendes Ökosystem für Drohnen und Robotik entwickelt. Die Hochschulen treiben mit Forschung die Weiterentwicklung der Technologien voran, bringen Spin-offs hervor und versorgen die ansässigen Tech-Unternehmen mit Fachleuten. Ein Problem besteht jedoch: «Viele Systeme sind unter Laborbedingungen top – doch wir sind noch weit davon entfernt, autonome Drohnen operativ im Luftraum einzusetzen», erklärt Michel Guillaume , Leiter des Zentrums für Aviatik (ZAV) der School of Engineering . Drohnen kommen heute zwar schon in vielen Branchen zum Einsatz, sei es für die Vermessung, in der Landwirtschaft oder bei Blaulichtorganisationen. Mit Physical AI entsteht jedoch eine neue Generation von künstlicher Intelligenz: Systeme, die ihre Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen und in der realen Welt handeln. Diese Systeme stellen uns vor neue Herausforderungen, denn wichtige Fragen sind noch ungeklärt: Wie kann sichergestellt werden, dass sie sich in jeder Situation zuverlässig und erklärbar verhalten? Wie testet man dies sicher und reproduzierbar? Wie validiert man KI-basierte Systeme im realen Einsatz und wie zertifiziert man sie? «Wir benötigen effiziente Prozesse, um Systeme schneller unter realen Bedingungen zu testen und zur Marktreife zu bringen» Michel Guillaume, Leiter des Zentrums für Aviatik der ZHAW School of Engineering «In der Luftfahrt gilt: safety first. Bis ein neuer Verkehrsflugzeug-Typ zugelassen wird, der für eine Airline im Einsatz ist, vergehen zehn bis fünfzehn Jahre», gibt Martin Jajcay vom ZAV zu bedenken. «Autonome Systeme wie Drohnen bieten spannende Einsatzmöglichkeiten, etwa in der Katastrophenhilfe oder bei der Logistik zu abgelegenen Orten, aber für solche Einsätze fehlen noch die operativen Konzepte und zum Teil auch die gesellschaftliche Akzeptanz.» Eine Herausforderung sei etwa das Verkehrsmanagement im Luftraum, das um ein Vielfaches komplexer werde, wenn neben Flugzeugen auch unbemannte autonome Flugobjekte unterwegs sind. «Wir wissen schlichtweg noch zu wenig darüber, wie Systeme, die auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen basieren, sich in extremen Situationen verhalten», sagt Hella Bolck , Dozentin am Center for Artificial Intelligence (CAI) der School of Engineering. «Die Systeme müssen so optimiert werden, dass sie bei Wind und Wetter und neben anderen Luftraumteilnehmenden funktionieren.» Wichtige Voraussetzung dafür: testen, testen, testen. Das Zentrum für Aviatik und das Center for Artificial Intelligence haben deshalb gemeinsam mit der Universität Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste das Projekt LINA (Large scale Infrastructure for safe Testing and Development of Autonomous Systems) ins Leben gerufen. Das Ziel ist der Aufbau einer vielseitigen Forschungs- und Testinfrastruktur für autonome Systeme und Physical AI, insbesondere an der Schnittstelle von Aviatik und KI. Gefördert wird das Unterfangen von der Digitalisierungsinitiative des Kantons Zürich (DIZH), Industriepartner wie Skyguide und Matternet bringen ihre Erfahrung ein. Der erste Standort ist bereits weit entwickelt: Auf dem Segelflugplatz Hegmatten in Winterthur können autonome Systeme jeden Reifegrades auf einer Fläche von 700 mal 30 Metern getestet werden. Für Guillaume ist die Testfläche ein längst überfälliges Angebot an die dazu forschenden akademischen Gruppen in der Schweiz und die Hersteller von autonomen Systemen. «Es ist zentral, sämtliche Kompetenzen für die Entwicklung, Erprobung und Zulassung der Systeme in Europa zu vereinen. Ohne Testinfrastruktur in der Nähe besteht ausserdem die Gefahr, dass die Unternehmen abwandern, etwa in die USA oder Kanada.» «Testen ausserhalb der Sichtweite ist zentral für autonome Drohnen. Dazu benötigen wir grössere Testflächen.» Hella Bolck, Dozentin am Centre for Artificial Intelligence der School of Engineering Für die Weiterentwicklung der Systeme spielen nicht nur technologische Fragen eine Rolle, sondern auch regulatorische. Die Testfläche sei auch als wissenschaftliches Instrument zu verstehen, das systematisch das Fachwissen generiert, das für die Gestaltung von neuen Regularien nötig ist. «Wir benötigen die Expertise von Fachleuten für KI und Aviatik, um allen Gegebenheiten rund um die Integration von KI Rechnung zu tragen», sagt Guillaume. «Dank ihrer breiten interdisziplinären Aufstellung ist die ZHAW für diese Aufgabe prädestiniert.» Eigene Drohnen zu entwickeln ist kein Ziel des Projekts. Vielmehr positioniert sich LINA als nationale Anlaufstelle für das Testen und sämtliche Fragen rund um die Entwicklung von Physical AI und robotischen Systemen. Damit ein System operativ werden kann, braucht es viel: Neben einer einwandfreien Konstruktion, funktionierenden KI-Komponenten und Flugtests gehören dazu zum Beispiel auch Lärmtests, Umweltversuche und die Integration mit anderen Systemen im Luft- und Bodenbetrieb. «Wir benötigen effiziente Prozesse, die von den Behörden akzeptiert werden, um Systeme schneller unter realen Bedingungen zu testen und damit auch zur Marktreife zu bringen», fasst Guillaume den Zweck von LINA zusammen. Um zum Kompetenzzentrum für sämtliche Fragen rund um autonome Systeme zu werden, arbeiten die Projektverantwortlichen eng mit Herstellern, anderen Hochschulen und Behörden zusammen und leisten Öffentlichkeitsarbeit. Die gesellschaftliche Akzeptanz sei nicht zu unterschätzen, betont Guillaume. Auch die beste Technik nütze nichts, wenn Drohnen etwa so laut sind, dass es zu Lärmklagen komme. Ausserdem pflegen die Verantwortlichen ein internationales Netzwerk, denn ein Testzentrum mitten in Europa biete grosses Potenzial, auch Forschende und Hersteller aus anderen Ländern anzuziehen. Für das Projektteam ist die Teststrecke in Winterthur Hegmatten erst der Anfang. Für Tests ausserhalb der Sichtweite eigne sie sich sowieso nur für Drohnen unter 25 Kilogramm, sagt Bolck. «Testen ausserhalb der Sichtweite ist jedoch zentral für autonome Drohnen. Sie müssen zum Beispiel sicher landen können, wenn die Verbindung gekappt oder das GPS-Signal ausfällt. Dazu benötigen wir grössere Testflächen.» Gemeinsam mit der Universität Zürich und der EMPA plant die ZHAW ein schweizweites Netzwerk mit Testflächen von mindestens 10 Quadratkilometern. Der Antrag dafür ist bereits eingereicht, der Bedarf unbestritten – Anfragen von Test-Interessierten gehen fast täglich ein. Guillaume ist überzeugt: «LINA leistet einen entscheidenden Beitrag zur nächsten Entwicklungsstufe von KI: Systeme, die nicht nur Daten verarbeiten, sondern in der realen Welt robust und zuverlässig handeln. Das ist angewandte Forschung at its best, genau unsere Stärke.» Sara Blaser

Gutes tun mit Businessmodell 

Auf den ersten Blick würde man es nicht für ein Büro halten. Die umfunktionierte Altbauwohnung im oberen Stock der Quartierbeiz «Nordbrüggli» in Zürich Wipkingen erinnert eher an ein Wohnzimmer. Bora Polat sitzt am Tisch und tippt eifrig auf seinem MacBook. Im Verlauf des Gesprächs wird sich zeigen, dass dieses Bild die Philosophie des Unternehmens ziemlich gut auf den Punkt bringt: moderne Technologie, kein Schnickschnack, heimelige Atmosphäre. Kaum hat Polat Wasser, kurdischen Kaffee und Olivenblättertee von seinem kürzlichen Zypern-Aufenthalt serviert, sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus. Eine Anekdote hier, ein Fun Fact da – wo war er gleich nochmal stehen geblieben? Polats rasantes Erzähltempo scheint nicht mit der Geschwindigkeit seiner Gedanken Schritt halten zu können. Die Anglizismen und Fachwörter, die er dabei gerne verwendet, stehen in einem witzigen Kontrast zu seinem breiten Toggenburger Dialekt. Egal, ob er über Venture Philanthropy spricht oder seinen Hund begrüsst – bei allem, was er tut, dringt eine grosse Herzlichkeit durch. Valeriana ist eine Plattform, die verschiedene Dienstleistungen für den Haushalt anbietet. Sie beschäftigt ausschliesslich Frauen mit Migrationshintergrund. Die Idee dafür hatte Polats Ehefrau Salomé Fässler. Sie wollte Polats Mutter Hatun die Möglichkeit bieten, mit Näharbeiten etwas zu verdienen. Ohne viel zu überlegen, setzte sie eine Website auf und nannte sie «Nadel und Faden». Bereits in der ersten Woche trafen die ersten Aufträge ein. «Wir hatten noch nicht einmal ein Pricing», schmunzelt Polat. Hatun kümmerte sich um die Kleidung, und die Kundschaft freute sich über den Dienst mit persönlicher Note. Polats Mutter erzählte ihren Freundinnen davon, und es zeigte sich schnell, dass sich viele Frauen eine solche Verdienstmöglichkeit wünschten. Auch die Kundinnen und Kunden empfahlen die Plattform eifrig weiter. Bald wurde das Dienstleistungsangebot erweitert, etwa um Reinigung, Wäscheservice und Besorgungen. Heute wird vor allem die Reinigung gebucht. Valeriana ist aber mehr als eine reine Arbeitsvermittlungsplattform. Die Frauen sind fest angestellt, erhalten einen Stundenlohn von bis zu 30 Franken und sind sozialversichert. Sie profitieren von firmeninternen Deutschkursen, Hilfe bei administrativen Belangen und vor allem: Sie sind Teil einer Gemeinschaft. «Integration ist uns ein wichtiges Anliegen», beteuert Polat. «Viele Frauen mit Migrationshintergrund sind finanziell abhängig – entweder von ihren Männern oder vom Staat – und sozial isoliert. Mangelnde Sprachkenntnisse erschweren die soziale Integration, nicht anerkannte Ausbildungen die wirtschaftliche. Dadurch liegt eine enorme wirtschaftliche Kapazität brach. Von den Auswirkungen der Einsamkeit ganz zu schweigen.» Um die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Arbeitseinsätzen zu ermöglichen, setzt Valeriana auf ein flexibles Konzept. Die Frauen können in ihrem Profil in der App klar eingrenzen, wann sie Zeit haben und für welchen Arbeitsweg sie bereit sind. Künstliche Intelligenz verteilt die Aufträge gerecht auf die Mitarbeiterinnen und berücksichtigt dabei deren Auslastung sowie die Standorte ihrer anderen Kundinnen und Kunden. «Es gibt nichts Einfacheres, als mit Geld noch mehr Geld zu machen. Was mich reizt, ist, etwas Sinnvolles zu tun.» Bora Polat Der Fokus auf die Integration kommt nicht von ungefähr. 1991 flüchtete die kurdische Hatun mit Bora und seinen beiden Geschwistern aufgrund der politischen Lage aus der Türkei in die Schweiz. Am eigenen Leib zu erfahren, wie schwierig es ist, sich in einem fremden Land ein Leben aufzubauen, hat Polat geprägt. Schon als Kind nahm er die Zügel gerne selbst in die Hand. Sein erstes Geld verdiente er mit elf Jahren. «Ich sparte für einen Computer – eines dieser Riesendinger der Neunzigerjahre», erzählt er lachend. «Ich war schon früh technisch interessiert, habe alles auseinandergeschraubt und wieder zusammengesetzt.» Mit siebzehn zog er von zu Hause aus. Während der Lehre zum Polymechaniker arbeitete er zusätzlich in einem Call-Center und bildete sich mit Abendkursen weiter. Vor allem das Programmieren hatte es ihm angetan. Eigentlich wollte er Ingenieur werden, entschied sich dann aber für «Corporate Finance» an der Ostschweizer Fachhochschule. «Mich interessierte schon immer das Praktische, das grosse Ganze, nicht die Details – als wir im Studium Buchhaltung durchnahmen, begriff ich kein Wort», erinnert er sich. Nach dem Bachelor absolvierte er den Masterstudiengang «Banking and Finance» an der ZHAW. «Aus meinem Austauschsemester in Aix-en-Provence wurde dann ein längerer Frankreich-Aufenthalt, denn ich begann spontan noch ein zweites Masterstudium und fand einen Job in einem Internet-Startup.» Danach gründete er in Marseille sein erstes eigenes Unternehmen im Bereich Digital Advertising, expandierte mit dem Unternehmen in mehrere Länder und lebte dabei als früher digitaler Nomade. Der Wunsch, seiner Familie näher zu sein, brachte ihn zurück in die Schweiz, wo er Montemedia, ein Werbeunternehmen, gründete. «Damit lief ich erst voll gegen die Wand», erzählt Polat. «Ich war überzeugt, dass personalisiertes digitales Marketing die Zukunft ist – hatte es ja in den Jahren zuvor erfolgreich in mehrere Länder gebracht –, aber in der Schweiz fand ich lange keine Kunden. Im Nachhinein weiss ich, dass ich einfach zu früh dran war.» Es war das Jahr 2012 und die Schweiz noch nicht bereit für datenbasierte Technologien. So musste sich Polat lange seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Projekten verdienen. Auch Valeriana finanzierten er und Fässler lange aus der eigenen Tasche. Dies sei aber kein Problem, denn er sei vielseitig interessiert und gut vernetzt, vor allem in der Startup-Szene. Neue Projekte ergeben sich immer wieder, insbesondere für Beratungsmandate wird er gerne gebucht. «Es gibt nichts Einfacheres, als mit Geld noch mehr Geld zu machen. Was mich reizt, ist, etwas Sinnvolles zu tun. Tu Gutes – aber mit Businessmodell!» Um ein Social-Impact-Unternehmen zu betreiben, sei Skalierbarkeit das Wichtigste. «Valeriana funktioniert heute, weil wir immer in die Prozessoptimierung investiert haben. Mittlerweile ist es praktisch ein Selbstläufer.» Die Vermittlung der Aufträge und sämtliche administrativen Abläufe erfolgen automatisch. Zwei Programmierer stellen die Verfügbarkeit des Systems sicher. «Nur das Menschliche haben wir menschlich gelassen», betont Polat. Etwa 50 Frauen sind derzeit eingestellt. «Die Valerianas identifizieren sich sehr stark mit dem Unternehmen und sind stolz auf das, was sie tun. Einige haben den Sprung in andere Jobs geschafft, bezeichnen uns aber weiterhin als ihre Familie.» Gemeinsame Veranstaltungen wie Kleiderbörsen, ChatGPT-Workshops oder Spaziergänge durch die Heimat via Google Maps sind für die Frauen besondere Highlights. Mittlerweile sind verschiedene Institutionen auf Valeriana aufmerksam geworden. Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren melden Frauen bei ihnen an, eine Stiftung wählte sie unter mehreren europäischen Social-Impact-Unternehmen für eine grosszügige Spende aus und die Stadt Wien hat Interesse an ihrem Konzept gezeigt. «Damit hätten wir nie gerechnet. Wir haben ja nicht einmal ein Marketingbudget», sagt Polat. «Valeriana ist rein durch Weiterempfehlungen gewachsen. Aber ich bin überzeugt: Wenn dein Engagement aufrichtig ist, ist Storytelling das beste Marketing.» Sara Blaser

Der Griff nach den Sternen

Morgens um 10 Uhr herrscht ein geschäftiges Treiben auf dem Areal des Militärflugplatzes Dübendorf. Wo früher Kampfjets starteten, tüfteln heute mehrere studentische Arbeitsgruppen an ihren Projekten. Auf dem Areal entsteht ein Innovationshub, der einst der grösste europaweit werden soll. Mittendrin: Aris, die akademische Raumfahrtinitiative. In ihrem Bereich herrscht eine chaotische Gemütlichkeit. Schränke, Regale mit allerlei Werkzeug, ein grosser Tisch mit Laptops, ein Modell eines Raketenantriebs, ein Pallet mit Energydrinks, eine Couch – und ganz nonchalant im Hintergrund: drei Raketen. Eine davon ist die Höhenforschungsrakete Nicollier. Höhenforschungsraketen sind unbemannte Raketen, die während des Flugs physikalische Messungen in der Atmosphäre durchführen. Dank eines integrierten Bergungssystems sind sie wiederverwendbar. 2024 gelang es Aris mehrmals, Nicollier 1000 Meter in die Höhe zu schiessen und nur wenige Meter vom geplanten Ort sicher landen zu lassen. Der Höherekord liegt gar bei über 10 Kilometern. 2017 von ETH-Studierenden gegründet, beteiligen sich mittlerweile rund 200 Studierende von fünf Schweizer Hochschulen bei Aris – von der ZHAW, der Universität Zürich, der Fachhochschule OST sowie der Hochschule Luzern. Sie setzen eigenständig ambitionierte Projekte für Raumfahrtanwendungen um, neben Höhenforschungsraketen auch Robotiksysteme und Satelliten. Ermöglicht werden die Projekte durch Sponsoren, sei es finanziell oder durch Sachspenden in Form von Komponenten. Auf die Unterstützung von rund achtzig Partnerunternehmen kann die Initiative heute zählen. Ist die Schweiz denn eine Raumfahrtsnation? «Nicht im klassischen Sinne», erklärt Jakob Meinrad Schreiber. Der 25-Jährige absolviert derzeit den Masterstudiengang Engineering in Aviation und ist ausserdem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Aviatik der ZHAW School of Engineering. «Mit der Entwicklung von Hochpräzisionstechnik haben Schweizer Unternehmen jedoch eine wichtige Rolle in der Zulieferindustrie. Sie entwickeln zum Beispiel Anwendungen für Navigation, Kommunikation und Erdbeobachtung.» Beim letztjährigen Projekt Nicollier war Schreiber zusammen mit sechs anderen Studierenden für die Entwicklung der Elektronik und der Software zuständig. Beim aktuellen Raketen-Projekt Hermes ist er einer der System Engineers, also technischer Leiter des Projekts und auch Flight Director – derjenige, der bei einem Raketenstart das Go gibt. Das grosse Highlight ist jedes Jahr die Teilnahme an der European Rocketry Challenge, dem grössten europäischen Raumfahrtwettbewerb für studentische Teams. Mit Hermes will Aris als erstes studentisches Team Europas eine Höhenforschungsrakete mit einem Ethanol-Sauerstoff-Antrieb entwickeln. Dieser soll die Rakete mit einer Geschwindigkeit von rund 1400 km/h rund neun Kilometer in die Luft zu bringen. Neben Schreiber engagieren sich derzeit sechs weitere ZHAW-Studierende bei Aris. Einer von ihnen ist Victor Elliesen, der International Management an der School of Management and Law studiert. Der 22-Jährige hat bei Aris gleich mehrere Rollen inne: Er ist Vice-President, Head of Industrial Relations und Projektleiter. In seinem Projekt Nautilus entwickelt das Team ein unbemanntes Unterwasserfahrzeug, das wissenschaftliche Daten sammelt. Elliesen erklärt: «Bisherige System halten einige Wochen durch. Unser Ziel ist es, dass Nautilus bis zu drei Monaten in 300 Metern Tiefe eingesetzt werden kann.» Unterstützt wird das Team von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs. Das Fernziel ist, damit die Eismonde des Saturns zu erkunden. Der propellerlose Gleiter eignet sich aber auch zur Anwendung auf der Erde, etwa für die Polarforschung. 2026 sind simulierte Polartests in Norwegen geplant. Hört man die Studierenden erzählen, stellt sich natürlich die Frage, woher sie dieses hochkomplexe Wissen haben – immerhin handelt es sich hier ja tatsächlich um Rocket Science. «Vieles ist Learning by Doing», sagt Schreiber. «Aus dem Aviatikstudium habe ich das grundlegende Verständnis für Technologie, Physik sowie Methodik und weiss, wie man sich selbstständig Wissen aneignet.» Nicht alle Beteiligten haben jedoch einen technischen Hintergrund, so auch Elliesen nicht. «Wie in jedem Unternehmen sind auch bei Aris unterschiedliche Fähigkeiten gefragt», sagt er. Für jedes Projekt werden interdisziplinäre Subteams definiert, die das nötige Knowhow abdecken. Die Studierenden der ETH kommen eher aus den geeigneten technischen Studiengängen. Die der ZHAW bringen jedoch oft schon Arbeitserfahrung mit, was sehr willkommen sei. Elliesen erklärt: «Es braucht auch Leute mit dem Verständnis für das grosse Ganze. Ich könnte keine Steuerung programmieren, dafür mit potenziellen Sponsoren sprechen. Heute diskutiere ich mit diesen auch über Legierungen und Produktionsprozesse – dieses Wissen habe ich mir selbst angeeignet.» Das Engagement bei Aris ist ehrenamtlich. Für Elliesen und Schreiber ist die Erfahrung jedoch unbezahlbar: «Was mich am meisten motiviert: Selbstständig hochkomplexe Systeme zu entwickeln», sagt Schreiber. «Die Verantwortung, die wir übernehmen, ist enorm – wir hantieren zum Beispiel mit 300 bar und flüssigem Sauerstoff. Hier lernt man innerhalb eines Jahres so viel wie in einem Unternehmen im besten Fall in fünf Jahren.» Elliesen ergänzt: «Wer interessiert ist und Verantwortung übernehmen will, ist hier richtig. In einigen Teams arbeiten 50 Leute zusammen und das Board führt 200 Personen. Das erfordert Skills, die man in keinem Studium lernt.» Auch die Höhe des Budgets ist für einen studentischen Verein nicht zu verachten: 2024 nahm Aris Beiträge in der Höhe von über 850 000 Franken in Form von Finanz- und Sachleistungen ein. Die Vernetzung mit Gleichgesinnten ist ein weiterer wertvoller Aspekt. «Die Motivation im Team ist riesig. Und mittlerweile arbeiten bei jedem grösseren Raumfahrtunternehmen ehemalige Aris-Mitglieder. Auch Rabea Rogge, die 2024 als erste deutsche Frau ins All flog, ist eine Aris-Alumna», berichtet Elliesen. «Viele Alumni bleiben mit dem Verein in Kontakt und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite.» Dass Aris als ernsthafter Player in der Raumfahrtszene wahrgenommen wird, beweisen in den letzten Monaten gleich zwei Einladungen von hochrangiger Seite: Für die Vernehmlassung zum geplanten Schweizer Raumfahrtgesetz brachten Elliesen und drei seiner Kolleg:innen ihr Fachwissen im Nationalrat ein und Swissnex lud Aris als Vertretung der Schweizer Raumfahrtindustrie an die Weltausstellung in Osaka ein. Dort besuchten sie ausserdem das Schweizer Konsulat, wo es auch einen Austausch mit der Osaka Metropolitan University gab. «Zu merken, dass man wirklich etwas erreichen kann, war enorm motivierend», sagt Elliesen. Das Gefühl, gemeinsam mit einem Team etwas auf die Beine zu stellen, gefällt auch Schreiber sehr: «Die Faszination ist wie ein Sog, dem man nur schwer wieder entkommt. Ich gebe zu, dass ich auch schon morgens um 2 Uhr an einer Bar über technische Details diskutiert habe.» Längerfristig sehen sich beide in einem eigenen Startup. «So wie wir bei Aris arbeiten, ist meine Idealvorstellung: innovative Projekte, schnelles Vorgehen, motiviertes Team», schwärmt Schreiber. Auch der Verein selbst hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren einige Spin-Offs hervorzubringen. Elliesen: «Die Zeit ist reif, Europa muss in der Raumfahrt autonomer werden. Das Know-how ist auf jeden Fall da – und motivierte Studierende können sich jederzeit bei uns melden.» Sara Blaser

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