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ZHAW-Ethikausschuss: Für einen gemeinsamen Kompass

Ethik, Werte, Datenschutz: Auch wenn ein Forschungsprojekt zwar nicht unter die offizielle Bewilligungspflicht etwa einer der Kantonalen Ethikkommissionen fällt, kann es ethisch heikle Fragen tangieren. Zudem wird eine ethische Beurteilung für die Publikation in wissenschaftlichen Magazinen oder für Gesuche beim Schweizerischen Nationalfonds teilweise vorausgesetzt. Als Unterstützung für Forschende und Studierende der ZHAW gibt es hierfür seit Herbst 2022 einen internen Ethikausschuss : Er versteht sich als eine unabhängige Stelle, die prüft, ob in einer Studie der Schutz der Versuchsteilnehmenden in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen steht. «Mit dem Ethikausschuss und der Beratungsinstanz zu wissenschaftlicher Integrität haben wir schlanke Lösungen etabliert, die sich an nationalen und internationalen Standards orientieren.» Martin Jaekel, Leiter der Stabsstelle Forschung und Entwicklung der ZHAW «Mit dem Ethikausschuss und der Beratungsinstanz zu wissenschaftlicher Integrität haben wir schlanke Lösungen etabliert, die einen konkreten Bedarf der Forschenden abdecken und sich an nationalen und internationalen Standards orientieren. Zudem können wir so fundiertere Abwägungen treffen und diese wichtigen Themen im ständigen Diskurs halten», sagt Martin Jaekel , Leiter der Stabsstelle Forschung und Entwicklung der ZHAW. Anträge und Themen: Seitdem die 18 Mitglieder ihre Arbeit aufgenommen haben, wurden 26 Anträge von Forschenden und 44 von Studierenden eingereicht, wie die Präsidentin Karin Nordström berichtet. Meist geht es um Beobachtungsstudien und Interviews zu Migrationsthemen oder Forschung mit vulnerablen Gruppen des Departements Gesundheit. Neun Anträge wurden abgelehnt, grösstenteils weil sie in den Zuständigkeitsbereich der Kantonalen Ethikkommission fallen. Häufiger als Ablehnungen ist jedoch, dass der Ausschuss Auflagen macht etwa zu Datenschutzfragen: Ist die Anonymisierung und Pseudonymisierung gewährleis­tet, sind die Teilnehmenden ausreichend informiert, welche Daten erhoben werden? Was passiert hinterher mit den Daten? Patricia Faller

Die Kunst mit der künstlichen Bildwelt

Eine Kunst für sich sind allein die Prompts, wie die kurzen Anweisungen genannt werden, mit denen man die KI zur Umsetzung der Wünsche bewegen will. Das Resultat sind die Bildstrecke hier sowie viele der Header-Fotos bei den Beiträgen im aktuellen Webmagazin und natürlich auch in der Dossier-Bildstrecke der aktuellen Print-Ausgabe. Die Fotos haben etwas Eigenartiges bis Irritierendes. Das Fotografen-Fazit: «Immer offen bleiben für Überraschungen, weil sich ohnehin nicht genau das umsetzen lässt, was man im Kopf hat.» Das könnte auch der Leitspruch für viele wissenschaftliche Forschungsprojekte sein. Patricia Faller

Durch Interdisziplinarität neue Industrien gestalten

Wenn sich Geschäftsmodelle verändern und Branchen verschmelzen, dann spricht man auch von Konvergenz. Zu beobachten ist das z.B. bei der Annäherung zwischen Lebensmittel- und Pharmaindustrie, im Fintech-Bereich und vor allem bei der Verschmelzung der Informations- mit der Telekommunikationsbranche. Einst erfolgreiche Unternehmen wie der Handyhersteller Nokia haben sich längst vom Smartphone-Markt verabschiedet. Andere Player schreiben mit Smartphones und Wearable Computing neue Erfolgsgeschichten und durchbrechen dabei bestehende Produktkategorien, wie Apple mit der Ankündigung des Vision Pro. Fredrik Hacklin , Professor für Global Strategy and Entrepreneurship und Leiter der Abteilung International Business an der School of Management and Law , forscht seit vielen Jahren zum Thema Konvergenz: Welches sind die treibenden Kräfte? Mit welchen Strategien können Führungskräfte diese Entwicklungen antizipieren, mit welchen Geschäftsmodellen reagieren, damit ihre Unternehmen nicht auf der Strecke bleiben? «Die Entstehung der modernen ICT-Industrie erfolgte nicht erst in den 90er Jahren, sondern schon viel früher.» Fredrik Hacklin, Leiter der Abteilung International Business In seiner neusten Literaturstudie untersuchte Hacklin gemeinsam mit Kollegen der Chalmers University of Technology sowie der ETH Zürich Kollaborationsmuster von Forschungs- und Entwicklungsteams (F&E) in den Frühphasen der Entstehung der heutigen Informations- und Telekommunikationsbranche. Anhand einer bibliometrischen Studie mit über 200'000 Fachartikeln aus dem Web of Science konnten sie beleuchten, nach welchen Mustern und zu welchem Zeitpunkt die Innovationstätigkeiten in F&E-Teams Brücken schlagen konnten zwischen den – einst getrennten – wissenschaftlichen Communities. Seine Beobachtungen: Lange bevor sich diese Entwicklungen auf der Industrieebene abzeichneten, brodelte es bereits in den wissenschaftlichen Communities. Dort diskutierten individuelle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen über neuartige Produkt- oder Servicelösungen. Sie entwickelten neue Prototypen, bildeten neue Teams – interdisziplinär, über Branchengrenzen hinweg. «Dies ist nicht unbedingt intuitiv», so Fredrik Hacklin. «Die moderne ICT-Industrie ist bei Weitem nicht ein alleiniges Resultat aus Deregulierung sowie strategischem und unternehmerischem Handeln in den 90er Jahren – dieser schleichende Prozess hat schon viel länger stattgefunden.» «Konvergenz zeichnet sich in einer langen Kette von Ereignissen ab. Und wir haben heute die Tools verfügbar, um dies zu erkennen.» Fredrik Hacklin, Professor für Global Strategy and Entrepreneurship an der ZHAW Damit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger künftig nicht negativ überrascht werden von solchen grundlegenden Veränderungen, hat er vor allem zwei Tipps: Zum einen müssen Innovationsteams interdisziplinär zusammengesetzt sein. «Dies kann man als eine neue Form des Entrepreneurial Mindset betrachten: Wie hoch ist meine Neugier, über den Tellerrand hinauszuschauen? Wie kann ich gezielt interdisziplinäre Teams konstruieren?», ist der Professor überzeugt. Zum anderen sollten wissenschaftliche Communities beobachtet werden. Diese Daten gibt es und sie sind leicht verfügbar. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, wissenschaftliche Veröffentlichungen auf Frühwarnsignale hin zu durchforsten: Welches sind die Themen, die am intensivsten diskutiert werden, wer zitiert wen? Die Beobachtungen können für die Ausrichtung des Innovationsmanagements massgebend sein: «Auf dem Gebiet tut sich was, schaut euch das doch mal an.» Fredrik Hacklins Fazit: «Konvergenz passiert nicht über Nacht, sie zeichnet sich in einer langen Kette von Ereignissen ab. Und wir haben heute die Daten und Tools verfügbar, um dies zu erkennen.» Patricia Faller

Eine Schweizer Version von ChatGPT – transparenter und sicherer

So einfach nutzbar wie ChatGPT, aber mit Antworten, die nachvollziehbar sind und Vertraulichkeit gewähren. Das versprechen die Gründerinnen und Gründer von AlpineAI mit ihrem Angebot für Firmen in der Schweiz: SwissGPT soll international höchsten Anforderungen entsprechen und neben den ethischen und rechtlichen Standards auch die spezifischen Bedürfnisse mehrsprachiger europäischer Firmen berücksichtigen. Derzeit wird die überwiegende Anzahl der sogenannten Large Language Models (LLM) wie ChatGPT in den USA und China entwickelt. Die Schweizer Allianz aus Forschenden führender KI-Labore der ETH Zürich, aus Universitäten, ZHAW, Hochschule Luzern und der Privatwirtschaft will Europa auf diesem zukunftsträchtigen Markt besser positionieren. SwissGPT soll den Weg ebnen für ein eigenes Schweizer Angebot, das EU-kompatibel ist. Bei LLM handelt es sich um mathematische Modelle, die die Abfolge der Wörter nach Gesetzen der Wahrscheinlichkeit ergänzen. «LLM sind wissenschaftlich nichts Neues, aber sie machen Künstliche Intelligenz nützlich und das für eine breite Anwenderinnen- und Anwenderschicht», so Thilo Stadelmann , Mitgründer von AlpineAI und Leiter des ZHAW Centre for Artificial Intelligence , kürzlich an einer Medien­konferenz. SwissGPT basiere auf neuartigen LLM wie Falcon, dessen Wurzeln bis an die ETH Lausanne reichen. Falcon führt die wichtigsten Ranglisten mit an. Im Vergleich zu den in einer Stanford-Studie evaluierten LLM, bei denen etwa Output, Einhaltung von Urheberrechten und ökologischer Fussabdruck beurteilt wurden, schneide das Modell hervorragend ab, so Stadelmann. «Es ist unsere gemeinsame Vision, das Feld der KI voranzubringen und dabei die Rolle des Menschen hochzuhalten.» Thilo Stadelmann, Verwaltungsrat des ZHAW-Spin-offs AlpineAI und Leiter des ZHAW Centers for Artificial Intelligence In einer ersten Phase stellt AlpineAI Firmen einen sicheren Zugang zu den meistgenutzten LLM wie etwa ChatGPT zur Verfügung, der eine Anonymisierung der Anfragen mit erhöhter Privacy bietet. «Das Modell könnte man beispielsweise die His­torie eines Kunden oder die Quartalszahlen zusammenfassen lassen, ohne dass die Anfrage oder die Antwort im Internet kursiert», sagt Thilo Stadelmann. Das in der Schweiz gehostete Kernprodukt SwissGPT wird darauf ausgelegt, auf sensible, firmeninterne Daten zugreifen zu können. Eine mögliche direkte Anwendung von SwissGPT sei die KI-gestützte Beantwortung von E-Mails. Dabei sollen Userinnen und User auswählen können, was mit einer Nachricht zu tun ist – ignorieren, mit einem Standardsatz oder ausführlich beantworten. Das Modell schlägt dann alternative Inhalte vor. Weitere Produkte sollen vor allem auch in der Wissenschaft eingesetzt werden können. Die Finanzierung von AlpineAI sei gesichert, so CEO Pascal Kaufmann. Und erste Kundenanfragen gebe es bereits. Das KI-Startup sucht nun Fachpersonal etwa für LLM und Machine Learning. Das sei die grosse Herausforderung. Patricia Faller

«Soziale Norm und Echtzeit-Feedbacks sind Ansporn beim Klimaschutz»

Bernadette Sütterlin: Bei der Reduktion der Wohnfläche handelt es sich natürlich um eine viel einschneidendere Massnahme, als wenn man beschliesst, weniger Fleisch zu essen. Zudem fehlt sicher allgemein auch das Bewusstsein, welche Hebelwirkung die Reduzierung der Wohnfläche in Bezug aufs Energiesparen und die Emissionen hätte. Ein weiterer Grund ist, dass die Wohnfläche noch stark mit dem Statusdenken verknüpft ist: Ein Umzug in eine kleinere Wohnung würde wie ein sozialer Abstieg empfunden. «In Dänemark bietet die Gemeinde Hausbesitzenden eine kleinere Alternative für ihr Zuhause an, wenn die Kinder ausgezogen sind.» Matthias Haase, Spezialist für nachhaltige Gebäudeplanung Devi Bühler: Beim Wohnen ist alles etwas komplexer. Bewohnerinnen und Bewohner allein können da wenig bewirken. Es braucht Massnahmen auf allen Ebenen – Bauherrschaft, Investierenden, Behörden, alle müssen aktiv werden. Unsere Gebäude sind häufig nicht so gebaut, dass man aus einer Wohneinheit einfach zwei Einheiten machen kann, dann etwa wenn die Kinder erwachsen sind. Matthias Haase : Aus Dänemark habe ich ein gutes Beispiel gehört. Dort bietet die Gemeinde den Hausbesitzenden, denen die eigenen vier Wände zu gross werden, wenn die Kinder ausgezogen sind, eine kleinere Alternative an. Diese liegt vielleicht auch zentraler oder ist günstiger und einfacher zu bewirtschaften. Das grosse Haus wird dann frei für eine junge Familie mit Kindern. Eine kleinere Wohnfläche allein bringt aber nicht automatisch schon eine Verbesserung hinsichtlich Klimaschutz. «Zu wissen, dass man mit seinem Verhalten etwas für die Umwelt macht und sich moralisch gut verhält, führt zu einer höheren Lebenszufriedenheit.» Bernadette Sütterlin, Verhaltenspsychologin Haase: Es kommt ja auf den Energiestandard des Gebäudes an. Hierfür sind mittlerweile Energieausweise Pflicht, wenn man seine Immobilie verkaufen will. Selten sind die Energiewerte aber Entscheidungskriterium für eine Wohnung oder ein Haus. Da spielen viele andere Parameter eine Rolle – etwa die Lage oder der Preis. Bisher konnten wir leider noch keine direkte Korrelation zwischen Hauspreis und Energieverbrauch eines Gebäudes beobachten. Haase: Ich würde da einziehen. Wir dürfen uns nichts vormachen: Früher oder später kommen solche Regeln vermehrt. Jetzt sind jene Genossenschaften noch die Vorreiter, die zeigen, was eigentlich ein konsequenter Klimaschutz bedeuten würde. Je mehr Zeit wir verstreichen lassen und je krasser die Klimakrise wird, desto mehr wird aber auch die Politik mit solchen Verboten und Anweisungen agieren müssen. Sütterlin: Hierfür sind natürlich solche Menschen offener, die generell schon den Voluntary Simplicity Lifestyle praktizieren. Bei anderen, die dadurch ihre Freiheit eingeschränkt sehen, kann dies gar zu konträren Verhaltensweisen führen. Personen, die nicht durch intrinsische Motivation angetrieben werden, neigen auch eher zu negativen Übertragungseffekten. So jemand sagt sich dann: Ich habe eine kleinere Wohnung, deshalb darf ich weiter weg in die Ferien verreisen. Mit Regeln oder finanziellen Anreizen allein kann man Verhalten nicht wirklich auf lange Sicht nachhaltig verändern, wenn die intrinsische Motivation fehlt. «Seit dem Start vor anderthalb Jahren haben über 130 Menschen im KREIS-Haus übernachtet.» Devi Bühler, Spezialistin für Kreislaufwirtschaft im Wohn- und Baubereich Sütterlin: Man sollte nicht immer nur von Verzicht sprechen, sondern auch von den weiteren positiven Nebeneffekten, die klimafreundliches Verhalten haben kann. Wenn man zum Beispiel das Fahrrad nimmt oder zu Fuss geht, hat dies einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Weniger Konsum führt auch zu mehr Freiheiten in Bezug auf Zeit und Raum. Studien haben zudem gezeigt: Wenn man weiss, dass man sich moralisch gut verhält, ist man auch mit seinem Leben zufriedener. Bühler: Am Ende hängt es davon ab, ob man gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gute, sinnvolle und kreative Lösungen findet und wie der ganze Transformationsprozess begleitet und umgesetzt wird. Man muss die nötigen Anstrengungen unternehmen, damit die Bewohnerinnen und Bewohner Angebote als angenehm empfinden. Wenn sie sich angesprochen fühlen, werden diese Massnahmen gar nicht als Verzicht wahrgenommen. Klimaneutralität und Suffizienz sind sehr abstrakte Begriffe. Wie sich nachhaltiges Wohnen anfühlt, das haben Sie, Devi Bühler, mit dem nahezu autarken, kreislauffähigen KREIS-Haus in Feldbach am Zürichsee erlebbar gemacht. Wie gross ist das Interesse? Bühler: Seit dem Start des Angebots vor anderthalb Jahren haben über 130 Leute im Kreis-Haus übernachtet. An den Führungen nahmen über 800 Menschen teil. Hinzu kommen über 400 Interessierte am ersten Tag der offenen Tür. (Siehe auch Box am Ende des Interviews.) «Man muss die nötigen Anstrengungen unternehmen, damit die Bewohnerinnen und Bewohner sich angesprochen fühlen. Dann werden diese Massnahmen gar nicht als Verzicht wahrgenommen.» Devi Bühler, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen Bühler: Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Wir wollen ja auch, dass sich die Leute dort wohlfühlen. Alles, was man zum Leben braucht, steht zur Verfügung – aber halt auf eine möglichst ressourceneffiziente Art und Weise. Die grössten Vorbehalte wurden gegenüber dem Trocken-WC geäussert. Alle Interessierten waren aber positiv überrascht, dass es keine unangenehmen Gerüche gibt und wie spannend die Technik dahinter ist. Bühler: Von den Kurzzeitbewohnenden haben 97 Prozent gesagt, sie könnten sich das vorstellen, dauerhaft in einem solchen Haus zu wohnen, 51 Prozent von ihnen sogar ohne Vorbehalte, 46 Prozent, wenn es noch die eine oder andere Anpassung gäbe. 3 Prozent geben an, bereits so zu wohnen. Keiner der Besuchenden hat also angegeben, sich nicht vorstellen zu können, in einem nachhaltig gebauten Haus zu leben. Das hat mich selbst positiv überrascht. Schliesslich ist es ja ein Forschungsprojekt, da läuft nicht immer alles rund. Klar sind diese Feedbacks für die Gesamtbevölkerung nicht repräsentativ. Denn die Besuchenden des KREIS-Hauses bringen meist eine gewisse Affinität zu Umweltthemen mit. Aber es zeigt eben auch: Es gibt ein Potenzial an First Movern. Zudem bin ich zuversichtlich, angesichts des wachsenden Umweltbewusstseins bei den jungen Leuten. Haase: Die Gebäude sind ja zum Teil 50 oder noch mehr Jahre alt. Die kann man nicht einfach abreissen und neu bauen entsprechend dem KREIS-Haus-Modell. Dafür hätten wir gar nicht die Ressourcen. Also müssen wir die energetische Renovierungsrate von heute knapp einem Prozent auf 3 oder 4 Prozent jährlich erhöhen, um den CO 2 -Fussabdruck in dem erforderlichen Zeitrahmen reduzieren zu können. In interdisziplinären Teams wird geprüft, wo die verschiedenen Stellschrauben sind, um etwas wirkungsvoll und nachhaltig zu verändern. Haase: Das Projekt Renowave (siehe auch Box am Ende des Interviews) gliedert sich in vier Bereiche: Zuerst schauen wir, welche Förderprogramme und Initiativen es auf regionaler, kantonaler oder kommunaler Ebene gibt, wie zum Beispiel kostenlose Energieberatungen, die man unter Hausbesitzenden bekannter machen könnte. Im zweiten Teil untersuchen wir neuartige technische und architektonische Lösungen für energetische Fassadensanierungen. Mit industriell vorgefertigten Fassaden etwa lässt sich eine komplette Hausfassade in einem Tag austauschen. Haase: Und die Beeinträchtigungen durch Lärm etc. würden stark minimiert. Damit solche Sanierungen auch umgesetzt werden können, schauen wir im dritten Teil neuartige Finanzierungsmodelle an. Finanzdienstleister könnten spezielle Angebote für solche energetischen Renovierungen kreieren, wie das zum Beispiel die Raiffeisenbank macht, mit der wir zusammenarbeiten. Der vierte Bereich beschäftigt sich mit neuen Geschäftsmodellen für Bauunternehmungen. Denkbar wären hier One-Stop-Shops, die sich um alles kümmern, was mit einer energetischen Sanierung zu tun hat, sodass Investorinnen und Investoren nur eine einzige Anlaufstelle hätten. «Bei Sanierungen oder neuen Heizungen müsste man stärker auf die Betriebskosten fokussieren.» Matthias Haase, Institut für Facility Management Haase: Neben fehlenden finanziellen Ressourcen erschweren unterschiedliche Eigentümerinteressen klimaneutrale Sanierungen. Wir haben das am Fallbeispiel der Siedlung Büel in Dinhard bei Winterthur untersucht. Diese Siedlung stammt aus den 70er Jahren. Die 51 Wohneinheiten haben 51 verschiedene Eigentümerinnen und Eigentümer. Sie spiegeln den Durchschnitt der Schweizer Gesellschaft: Wenigverdienende, ältere Bewohnende, junge Familien etc. Immer neun Gebäude teilen sich eine Wärmezentrale für Heizung und Warmwasser. Haase: Viele Eigentümerinnen und Eigentümer haben Angst, die Sanierungen finanziell nicht stemmen zu können. Oder sie sind schon älter und sehen keinen Sinn mehr darin. Das könnte man ändern, indem man nicht wie bisher zu stark auf die Investitionskosten fokussiert, wenn etwa eine neue Heizung eingebaut werden soll, sondern auf die Lebenszykluskosten. Denn hinsichtlich Betriebskosten ist eine Wärmepumpe einer Ölheizung klar überlegen. Die Co-Benefits einer Sanierung müssten stärker betont werden: Man spart Energie und damit laufende Kosten. Zusätzlich steigert man das Wohlbefinden und den Wert des Eigentums. Berücksichtigt man dann noch die CO 2 -Einsparung, ist es ein leichtere Entscheidung. Sütterlin: Oft erreichen die Informationen die Leute nicht, oder sie sind zu komplex. Die Wissens- und Informationsvermittlung ist ein oft verwendeter Ansatz. Er bedingt jedoch, dass die Leute auch wirklich motiviert sind, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Was generell gut funktioniert, ist die Nutzung des sozialen Einflusses. «Die Bewohnerinnen und Bewohner orientieren sich am Verhalten der anderen und wollen besser oder zumindest gleich gut sein.» Bernadette Sütterlin, Institut für Nachhaltige Entwicklung Sütterlin: Man kann sich zum Beispiel in einer Siedlungen Freiwillige suchen, die sehr motiviert und sehr gut vernetzt sind – sogenannte Block Leader. Diese können anderen Siedlungsbewohnern und -bewohnerinnen Informationen vermitteln und sie dazu bewegen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, oder sie bei der Umsetzung von gewissen Verhaltensweisen unterstützen. Eine weitere Möglichkeit, um eine Verhaltensänderung anzustossen, ist, soziale Normen bewusst zu machen. Diesen Ansatz haben wir in einer Studie zur Reduktion des Energieverbrauchs im Hüttengraben-Areal in Küsnacht erfolgreich eingesetzt (siehe auch Box am Ende des Interviews). Sütterlin: Ja. Indem wir den Mieterinnen und Mietern wöchentlich den Warmwasserverbrauch ihres Haushalts und jenen des Durchschnitts der anderen Haushalte zugespielt haben, wurde eine soziale Norm – das heisst, wie andere sich verhalten oder welches Verhalten erwartet wird – bewusst gemacht, und es wurde ein sozialer Vergleich angestossen. Die Bewohnerinnen und Bewohner orientierten sich am Verhalten der anderen und wollten besser oder zumindest gleich gut wie die Nachbarn sein. Das hat zu einer starken Reduzierung des Warmwasserverbrauchs geführt. Der Mensch möchte Teil einer sozialen Gruppe sein und strebt nach sozialer Anerkennung. Dieses Bedürfnis kann man sich entsprechend zunutze machen, um ein energiefreundliches Verhalten zu fördern. Sütterlin: Es braucht die Kombination mit anderen Ansätzen zur Verhaltensänderung. Das kann die Nutzung des sozialen Einflusses sein oder der Einsatz eines Echtzeit-Feedbacks. Viele kennen mittlerweile die digitale Handbrause Amphiro, die ein Echtzeit-Feedback zum Wasserverbrauch beim Duschen gibt. Wenn ich beim Duschen direkt auf dem Display sehe, wie ich mit meinem Duschverhalten Einfluss auf den Energieverbrauch nehmen kann und wie stark die Eisscholle schmilzt, auf der ein Eisbär steht, dann fördert das die Selbstwirksamkeit. Denn ich sehe direkt, dass ich mit kleinen Verhaltensänderungen schon eine grosse Wirkung erzielen kann. Patricia Faller, Interview Patricia Faller

Die Welt im Corona-Griff

«Sind Sie noch im Home-Office oder bereits zurück im Büro?» Bei zufälligen Begegnungen in der S-Bahn oder der Tram ist dies nach «Wie geht‘s?» häufig gleich die zweite Frage. Viele sehnen sich nach Normalität, den zufälligen Begegnungen an der Kaffeemaschine oder dem ganz realen Alltagsknatsch mit den Kolleginnen und Kollegen. Als wir diese Ausgabe zum Thema «Realitäten» planten – Mitte März bereits via Video-Konferenz –, hofften wir noch auf ein schnelles Ende der Misere. Wir fragten uns ernsthaft, ob Berichte über die «Hochschule im Home-Office» bei Erscheinen im Juni noch jemanden interessieren würden. Bald mussten wir feststellen, dass das Virus nicht nur unsere Realität, sondern das gesamte Weltgeschehen mehr und mehr bestimmte. Daher die Weltkugel mit Spikes des Coronavirus als Titelbild. Wir sahen der Realität ins Auge und blieben zuhause, um Leben zu retten, während einige unserer Studierenden und Dozierenden dies in Spitälern und in sozialen Einrichtungen taten. Für die Dossier-Fotostrecke sammelte Fotograf Conradin Frei Realitäten als Zeitzeugnisse. Während er durch die menschenleere Zürcher Bahnhofstrasse wanderte, fühlten ZHAW-Forschende aus dem Home-Office der Bevölkerung und den KMU den Puls – als Entscheidungshilfe für jene, die uns aus der Krise führen sollen. Im Wettlauf gegen die Zeit wird in den ZHAW-Laboren mit Sondergenehmigung noch immer Tag und Nacht an Impf- oder Wirkstoff-Kandidaten gegen Covid-19 gearbeitet. Angesichts dieses gigantischen Experiments sind wir der Ansicht: Wir haben den digitalen Stresstest ganz gut bestanden. Wie kreativ die Hochschulangehörigen sind und wie engagiert sie die neuen Realitäten mitgestalten, lesen Sie nun in diesem Magazin. Patricia Faller

Ernährungsthemen: Welche Social Media Känale nutzen 65+?

Welche Ernährungs- und Gesundheitsfragen interessieren Seniorinnen und Senioren am meisten? Wie kommunizieren sie über diese Fragen? Über welche Kanäle erreicht man sie am besten mit Informationen zu diesen Themengebieten? Diesen Fragen geht Iris Montez de Sousa in ihrer Doktorarbeit am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation nach. In diese Studie am ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management fliessen auch Erkenntnisse verschiedener Bachelor- und Semesterarbeiten ein. In einer davon untersuchte Zineb Al Ayadi, die an der ZHAW Lebensmitteltechnologie studiert, welche Social-Media-Kanäle Seniorinnen und Senioren in der Schweiz nutzen. Das Ergebnis ihrer Onlinebefragung: Die meisten nutzen WhatsApp und E-Mail, um direkt miteinander zu kommunizieren, einige wenige Facebook. Mit einem Online-Fragebogen befragte die Studentin 124 Seniorinnen und Senioren im Alter von 65 Jahren und älter. Viele der Befragten, auch jene in einem höheren Alter, gaben an, das Internet täglich zu nutzen (80,65%). Vor allem jene, die angaben, gute Kenntnisse im Umgang mit Online-Kanälen zu haben, nutzten vermehrt Apps. Gefragt wurde auch, welche Apps sie nutzen. 20,97 Prozent gaben an, Fitness-Apps zu nutzen, mehr als die Hälfte davon waren zwischen 65 und 74 Jahren. Danach befragt, welche Themen eine Gesundheits-App bieten sollte, damit sie sie nutzen würden, nannten die Betagten solche Themen, die helfen, sich gesund zu ernähren, den Gesundheitsstatus zu erhalten (53,22%) oder Krankheiten zu vermeiden (46,77%). Informationen zu Diäten, Rezepten oder nachhaltiger Ernährung waren weniger interessant für die Befragten. Patricia Faller

Immer auf der Suche

Im Gegensatz zum zufälligen Entdecken ist Forschen gründliche, systematische Suche nach neuer Erkenntnis – durch Beobachten, Messen, Erfragen oder Berechnen. Harte Arbeit also. Symbolisieren soll das auch unser Titelbild: Ideen entstehen, nehmen überraschende Wendungen, heben ab in luftige Höhen oder landen im Papier­korb der gescheiterten Projekte. Die Suche beginnt von vorne. Was treibt Forscherinnen und Forscher an, nie aufzugeben? Was motiviert sie , die Lösungen zu entwickeln, die wir als Gesellschaft brauchen? Unter welchen Bedingungen arbeiten sie heute? Und wie werden diese in Zukunft aussehen? Forschen ändert sich grundlegend . Deshalb berichten wir diesmal nicht über einzelne spannende Projekte, sondern machen Forschung zum Thema des ganzen Dossiers. Mehr als sonst hatten wir angesichts der Vielfalt die Qual der Wahl bei der Magazinkomposition. Nur eine kleine Auslese davon, was Forschung ausmacht und was die ZHAW zu bieten hat, können wir zeigen. Auch Martina Hirayama, frühere Direktorin der ZHAW School of Engi­neering und heutige Direktorin des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), war einst als Forscherin aktiv an der ZHAW und der ETH. Heute sorgt sie im SBFI dafür, dass kluge Köpfe gute Rahmenbedingungen erhalten, um ihre Ideen verwirklichen zu können. Im Interview spricht sie über die Forschung der Zukunft und die Rolle der Hochschulen. Beim Forschen hat sie erlebt, dass Scheitern auch Siegen bedeuten kann: Bei einem missglückten Klebstoffexperiment entdeckte sie ein neues Verfahren zur Ober­flächen­beschichtung. Manchmal liegen Forschen und Entdecken eben nahe beieinander. Und trotz aller Systematik braucht es auch etwas Glück. Viel Spass beim Entdecken, was Forschung ausmacht! Patricia Faller

ZHAW-Lifelong-Learning-Strategie: Mehr als nur Weiterbildung

Elena Wilhelm: Das ist richtig. Der Club of Rome hat schon 1979 erkannt, dass es angesichts rapider Veränderungen und zunehmender Komplexität nicht sinnvoll ist, die Ausbildung auf die ersten 18 bis 20 Lebensjahre zu beschränken. Neu ist aber bei unserer Life­long-Learning-Strategie, dass sie Implikationen auf alle Bildungs­stufen und alle Bildungsformate der ZHAW hat. Wir verstehen lebenslanges Lernen nicht nur als Weiterbildung. Das ist im schweizerischen Kontext aussergewöhnlich, wenn nicht sogar einzigartig. Daniel Baumann: Wir stehen zunehmend vor der Herausforderung, dass wir Leute ausbilden sollen für Stellenprofile oder sogar für Jobs, die es heute noch gar nicht gibt. Als Hochschule müssen wir uns überlegen, wie wir diese Aufgabe erfüllen können. Auch die Tatsache, dass viele Menschen ihren Job häufig wechseln oder mehrere Jobs gleichzeitig haben, erhöht ihren Bildungsbedarf. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Im Gegensatz dazu ist das Bildungswesen noch ziemlich konservativ: standardisierte Curricula, klar interpretierbare Qualifikationsnachweise, messbare Kompetenzen. Das eine passt immer weniger zum anderen. Das könnte sich angesichts der momentanen Dynamik, die wir auch losgelöst von der Corona-Krise erleben, ändern: Durch die digitale Transformation wird vieles obsolet, gleichzeitig wird vieles andere durch sie überhaupt erst möglich. Elena Wilhelm: Das war sicher ein wichtiger Motor für die Entwicklung der Lifelong-Learning-Strategie – zu schauen, welche Implikationen der rasche Wandel des Wissens auf Bildung und Lernen haben könnte und wie sich die ZHAW aufstellen muss. Neuartige Institutionen wie die CODE University in Berlin oder die Ecole 42 in Paris, für die keine Curricula existieren und in denen Studierende weitgehend selbstbestimmt und von den Dozierenden begleitet in Projekten lernen, findet man vor allem in der Informatik­ausbildung. Das ist kein Zufall. In diesem Fachgebiet hat Wissen eine besonders kurze Halbwertzeit. Elena Wilhelm: Wir wollen einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Kultur des lebenslangen Lernens leisten. Für die Studierenden wollen wir ein innovatives, vielfältiges und kreatives Lernumfeld bieten. Wichtig ist auch die intensivierte Vermittlung von Wissens- und Lernkompetenzen sowie von Unternehmenskompetenzen – also Entre- und Intrapreneurship – als Voraussetzung für das lebenslange Lernen. Die Studierenden sollen sich persönlich entfalten und die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aktiv mitgestalten können. Unsere Angebote sollen sie dabei unterstützen, in einem national und international sehr kompetitiven Umfeld arbeitsmarktfähig zu bleiben. Mit der Strategie soll nicht zuletzt die Bildungschancengleichheit erhöht und die gesellschaftliche Inklusion gefördert werden. Daniel Baumann: Die ZHAW soll auch in fünf und in zehn Jahren noch eine zeitgemässe Hochschule sein. Wir befinden uns im Wettbewerb mit allen Schweizer Hochschulen. Wer die Nachfrage besser abdeckt, wird sich im Markt behaupten können. Eine Fachhochschule ohne Lifelong-Learning-Strategie hat das Profil, welches eine Fachhochschule auszeichnet, nämlich die Praxis­nähe und Anwendungsorientierung in Forschung und Bildung, meiner Meinung nach nicht ganz erreicht. Die Anwendungsorientierung und Praxisnähe sind die Stärken von Fachhochschulen im Vergleich zu universitären Hochschulen. Wir wollen Menschen in die Arbeitswelt entlassen, die dort gleich eingesetzt werden können. Also müssen wir eine Vorstellung davon haben, welches Wissen und welche Kompetenzen wir den Studierenden auf welche Weise am bes­ten vermitteln, sodass sie sich im Unternehmen weiterentwickeln und Verantwortung für Arbeitgeber und Gesellschaft übernehmen können. Und wir müssen uns überlegen, welche unserer Leistungen ihnen dann noch einen Mehrwert bieten können, wenn die Absolventinnen und Absolventen einmal im Arbeitsleben stehen. Elena Wilhelm: Die ZHAW muss als Bildungs- und Forschungsinstitution sowohl den sich rasch ändernden Erfordernissen des Arbeitsmarktes als auch den individuellen Bildungsinteressen noch besser gerecht werden – immer unter der Voraussetzung der Aufrechterhaltung einer qualitativ hochwertigen Hochschulbildung. In der Lifelong-Learning-Strategie haben wir festgeschrieben, dass wir zu diesem Zweck die Synergien zwischen Forschung, Studium, Weiterbildung, Dienstleistung und Innovation stärken. Die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen und den Partnern in Wirtschaft und Gesellschaft im Sinne eines praxisbasierten und lebenslangen Lernens wird nochmals intensiviert. Daniel Baumann: ZHAW digital und die Hochschulentwicklung der ZHAW arbeiten an einem spezifischen Kompetenzentwicklungsmodell. Daniel Baumann: Nehmen wir an, es kommt eine Person – nennen wir sie Anna M. – mit einem spezifischen Bildungs­ziel zu uns an die Hochschule. Vielleicht hat sie ein Zertifikat, aus dem wir ablesen können, was Anna M. kann. Oder sie hat einen informellen Bildungshintergrund, das heisst, dass sie ausserhalb von Bildungseinrichtungen Wissen und Kompetenzen erworben hat. Wenn wir festgestellt haben, über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Anna M. verfügt, könnten wir aus allen ZHAW-Angeboten – Präsenzkurse, Onlinekurse, Coaching oder On-the-Job-Training – ein individuelles Studienprogramm zusammenstellen, damit sie ihr Ziel erreicht. Denkbar wäre auch, dass wir ihr einen persönlichen Trainer an die Seite stellen, der sie durch ihr ganzes Studium begleitet. Und nicht nur das. Aus der Perspektive des lebenslangen Lernens würde Anna M. diesen persönlichen Trainer an unserer Hochschule immer wieder konsultieren, wenn sie sich weiterentwickeln möchte, sei es aufgrund veränderter Interessen oder weil sie Führungsaufgaben übernehmen will oder bei einem Stellenwechsel noch andere Kompetenzen braucht. «Wir stellen ein individuelles Studienprogramm zusammen und sorgen dafür, dass die Kompetenzen am Ende nachweisbar sind.» Daniel Baumann Daniel Baumann: Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Studierenden an der School of Management and Law auch weiterhin zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre im klassischen Sinn studieren wird. Es kann aber durchaus sein, dass Anna M. allenfalls aus der Chemie kommt und jetzt spezifisches betriebswirtschaftliches Know-how braucht, weil sie eine Führungsposition übernehmen soll. Wir würden dann ein massgeschneidertes Programm für sie zusammenstellen und dafür sorgen, dass sie am Ende ihre Kompetenzen nachweisen kann. «Der Bereich Weiterbildung sollte noch stärker als bisher auf den spezifischen Kompetenzen der Teilnehmenden aufbauen.» Elena Wilhelm Elena Wilhelm: Für eine individuellere Begleitung durch das Studium sind verschiedene Massnahmen vorgesehen. Eine ist beispielsweise das Senior-Mentoring-Programm. Gestandene Berufsleute aus der Praxis, die sich mit der ZHAW identifizieren, erhalten eine Weiterbildung zur Mentorin oder zum Mentor und können Studierende und Weiterbildungsteilnehmende individueller begleiten, indem sie ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben. Elena Wilhelm: Dieses Anliegen war mir bei der Entwicklung der Strategie sehr wichtig. Denn im Bereich der Weiterbildung sollte noch stärker als bisher auf den spezifischen Kompetenzen der Teilnehmenden aufgebaut werden, damit sie einen möglichst grossen Benefit haben. Ich habe zum Beispiel vor zwei Jahren an der Universität Zürich einen EMBA absolviert. Die Teilnehmenden hatten vollkommen unterschiedliche Vorbildungen. Einige besuchten dabei zum vierten Mal in ihrer Bildungslaufbahn ein Modul in Mikroökonomie, ich besuchte es zum ersten Mal. Eine gewisse Wahlfreiheit wäre diesbezüglich sehr sinnvoll. Elena Wilhelm: Nein. Weiterbildungen à la carte sind eben individuell. Wichtig ist letztlich ja nur, dass das erworbene Wissen und die entwickelten Kompetenzen nachgewiesen werden können. Daniel Baumann: Vielleicht ist die Vergleichbarkeit auch künftig nicht mehr so wichtig. Der Arbeitsmarkt sucht mehr und mehr die richtige Person für einen Job und keine Bildungsstandards. Google hat beispielsweise eine ganz spannende Rekrutierungsstrategie: Die holen sich gute Leute ins Unternehmen, ohne bereits an einen speziellen Job zu denken, schauen dann, was sie oder er kann, und wählen eine entsprechende Stelle aus. Elena Wilhelm: Es braucht ein elektronisches Kompetenzportfolio, das die Kompetenzen abbildet, die man erworben hat. In anderen Ländern wird hierfür etwa die Blockchain-Technologie eingesetzt. Statt Krypto­währungen dienen Kompetenzen als Währungen – wie eine Art Bildungskapital. Arbeitgeber machen auch zunehmend ihre eigenen Assessments. Daniel Baumann: Ohne die Möglichkeiten der Digitalisierung wären die Ziele der Lifelong-Learning-Strategie kaum erreichbar. Die Individualisierung wird durch sie erst möglich und kostengünstiger. Wir können nicht alle Fachgebiete in Eigenregie anbieten. Deshalb sind wir dabei, an der ZHAW einen digitalen Campus zusammen mit anderen Hochschulen aufzubauen. Wir sind die erste Fachhochschule überhaupt, die Partner der weltweiten Online-Bildungsplattform edX ist, die von der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology gegründet wurde. Damit können wir Anna M. einen geeigneten Online-Kurs bei der Harvard University empfehlen, deren Zertifikat sich in ihrer Bildungsbiografie gut machen würde. Elena Wilhelm: Wir wollen noch viel gezielter die Vorteile des jeweiligen Formats nutzen. Reine Wissensvermittlung kann man online durchführen. Dadurch gewinnt man für eine individuellere Betreuung und individuelles Feedback mehr Zeit. «Im Präsenzunterricht müssen wir Studierenden ein Erlebnis bieten. Sie sollen sagen können: Super, dass ich da gewesen bin.» Daniel Baumann Daniel Baumann: Das kann ich nur unterstreichen. Wir brauchen Vorstellungen davon, was wir den Studierenden qualitativ Gutes zu bieten haben, wenn sie den Aufwand betreiben, um zur Hochschule anzureisen: Wir müssen ihnen ein Erlebnis bieten, sei es im Labor oder in einer Lerngruppe. Sonst können sie nämlich auch zuhause lernen. Sie sollen am Ende des Tages sagen können: Super, dass ich da gewesen bin. Bei der Weiterbildung ist dies noch viel wichtiger. Elena Wilhelm: Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir viel stärker als bisher angenommen auch online miteinander lernen und kommunizieren können. Die Qualität dieses Lernens muss nun ausgewertet und darauf aufbauend müssen entsprechende Konzepte entwickelt und die notwendigen Infrastrukturen aufgebaut werden. «Die bestehenden Bildungs- und Weiterbildungsformate bleiben zentral. Sie werden ergänzt durch neuartige Formate und Abschlüsse.» Elena Wilhelm Daniel Baumann: Mit den Mitteln der Zürcher Digitalisierungsinitiative wurden für die Zürcher Hochschulen sehr gute Rahmenbedingungen geschaffen, das heisst, wir sind da im Gesamtumfeld gut unterwegs, in einigen Themen sogar führend wie im Bereich der Open Education Ressources – also Bildungsmaterial, das für alle öffentlich zugänglich ist –, bei elektronischen Prüfungen oder eben dem «ZHAW digital campus». Elena Wilhelm: Die Strategie bewirkt eine Evolution und keine Revolution. Deshalb wird sich nicht alles ändern. Die bestehenden Bildungs- und Weiterbildungsformate bleiben die zentralen Angebote. Im Zuge des lebenslangen Lernens werden aber neuartige Formate und Abschlüsse eingeführt und erprobt werden. Daniel Baumann: Wir werden auch dann noch eine Präsenzhochschule sein, ergänzt durch einen starken digitalen Campus – gut vernetzt mit dem Arbeitsmarkt für On-the-Job-Training. Studierende werden zu uns kommen, weil wir auf individuelle Bedürfnisse eingehen können und weil bei uns Studieren ein Erlebnis sein wird – etwas, das einen das Leben lang begleitet. Weil das so sein wird, kommen die Studierenden immer wieder, um sich weiterzubilden – lebenslang. Patricia Faller, Sandra Hürlimann

Die Enzymtrainerin

Mittags auf dem ZHAW-Campus Reidbach in Wädenswil: In den Bioreaktoren der Fachstelle Biokatalyse und Prozesstechnologie werden literweise oder in kleinem Massstab Escherichia-coli-Bakterien gerührt oder geschüttelt. Die Kolibakterien sind mit einem Bauplan für die gewünschten Enzyme versehen und sollen sich vermehren, um so grössere Mengen der Biokatalysatoren zu produzieren. In speziellen Verfahren werden die Enzyme später abgetrennt und sollen als Katalysatoren bei chemischen Prozessen eingesetzt werden. Während Rebecca Buller, Leiterin der Fachstelle, die Journalistin und Fotografen durch die Labore ihres Teams führt, erzählt sie von der jungen und aufstrebenden Disziplin Biokatalyse, die angetreten ist, chemische Prozesse noch wirkungsvoller und nachhaltiger zu machen: «In der westlichen Welt haben wir eine sehr hohe Lebensqualität erreicht.» Die Gesellschaft stehe jetzt aber vor neuen Herausforderungen: «Wie kann eine nachhaltige Nahrungsmittel- und Energieversorgung aussehen, welche Antworten gibt es auf nach wie vor offene Gesundheits- oder Umweltfragen? Hier will die Biokatalyse zu Lösungen beitragen.» Dabei setzt die Disziplin auf Enzyme, die Multitalente aus der Natur. Sie helfen, chemische Reaktionen zu beschleunigen, giftige Reagenzien und Lösungsmittel zu ersetzen und nicht zuletzt Reaktionen überhaupt erst zu ermöglichen, die ohne sie gar nicht erreichbar wären. Sie können durch Fermentation in grossen Mengen hergestellt werden, wirken sehr spezifisch, sind biologisch abbaubar und im Gegensatz zu Edelmetallen, die bisher häufig als Katalysatoren eingesetzt werden, nicht von grossen Preisschwankungen betroffen. «Vor allem die Geruchs- und Geschmacksstoffbranche, die Pharma- sowie die agrochemische Industrie haben die Stärken der Biokatalyse erkannt», betont die Professorin für Chemische und Biotechnologische Methoden, Systeme und Prozesse. «Enzyme optimieren ist wie Hochleistungssport.» Nach der Besichtigung der Labore führt sie die Besucher in ihr Büro. Anhand von Modellen auf ihrem Laptop erklärt sie, was die Biokatalyse genau macht: «Weil die wenigsten Enzyme so eingesetzt werden können, wie sie in der Natur vorkommen, werden sie durch die sogenannte gerichtete Evolution für industrielle Anwendungen optimiert.» Dank der rasanten Entwicklung in der Molekularbiologie, insbesondere im Bereich Gensequenzierung und -synthese, können Enzyme immer einfacher und preisgünstiger optimiert werden. Das führte in den vergangenen 20 Jahren zu einem Aufschwung der Disziplin. Im Jahr 2018 erhielt die US-Forscherin Frances Arnold den Chemie-Nobelpreis für Arbeiten zur gerichteten Evolution von Enzymen. Rebecca Buller vergleicht das Optimieren von Enzymen mit dem Profisport: «Im Hochleistungssport werden zuerst Talente gesucht, bevor sie dann durch Training zu Spitzenleistungen gebracht werden.» Auf der Suche nach einem industriell einsetzbaren Enzym identifizieren die Fachleute ebenfalls zuerst mögliche Kandidaten, die prinzipiell in der Lage sein müssen, das gewünschte Molekül herzustellen. «Dann folgt das Training, bei dem unsere Forscherinnen und Forscher das Enzym mittels der gerichteten Evolution zu Hochleistungen bringen.» Wie schwierig das Training ist, verdeutlicht sie an einem Rechenbeispiel: Enzyme bestehen aus 20 verschiedenen Aminosäuren, die wie Legobausteine aneinandergereiht sind. Diese Bausteinketten sind meist zwischen 200 und 400 Aminosäuren lang. Damit ein Enzym genau so arbeitet, wie die Forscherinnen und Forscher es möchten, müssen häufig einige Aminosäure-Bausteine ausgetauscht werden. Würde man nur zwei davon gleichzeitig ändern, wären 400 neue Varianten möglich, bei fünf gibt es bereits 3,2 Millionen Möglichkeiten. «All diese Kombinationen zu testen, wäre für einen Menschen schlicht unmöglich.» «Die Meisterschaft ist dann gewonnen, wenn ein optimiertes Enzym die Produktherstellung ermöglicht.» Deshalb setzt ihre Fachstelle auf Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Computergestützte Modelle zur Vorhersage werden entwickelt. «Das System lernt dabei, wie sich bestimmte Aminosäure-Kombinationen auf die Enzymaktivität auswirken – und so unterstützt der Algorithmus uns bei der Suche nach der idealen Bausteinkombination.» Entscheidend ist dann noch eine erfolgsversprechende «Spiel-Strategie»: Bei welchen Temperaturen, welchem pH-Wert oder welcher Enzymmenge verläuft die gewünschte Reaktion bestmöglich? «Die Weltmeisterschaft haben wir dann gewonnen, wenn ein optimiertes Enzym die Herstellung des gewünschten Produkts erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht.» Im «Trainingscamp» von Rebecca Buller befinden sich derzeit unter anderem Enzymkandidaten, die helfen sollen, Plastikabfall abzubauen. Im Jahr 2016 wurde ein solches Enzym in einer Bodenprobe einer japanischen Recyclinganlage entdeckt. «Es ist nicht gerade das schnellste Enzym der Welt», scherzt Rebecca Buller. Deshalb wollen sie und ihr Kooperationspartner, die ETH Zürich, dem Enzym durch Algorithmus-gestützte gerichtete Evolution auf die Sprünge helfen. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des nationalen Forschungsschwerpunkts «Catalysis». Bei der Suche nach dem «Best-Talent» zur Herstellung von Wirkstoffen gegen antibiotikaresistente Keime, kooperiert ihre Fachstelle mit Fachleuten der Universität Bern im Rahmen des Sonderprogramms «Bridge» der Förderagentur Innosuisse des Bundes und des Schweizerischen Nationalfonds. «Multiresistente Bakterien verursachen heute viel Leid und hohe Kosten», erklärt Rebecca Buller, «deshalb wollen wir zur Entwicklung neuer Wirkstoffe beitragen.» Als Mutter zweier kleiner Kinder war sie selbst schon froh, wenn Antibiotika bei Infektionen halfen und das Fieber zurückging. Deshalb setzt sie sich dafür ein, dass es auch künftig selbstverständlich sein soll, bakteriell verursachte Infektionen mit Antibiotika bekämpfen zu können. Im Fokus dieser Arbeiten stehen Peptide – vielversprechende aus Aminosäuren aufgebaute organisch-chemische Verbindungen. Sie werden im Körper jedoch schnell als Fremdstoffe erkannt und abgebaut. Das Forschungskonsortium untersucht deshalb, ob und wie die Peptide mit Hilfe von enzymatischen Transformationen so stabilisiert werden können, dass neu Peptidwirkstoffe entstehen, die dann eine Wirksamkeit gegen resistente Bakterienstämme entfalten könnten. Die Faszination für die Chemie und die Enzyme führt Rebecca Buller, nicht nur auf ihre gute Chemielehrerin zurück: «Ich war schon als Kind sehr neugierig und mathematisch, naturwissenschaftlich interessiert.» Aufgewachsen in einer deutschen Kleinstadt in der Nähe von Münster, studierte sie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Chemie. «Mich fasziniert, wie diese Disziplin unser Leben so stark bestimmt, von der Ernährung und der Kleidung über Farben bis zur Speicherung von Energie und vielem mehr.» Während des Studiums wurde ihr klar: «Die Natur betreibt die bessere Chemie. Wir können einiges von ihr lernen.» «Die Natur macht die beste Chemie.» Spricht sie über Enzyme, gerät sie regelrecht ins Schwärmen: «Enzyme sind solch perfekte, kleine Maschinen.» Im Studium lernte sie moderne molekularbiologische Methoden kennen und begann, sich für die Arbeit mit massgeschneiderten Enzymen zu begeistern. Während ihres Studienjahrs an der University of California in Santa Barbara konnte sie zum ersten Mal intensiv in diesem wissenschaftlichen Feld experimentieren. Für ihre Doktorarbeit an der ETH Zürich widmete sie sich der gerichteten Evolution von Enzymen und konnte Ergebnisse ihrer Arbeit in der renommierten Wissenschaftszeitschrift «Nature» publizieren. «Später wollte ich nicht nur verstehen, wie Prozesse auf molekularer Ebene funktionieren, sondern auch, wie man dieses Wissen für Anwendungen in der Industrie nutzen kann», sagt die heutige Professorin. Sie nahm daher eine Stelle beim international tätigen Schweizer Aromen- und Duftstoff-Hersteller Firmenich an und leitete ein Labor in Genf. Im Eilzugtempo lernte sie Französisch: «Ich konnte nämlich zu Beginn kein Wort – aber im Labor müssen wir in jeder Hinsicht die gleiche Sprache sprechen», sagt Rebecca Buller, die heute mit ihrer Familie im Limmattal lebt. «Mich fasziniert, wie die Chemie unser Leben so stark bestimmt.» Nach vier Jahren in dem Westschweizer Unternehmen vermisste sie das akademische Umfeld und die Zusammenarbeit mit Studierenden. Eine Stellenausschreibung für den Aufbau eines Kompetenzzentrums Biokatalyse an der ZHAW weckte sofort ihr Interesse: «Ich mag es, mit interdisziplinären Teams zu arbeiten und etwas von Grund auf zu gestalten», sagt Rebecca Buller und ergänzt: «Mit den neuen Erkenntnissen, die wir in unserer Forschungsgruppe erzielen, können wir nicht nur die Grundlagenforschung voranbringen, sondern sie gleichzeitig auch in Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen testen.» Seit ihrem Wechsel an die ZHAW sind fünf Jahre vergangen. Sie hat inzwischen die Fachstelle Biokatalyse in der Schweiz zur wichtigsten Adresse in der angewandten Biokatalyse gemacht. Hatte sie zu Beginn eine Mitarbeiterin, arbeiten hier heute 15 wissenschaftliche Mitarbeitende, technische Angestellte und PhD-Studierende. Sie konnte bedeutende Forschungsprojekte akquirieren, gefördert von Innosuisse, dem Schweizerischem Nationalfonds und Industriepartnern. Wie ihre Enzyme wirkt auch die Professorin bisweilen wie ein Katalysator und bringt Menschen zusammen, die ohne ihr Zutun schwerer oder gar nicht zusammengefunden hätten. Das war so beim «Innovationsraum Biokatalyse», bei dem Rebecca Buller im Auftrag und mit zwei Millionen Fördermitteln des Bundes vor drei Jahren dieses Netzwerkprojekt startete. Dabei wurden nicht nur zahlreiche biokatalytische Forschungsvorhaben erfolgreich finanziert und Forschende vernetzt, sondern die Biokatalyse auch besser im Studium verankert. Nicht zuletzt gründete sie die Plattform Swiss Women in Chemistry (SWC) mit, ein Netzwerk für Chemikerinnen verschiedener Altersstufen und Tätigkeitsbereiche, welches auch Mentoring-Programme für junge Forscherinnen organisiert. Für die Natur begeistert sich Rebecca Buller nicht nur beruflich, sondern auch privat. Mit ihrer Familie verbringt sie ihre Freizeit gerne in den Schweizer Bergen. Und während sie erzählt, deutet sie aus ihrem Bürofenster, wo die Alpen an dem Tag zum Greifen nah erscheinen, während im Labor die Kolibakterien geschüttelt werden. Rahel Meister, Patricia Faller

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