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Wie Chatbots & Co. Studium und Hochschule beeinflussen

Mark Cieliebak sitzt auf einem der Sofas im Co-Working Space des Zentrums für Künstliche Intelligenz der ZHAW in Winterthur. Sein Blick fällt durch ein grosses Fenster ins nächste Gebäude. Dort schreiben Studierende gerade Prüfungen. Laut dem Professor für Sprach- und Textverarbeitung am Center of Artificial Intelligence muss dringend überlegt werden, wie an Hochschulen mit neuen Werkzeugen der Künstlichen Intelligenz (KI) wie dem textbasierten Dialogsystem ChatGPT umgegangen werden soll. «Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die KI die meisten der Prüfungen bestehen würde. Vielleicht nicht mit der Bestnote, aber mit einer 4.» Als ChatGPT – GPT steht für Generative Pre-trained Transformer – Ende November 2022 auf den Markt kommt, beginnt es an Schulen und Hochschulen zu rumoren. In New York sperren öffentliche Schulen die Website, die Hochschule Luzern prüft den Einsatz einer neuen Antiplagiatssoftware, und der Hochschuldachverband hat die Risiken auf dem Radar. Auch im Unterricht an der ZHAW spüren Dozierende bald erste Auswirkungen. Cieliebak erzählt, wie ein Student die Informatikübungsaufgabe eins zu eins ins ChatGPT kopiert hat und umgehend die Lösungen erhielt. «Da sagte ich, o.k., das war jetzt nicht die Idee. Aber um das Tool auf Programmiersprache zu testen, war es spannend.» «Wir verlangen nun ein viel höheres Niveau, zum Beispiel akzeptieren wir keine Rechtschreibfehler mehr, weil die Algorithmen das sprachlich leisten können.» Alice Delorme Benites, Professorin Mensch-Maschine-Kommunikation Auch Dozierende vom Institut für Computational Life Sciences testen den Chatbot anhand ihrer Prüfungsaufgaben. Matthias Nyfeler und Robert Vorburger berichten während einer Veranstaltung vor über 100 ZHAW-Mitarbeitenden von ihren Erfahrungen. Offene Fragen und Multiple Choice kann ChatGPT tipptopp beantworten. Bei grafischen Übungen oder Fragen zu eigenen Datensätzen spuckt es (noch) keine guten Ergebnisse aus. Dieser Anlass und ein Blick in die Veranstaltungskalender zeigen: An allen Hochschulen herrscht Diskussionsbedarf. Es stellen sich grundlegende Fragen: Sind Übungsaufgaben, die das Tool innert kürzester Zeit lösen kann, noch zeitgemäss? Und wie sollen Unterricht und Prüfungen in Zukunft aussehen? Alice Delorme Benites , Professorin für Mensch-Maschine-Kommunikation am Departement Angewandte Linguistik , sieht viele Parallelen zwischen dem KI-Übersetzungswerkzeug DeepL, das vor sieben Jahren öffentlicht zugänglich wurde, und KI-Chatbots wie ChatGPT. «Der Herbst 2016 war für Übersetzerinnen und Übersetzer wie ‹The Day After Tomorrow›», sagt sie. Die traditionellen Übungsaufgaben, Prüfungen und Bewertungen mussten allesamt neu evaluiert werden. Es stellte sich genau die gleiche Frage wie heute: Welche Fähigkeiten sollen Studierende lernen? Delorme Benites resümiert: «Wir möchten, dass Studierende die Maschine benutzen, weil sie das auch in Zukunft im Job machen werden. Aber sie sollen unbedingt in der Lage sein, damit kritisch umzugehen und sie sinnvoll einzusetzen.» Konkret wurden in der Lehre zwei Dinge geändert: «Einerseits haben wir bestimmte Prüfungen abgeschafft und durch Portfolios, Lerntagebücher, Reflexionen oder kommentierte Übersetzungen ersetzt. Und das zweite ist: Wir verlangen nun ein viel höheres Niveau, zum Beispiel akzeptieren wir keine Rechtschreibfehler mehr, weil die Algorithmen das sprachlich leisten können.» Alice Delorme Benites und Mark Cieliebak weisen nicht nur auf die vielen Chancen hin, sondern auch auf Gefahren. Denn so überzeugend ein Programm mit uns «interagiert», es bleibt eine Maschine. «Das Tool generiert den Text basierend auf reiner Statistik und hat kein Verständnis, auch wenn die Antworten überzeugend und menschenähnlich wirken. Du kannst genau die gleiche Frage leicht umformulieren und erhältst eine unsinnige Antwort», erklärt Cieliebak. Die Antworten sind oberflächlich betrachtet oft stimmig und gut geschrieben, können aber Fehler oder sogenannte KI-Halluzinationen enthalten, wie im Fachjargon freie Erfindungen genannt werden. Für Delorme Benites ist der Hype um das Tool auch auf einer anderen Ebene ein Problem: «Es werden aktuell viele Mythen und falsche Praktiken verbreitet. Dieser Dschungel kann im Nachhinein schwer dekonstruiert werden.» Daneben bestehen auch Risiken für Täuschungen oder Fake News sowie ökologische und ethische Problematiken. Alice Delorme Benites betont, dass die Künstliche Intelligenz Stereotypen verstärkt darstellt: «Bei ChatGPT gibt es keinen Ausgangstext, sondern Ausgangsfakten, und dies verschärft das Weltbild, das in den Datengrundlagen vorherrscht.» Die Expertinnen und Experten sind sich aber einig: Das Tool ist nicht das Problem, sondern zeigt gesellschaftliche Problematiken auf. Wie wir Menschen damit umgehen, das ist zentral. Auch in der Forschung kann das Tool eingesetzt werden. Könnte das Werkzeug als digitale Assistenz oder gar als Co-Autor bei wissenschaftlichen Publikationen verwendet werden? Nein, sagt das wissenschaftliche Magazin «Science». Es verbot bereits die Nutzung von KI-generiertem Inhalt, auch der Schweizerische Nationalfonds SNF äusserte sich skeptisch. Die ACL (Association for Computational Linguistics) ergänzt ihre Richtlinie differenzierter: Co-Autorenschaft kann eine KI zwar nicht erlangen, aber Autorinnen und Autoren können sie nutzen, solange sie Anwendung und Umfang erläutern. Erlaubt ist sie beispielsweise bei der Ideenfindung, Sprachkorrektur, Literaturrecherche oder der Zusammenfassung von bekannten Konzepten – sofern der Output auf Richtigkeit überprüft wird. «Ein Software-Entwickler hat mir erzählt, er spare bis zu 80 Prozent der Zeit beim Programmieren, da er oft nur noch prüfen muss, ob der generierte Programmcode korrekt sei.» Mark Cieliebak, Professor für Sprach- und Textverarbeitung Generell denkt Mark Cieliebak, dass mit generativer KI viel Zeit gespart werden kann: «Man kann nicht nur Texte, sondern auch Programmcodes erzeugen, und das auf sehr hohem Niveau. Ein Software-Entwickler hat mir erzählt, er spare bis zu 80 Prozent der Zeit beim Programmieren, da er oft nur noch prüfen muss, ob der generierte Programmcode korrekt sei.» Ein Verbot solcher Tools mache aus dieser Perspektive keinen Sinn – aber es brauche Richtlinien, wie wir damit umgehen wollen. Delorme Benites vergleicht den Umgang mit KI-Werkzeugen mit einem Waschgang: «Alle haben eine Waschmaschine, und grundsätzlich geht es nur darum, zu wissen, auf welche Knöpfe gedrückt werden muss und ob man im Vorfeld die Farben trennt. Aber das Waschen übernimmt die Maschine. Ich glaube nicht, dass wir uns als faul bezeichnen würden, nur weil wir unsere Wäsche nicht mehr per Hand am Fluss waschen.» Bei einer unreflektierten Nutzung könne es aber passieren, dass die Maschine unsere Wäsche in einer anderen Farbe und Grösse ausspuckt. An Expertise im Bereich KI mangelt es an der ZHAW nicht. Mark Cieliebak hat zusammen mit weiteren Expertinnen und Experten das Kompetenzzentrum «Generative AI» initiiert. Ihre Mission: ihr Wissen weiterzugeben, neue Forschung anzugehen, Anwenderinnen und Anwender zu informieren, zu sensibilisieren und zu beraten. Sie wollen ein Netzwerk aufbauen. Zum Beispiel untersuchen sie wissenschaftlich, wie gut das Tool im Vergleich zu bisherigen Algorithmen funktioniert. Neben solchen Bottom-up-Initiativen von Forschenden werden auch auf Hochschulleitungsebene Weichen gestellt, die die Dozierenden im sinnvollen Umgang mit dem Tool befähigen und Orientierung zum Umgang geben. Werkzeuge wie ChatGPT betreffen alle Studiengänge in unterschiedlicher Weise. Das ZHAW-Ressort Bildung gestaltet diesen Aushandlungsprozess aktiv und hat daher Ende Februar einen Workshop mit Vertreterinnen und Vertretern aller Fachbereiche und weiterer Organisationseinheiten durchgeführt. Es wurden insbesondere Spielregeln zum Umgang von ChatGPT in Leistungsnachweisen diskutiert. Sie sind nun in Erarbeitung. «Die Studiengangleitungen kommen mit konkreten Fragen sowie mit dem Wunsch nach einer klaren Positionierung der ZHAW», sagt Patrick Hunger , Stabbereichsleiter des Ressorts Bildung. «Gleichzeitig möchten wir Überregulierung vermeiden, denn KI beziehungsweise die Mensch-Maschine-Kooperation ist zukunftsweisend für die Bildung an der ZHAW», erklärt der Jurist. Die ZHAW möchte langfristig das Potenzial von KI-Werkzeugen in der Bildung in den Vordergrund stellen und mit den Departementen ausloten, was es für eine didaktisch kluge Integration in die Hochschule brauche. Auch dies steht auf dem Programm des Workshops. «Wir möchten Überregulierung vermeiden, denn KI beziehungsweise die Mensch-Maschine-Kooperation ist zukunftsweisend für die Bildung an der ZHAW.» Patrick Hunger, Stabbereichsleiter des Ressorts Bildung Wie KI-Werkzeuge nun die Hochschullandschaft umgestalten, bleibt abzuwarten. Das Fazit von Alice Delorme Benites zu DeepL macht Hoffnung: «Es zeigte sich in den letzten sechs Jahren, dass die Angst, die Fähigkeit zu übersetzen könnte verlorengehen, unbegründet ist. Die Studierenden lernen die Sprachen trotzdem und verbessern ihre Kompetenzen. Aber sie arbeiten sehr bewusst mit der Maschine. Für mich sind GPT und DeepL positive Hilfsmittel, denn wir müssen nicht mehr ‹die Wäsche waschen›, es bleibt Zeit für sinnvollere und schönere Tätigkeiten. Auch bringt es uns dazu, Menschen auszubilden und sie nicht wie Gefässe abzufüllen.» Johanna Seiwald

Medien und Kommunikation: Berufsprofile im Wandel

Die Digitalisierung hat das Mediennutzungsverhalten und damit das Berufsfeld Kommunikation und Medien stark verändert. Printmedien sind auf dem Rückzug, ein starker Konkurrenzkampf um die Leserschaft ist entfacht. Doch ob Zeitungsartikel, Podcast, Video oder Grafik: Das Erzählen von Geschichten bleibt nach wie vor zentral. Jedoch müssen Fachkräfte zunehmend in verschiedenen Formen und Kanälen denken und arbeiten können. Diese Kompetenz hat stark an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig müssen Absolventinnen und Absolventen auch mit unterschiedlichen Entwicklungen, Technologien und Informationsformen umgehen, wie zum Beispiel mit Künstlicher Intelligenz oder Big Data. Das Departement Angewandte Linguistik der ZHAW passt das Studienangebot kontinuierlich an diese Entwicklungen an, um den Studierenden die erforderlichen Fähigkeiten mitzugeben, damit diese mit den beruflichen Entwicklungen Schritt halten können. Filip Dingerkus, Co-Leiter des Bachelorstudiengangs Kommunikation und Medien, erklärt: «Das Ziel ist eine flexible Struktur, die schnelle Reaktionen auf Veränderungen ermög­licht. Die Kernkompetenzen der Ausbildung, die sprachlich fundiert, wissenschaftsbasiert und praxisnah ist, erweitern sich um den neuen Schwerpunkt Content Marketing und um Module in Bereichen wie UX-Writing, Social-Media-Kommunikation, Community Management und Content-Strategie.» «Die Zusammenlegung von Kommunikation und Medien in einem Studiengang vor 25 Jahren war ein umstrittener Schritt, doch er hat sich bewährt.» Filip Dingerkus, Co-Leiter Bachelorstudiengang Kommunikation und Medien Die Zusammenlegung von Kommunikation und Medien in einem Studiengang vor 25 Jahren war ein umstrittener Schritt, doch er habe sich bewährt, sagt Dingerkus. Denn er widerspiegle die sich überschneidenden Anforderungen der beiden Berufsfelder. Trotz der Unterschiede hinsichtlich Funktion und Selbstverständnis gilt es für beide Berufsgruppen, auf die wachsenden Ansprüche der Zielgruppen auf verschiedenen Kanälen und mit verschiedenen Formaten zu reagieren. Angesichts der heutigen Informationsflut keine leichte Aufgabe. Die gemeinsame Basis in der Ausbildung ermöglicht auch einfachere Übergänge zwischen den beiden Bereichen. So greifen immer wieder Kommunikationsabteilungen auf die Schreibfertigkeiten und das Storytelling von Journalisten und Journalistinnen zurück. Doch auch wenn die Aufgaben der beiden Berufe ähnlich sind, sind sie nicht identisch. Sowohl im Journalismus als auch in Unternehmenskommunikation sind nebst dem Geschichtenerzählen auch weitere Kompetenzen gefragt. Dazu gehören in der Unternehmenskommunikation strategische Kompetenzen, die für ein erfolgreiches Kommunikationsmanagement zentral sind. Darunter ist die bewusste kommunikative Steuerung der Beziehungen zwischen Organisationen und ihren relevanten Bezugsgruppen zu verstehen. Geschichten werden deshalb bewusst ausgewählt, um die Ziele der jeweiligen Organisation zu erreichen. «Beratende und strategische Aufgaben werden je länger je wichtiger. Ein Kommunikationsprofi muss Mitarbeitende oder Führungskräfte in Kommunikationsbelangen befähigen und Kommunikationsprojekte vorausschauend konzipieren.» Christina Ratmoko, Leiterin Master-Vertiefung Strategic Communication Management Da solche Geschichten von unterschiedlichen Personen aus der Organisation erzählt werden, gehört die Beratung auch zum Profil des Kommunikationsprofis. «Beratende und strategische Aufgaben werden je länger je wichtiger. Ein Kommunikationsprofi muss Mitarbeitende oder Führungskräfte in Kommunikationsbelangen befähigen und Kommunikationsprojekte vorausschauend konzipieren», erklärt Christina Ratmoko, Leiterin der Master-Vertiefung Strategic Communication Management. Das Erzählen von Geschichten wird zunehmend anspruchsvoller, doch gerade diese Herausforderung eröffnet neue Möglichkeiten. Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit des Zielpublikums auf innovative Weise zu erlangen und strategisch zielführende Inhalte zu schaffen, erfordert Kreativität und Vielfalt. Der dynamische Wandel im Medien- und Kommunikationsumfeld ermöglicht die Gestaltung facettenreicher Berufsprofile, erklärt Ratmoko: «Diese Entwicklung bietet die Chance, Grenzen zu überschreiten, Neues zu entdecken und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln – eine inspirierende Perspektive.» Thomas Schläpfer

Von der ZHAW auf die Rennstrecke

Die Sonne brennt vom Himmel, als wir uns mit Lea Schenk und Leo Pavlovic auf dem Platz vor dem Technikum in Winterthur treffen. In ihrer Werkstatt gleich um die Ecke ist es jedoch auch bei 30 Grad Aussentemperatur angenehm kühl, obwohl bei unserem Besuch sieben Leute gleichzeitig im bis zur Decke mit allerlei Material gefüllten Raum arbeiten. Dieser Tage herrscht ständig Hochbetrieb hier, manchmal sogar nachts, wie Schenk sagt: «So kurz vor der Präsentation unserer neuen Autos müssen wir ein paar Nächte durcharbeiten. Aber am Ende klappt es immer, dass wir rechtzeitig fertig sind. Das ist das Tolle an diesem Team: Die Leute sind jederzeit da, wenn sie gebraucht werden.» «Die Leute», das sind mehr als 80 Studierende der ZHAW aus verschiedenen Departementen, die sich alle dem Studierendenverein Zurich UAS Racing angeschlossen haben. Einem Verein, der Rennboliden konzipiert, baut und damit an «Formula Student»-Rennen teilnimmt. Gegründet wurde der Verein 2019 von Studierenden der School of Management and Law und der School of Engineering . Gerade einmal 16 Mitglieder hatte Zurich UAS Racing in dieser Anfangsphase – «das ist übrigens der Grund, weshalb wir bis heute mit der Nummer 16 fahren», sagt die 26-jährige Studentin. Nach drei Jahren schloss sich erstmals jemand aus dem Departement Angewandte Linguistik der Renntruppe an, seither ist man daran, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Departementen aktiv auszubauen. Lea Schenk war 2023 die zweite Person aus dem Departement Angewandte Linguistik, die dem Verein beigetreten ist, «mittlerweile sind acht Linguist:innen dabei, die sich alle um die Bereiche Kommunikation, Eventmanagement und Media Production kümmern». Zwar hat Schenk ihr Studium an der ZHAW unterdessen abgeschlossen. «Als sich aber Ende Saison 2023/24 herauskristallisierte, dass ich den Team Lead Operations übernehmen kann, wollte ich mir diese Chance auf keinen Fall entgehen lassen.» Dass nur Studierende im Verein mitwirken dürfen, war ein entscheidender Grund für sie, noch ein Masterstudium anzuhängen. «Der Verein ist ein absolutes Herzensprojekt für mich», erklärt sie, «und wo sonst kann man in einem so jungen Alter schon so viel Verantwortung übernehmen und gleich fünf Subteams führen? Die Aufgabe ist ein tolles Übungsfeld, ich kann hier alles anwenden und vertiefen, was ich im Studium gelernt habe.» «Ich kann hier alles anwenden und vertiefen, was ich im Studium gelernt habe.» Lea Schenk, COO Zurich UAS Racing Das bestätigt auch ihr Kollege Leo Pavlovic, Deputy Teamleader Mechanics: «Man lernt unglaublich viel hier in der Werkstatt, weil wir ‘hands-on’ arbeiten und uns nicht nur ein paar Vorlesungsfolien anschauen.» Pavlovic ist dem Verein gleich zu Beginn seines Studiums an der School of Engineering beigetreten. «Anfangs hatte ich etwas Mühe mit der Schule, habe gewisse Dinge nicht verstanden. Dann konnte ich hier immer fragen und jemand aus dem zweiten oder dritten Jahr hat es mir erklärt.» Zurich UAS Racing sei eben «viel mehr als ein Verein», sagt er, «hier entstehen Freundschaften und man unterstützt sich gegenseitig». Zwar ticken die Vereinsmitglieder durchaus unterschiedlich, wie Schenk sagt, «aber uns alle verbindet die Leidenschaft für den Motorsport». Während die einen von der Technik fasziniert sind, finden andere das Konstruieren an sich spannend oder aber die Vermarktung eines Rennautos. «Unser Verein ist sehr interdisziplinär aufgebaut: Wir haben das Mechanics-Team, das Electrics-Team, Informatiker, Wirtschaftsstudierende … Es funktioniert nur, wenn alle über die Disziplinen hinweg zusammenarbeiten und kompromissbereit sind», sagt Pavlovic. So wurde natürlich auch in der Gruppe besprochen, was am letztjährigen Auto verbessert werden sollte für diese Saison. «Wir haben das Fahrzeug bis ins kleinste Detail analysiert und uns bei jedem Teil gefragt, wieso wir das so gemacht haben und nicht anders. Mit dem Resultat, dass wir jetzt ein komplett neues Auto gebaut haben, bei dem kein Teil identisch ist mit dem letztjährigen Modell», sagt Pavlovic. Vielleicht hätten sie es etwas zu gut gemeint, gibt der 24-Jährige zu, «denn wir gehen dadurch natürlich ein Risiko ein». Zumal sie es letztes Jahr zum ersten Mal geschafft hatten, das Langstreckenrennen fertigzufahren. «Ein riesiges Achievement», ordnet Pavlovic ein, «von den 85 am Wettbewerb teilnehmenden Teams sind bloss 44 in dieser Disziplin überhaupt an den Start gegangen und nur 27 sind das Rennen fertig gefahren.» Das zu schaffen sei deshalb auch ohne Platz auf dem Podest ein Sieg gewesen für das Team, sagt er voller Stolz. Wie sie ihre Chancen am kommenden «Formula Student Switzerland» vom 9.–15. Juli einschätzen? «Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, gerade weil wir gewisse Sachen von Grund auf neu konzipiert haben», sagt Pavlovic. Auch Schenk ist optimistisch, gibt aber zu bedenken, dass dieses Jahr mehr Teams teilnehmen werden als je zuvor und viele davon der Weltspitze zuzuordnen sind. «Das Team der ETH etwa, aber auch Milano und zwei österreichische Teams werden hoch gehandelt», erzählt die Studentin. Sie alle bauen seit etwa 15-20 Jahren Autos. «Das ist ein enormer Wissensvorsprung, da können wir mit unseren sieben Jahren Erfahrung noch nicht mithalten. Aber ich bin sehr gespannt, wo wir uns werden einordnen können im internationalen Vergleich.» Auf das Rennen freuen sie sich auch deshalb, weil mit den konkurrierenden Teams über die Jahre Freundschaften entstanden sind. «Logisch bleibt es ein Wettkampf, aber wenn etwas kaputt geht und ein Ersatzteil fehlt, dann helfen einem die anderen Teams aus», sagt Pavlovic, «denn am Ende des Tages wollen alle die verschiedenen Autos fahren sehen.» Ersatzteile und alles andere werden übrigens nur teilweise von der ZHAW finanziert. «Vieles läuft über Partner, die uns das Material nach unseren Wünschen anfertigen und zur Verfügung stellen», so Pavlovic, der in seiner Rolle unter anderem eng mit dem Partnership- und Finance-Team zusammenarbeitet. Er ist der Networker des Vereins und liebt genau das an seiner Aufgabe: «Die Zusammenarbeit innerhalb der ZHAW und mit externen Partnern gefällt mir schon sehr. In der Industrie so vernetzt zu sein und zu wissen, bei wem ich mich mit welchem Problem melden kann, ist spannend. Zudem kenne ich durch meine Vereinsrolle nicht nur unsere Rektorin, sondern auch diverse Institutsleitende. Es fühlt sich nicht so an, als ob ich nur an der ZHAW studieren würde, ich bin vielmehr ein Teil davon – das macht mega Spass.» «Es fühlt sich nicht so an, als ob ich nur an der ZHAW studieren würde, ich bin vielmehr ein Teil davon.» Leo Pavlovic, Deputy Teamleader Mechanics Zurich UAS Racing Das Ganze bedeutet jedoch auch ein grosses Engagement. «Ich kann keine Stundenzahl nennen, aber in Phasen wie der aktuellen gibt es kein Limit gegen oben», gibt der Student zu. Ob sein Studium nicht darunter leidet? «Vielleicht ein bisschen. Aber für mich gehört der Verein nun einmal zum Studium dazu.» Auch bei Schenk summieren sich die Stunden: «Mit meiner Masterarbeit, die ich auch über Zurich UAS Racing schreibe, und der Arbeit für den Verein bleibt nicht mehr viel Zeit für Anderes», sagt sie, «aber es macht Spass und das ist meine letzte Saison, deshalb ist das Ende absehbar. Und ja, danach ist es dann auch schön, wenn das Leben ausserhalb des Vereins wieder weitergeht.» Jeanette Kuster

Von der Suchtberatung bis zur Spaziergeh-App

Während seines stationären Aufenthalts in einer psychosomatischen Rehaklinik für Burnout wird Marcel bereits auf seine Rückkehr in den Alltag vorbereitet. Das Fachpersonal instruiert ihn, wie er Frühwarnsymptome erkennt, mit einer App überwacht und bei einem Rückfall die Therapeutin per Online-Chat erreicht. «So kann eine weitere therapeutische Begleitung frühzeitig beginnen und nahtlos in den Alltag integriert werden», erklärt die Gesundheitswissenschaftlerin Elke Weber. Solche digitalen Gesundheitsinterventionen haben das Ziel, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern. Dazu zählen nicht nur Apps, sondern auch Websites, Online-Beratungen oder telemedizinische Plattformen, auf denen Ärztinnen und Ärzte Daten wie Röntgenbilder oder Laborwerte weiterleiten und besprechen können. «Digitale Angebote sind eine grosse Chance, um Wartezeiten auf eine Beratung zu überbrücken oder um Patientinnen und Patienten zwischen Therapiesitzungen mittels Gesundheitsedukation zu begleiten», erklärt Weber. «So kann eine weitere therapeutische Begleitung frühzeitig beginnen und nahtlos in den Alltag integriert werden.» Elke Weber, Gesundheitswissenschaftlerin Die wissenschaftliche Mitarbeiterin unterrichtet an der ZHAW das Modul «Grundlagen digitaler Gesundheitskompetenz und -interventionen». Angeboten von der Fachstelle Interprofessionelle Lehre , ist es für zukünftige Hebammen sowie angehende Fachleute für Physiotherapie, Ergotherapie, Gesundheitsförderung und Pflege zugänglich. «Dadurch haben wir die Möglichkeit, die interdisziplinäre Zusammenarbeit – die erheblich zum Erfolg einer Behandlung oder Beratung beiträgt – zu üben und zu verstehen», sagt Weber. In drei Unterrichtsteilen stärkt sie die Kompetenz der Studierenden, selbst digitale Angebote zu nutzen und zu entwickeln. Die Grundlage zu allen digitalen Interventionen bildet dabei die digitale Gesundheitskompetenz: «Wir müssen Menschen befähigen, online seriöse Gesundheitsinformationen aufzufinden, zu verstehen und für das eigene Gesundheitsverhalten zu nutzen», erklärt Weber. Die Gesundheitswissenschaftlerin beobachtet, dass die Zahl der Apps und Websites rasant ansteigt, während gerade vulnerable Gruppen wie Jugendliche oder ältere Menschen Mühe haben, vertrauenswürdige Angebote zu erkennen und davon zu profitieren. Deshalb ist es der Gesundheitsförderin ein besonderes Anliegen, dass die Studierenden verstehen, wie online Vertrauen und Akzeptanz gegenüber neuen digitalen Hilfsmitteln entstehen. Ihre Studierenden führt sie deshalb in die Online-Vertrauens- und -Akzeptanzforschung ein und lässt sie bestehende digitale Gesundheitsangebote kritisch untersuchen: Wirkt das Angebot auf mich professionell? Gibt es ein Impressum? Bringen die dort aufgeführten Leistungserbringenden entsprechende Qualifikationen mit? «Eine solche Recherche sollte der Nutzung von eHealth immer vorausgehen», sagt Weber. Die Studierenden entwickeln schliesslich in interdisziplinären Gruppen eigene Ideen für digitale Gesundheitsinterventionen, die sie auf einem wissenschaftlichen Poster präsentierten. Eine Gruppe kombinierte digitale und Präsenzangebote beispielsweise für eine Website, die Jugendliche und Schwangere mit einer Suchterkrankung informiert, aber auch sozialen Austausch über Chatfunktionen oder Narcotics-Anonymous-Treffen anbietet. «Gemeinsam gegen Einsamkeit» hiess der Vorschlag eines weiteren Teams. Es nutzte Online-Kanäle, um Rentnerinnen und Rentner für gemeinsame Spaziergänge zu begeistern. Die begleiteten Ausflüge fördern das physische und psychische Wohlbefinden, indem sie das Zugehörigkeitsgefühl stärken und neue Kontakte ermöglichen. «Im Bereich Digital Health ist eine fundierte wissenschaftliche Vorarbeit zentral, um möglichst passgenaue Angebote entwickeln zu können.» Elke Weber, Gesundheitswissenschaftlerin Die Arbeit am eigenen Projekt machte es möglich, die erworbenen Grundlagen anzuwenden und über die konkreten Bedürfnisse der Zielgruppe zu reflektieren. «Im Bereich Digital Health ist eine fundierte wissenschaftliche Vorarbeit zentral, um möglichst passgenaue Angebote entwickeln zu können», erklärt Weber. Digitale Gesundheitsinterventionen eröffnen insbesondere in ländlichen Gebieten neue Zugänge zur Gesundheitsversorgung. «Auf dem Land sind die Gesundheitsversorgung sowie die Infrastruktur tendenziell rückläufig und die Einwohnerschaft muss zunehmend längere Wege zu Gesundheitseinrichtungen auf sich nehmen», sagt Weber. Im kommenden Herbstsemester bietet sie daher ein Aufbaumodul an, das sich digitalen Angeboten für die ländliche Schweiz widmet. Dabei werden die Studierenden auch die spezifischen Ressourcen von ländlichen Gebieten analysieren. «Auf dem Land ist beispielsweise das Gemeindeleben aktiver», führt Weber aus. «Das ist eine Chance, um Menschen digitale Hilfsmittel näherzubringen und Vertrauen aufzubauen.» Stéphanie Hegelbach

Der Griff nach den Sternen

Morgens um 10 Uhr herrscht ein geschäftiges Treiben auf dem Areal des Militärflugplatzes Dübendorf. Wo früher Kampfjets starteten, tüfteln heute mehrere studentische Arbeitsgruppen an ihren Projekten. Auf dem Areal entsteht ein Innovationshub, der einst der grösste europaweit werden soll. Mittendrin: Aris, die akademische Raumfahrtinitiative. In ihrem Bereich herrscht eine chaotische Gemütlichkeit. Schränke, Regale mit allerlei Werkzeug, ein grosser Tisch mit Laptops, ein Modell eines Raketenantriebs, ein Pallet mit Energydrinks, eine Couch – und ganz nonchalant im Hintergrund: drei Raketen. Eine davon ist die Höhenforschungsrakete Nicollier. Höhenforschungsraketen sind unbemannte Raketen, die während des Flugs physikalische Messungen in der Atmosphäre durchführen. Dank eines integrierten Bergungssystems sind sie wiederverwendbar. 2024 gelang es Aris mehrmals, Nicollier 1000 Meter in die Höhe zu schiessen und nur wenige Meter vom geplanten Ort sicher landen zu lassen. Der Höherekord liegt gar bei über 10 Kilometern. 2017 von ETH-Studierenden gegründet, beteiligen sich mittlerweile rund 200 Studierende von fünf Schweizer Hochschulen bei Aris – von der ZHAW, der Universität Zürich, der Fachhochschule OST sowie der Hochschule Luzern. Sie setzen eigenständig ambitionierte Projekte für Raumfahrtanwendungen um, neben Höhenforschungsraketen auch Robotiksysteme und Satelliten. Ermöglicht werden die Projekte durch Sponsoren, sei es finanziell oder durch Sachspenden in Form von Komponenten. Auf die Unterstützung von rund achtzig Partnerunternehmen kann die Initiative heute zählen. Ist die Schweiz denn eine Raumfahrtsnation? «Nicht im klassischen Sinne», erklärt Jakob Meinrad Schreiber. Der 25-Jährige absolviert derzeit den Masterstudiengang Engineering in Aviation und ist ausserdem wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Aviatik der ZHAW School of Engineering. «Mit der Entwicklung von Hochpräzisionstechnik haben Schweizer Unternehmen jedoch eine wichtige Rolle in der Zulieferindustrie. Sie entwickeln zum Beispiel Anwendungen für Navigation, Kommunikation und Erdbeobachtung.» Beim letztjährigen Projekt Nicollier war Schreiber zusammen mit sechs anderen Studierenden für die Entwicklung der Elektronik und der Software zuständig. Beim aktuellen Raketen-Projekt Hermes ist er einer der System Engineers, also technischer Leiter des Projekts und auch Flight Director – derjenige, der bei einem Raketenstart das Go gibt. Das grosse Highlight ist jedes Jahr die Teilnahme an der European Rocketry Challenge, dem grössten europäischen Raumfahrtwettbewerb für studentische Teams. Mit Hermes will Aris als erstes studentisches Team Europas eine Höhenforschungsrakete mit einem Ethanol-Sauerstoff-Antrieb entwickeln. Dieser soll die Rakete mit einer Geschwindigkeit von rund 1400 km/h rund neun Kilometer in die Luft zu bringen. Neben Schreiber engagieren sich derzeit sechs weitere ZHAW-Studierende bei Aris. Einer von ihnen ist Victor Elliesen, der International Management an der School of Management and Law studiert. Der 22-Jährige hat bei Aris gleich mehrere Rollen inne: Er ist Vice-President, Head of Industrial Relations und Projektleiter. In seinem Projekt Nautilus entwickelt das Team ein unbemanntes Unterwasserfahrzeug, das wissenschaftliche Daten sammelt. Elliesen erklärt: «Bisherige System halten einige Wochen durch. Unser Ziel ist es, dass Nautilus bis zu drei Monaten in 300 Metern Tiefe eingesetzt werden kann.» Unterstützt wird das Team von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs. Das Fernziel ist, damit die Eismonde des Saturns zu erkunden. Der propellerlose Gleiter eignet sich aber auch zur Anwendung auf der Erde, etwa für die Polarforschung. 2026 sind simulierte Polartests in Norwegen geplant. Hört man die Studierenden erzählen, stellt sich natürlich die Frage, woher sie dieses hochkomplexe Wissen haben – immerhin handelt es sich hier ja tatsächlich um Rocket Science. «Vieles ist Learning by Doing», sagt Schreiber. «Aus dem Aviatikstudium habe ich das grundlegende Verständnis für Technologie, Physik sowie Methodik und weiss, wie man sich selbstständig Wissen aneignet.» Nicht alle Beteiligten haben jedoch einen technischen Hintergrund, so auch Elliesen nicht. «Wie in jedem Unternehmen sind auch bei Aris unterschiedliche Fähigkeiten gefragt», sagt er. Für jedes Projekt werden interdisziplinäre Subteams definiert, die das nötige Knowhow abdecken. Die Studierenden der ETH kommen eher aus den geeigneten technischen Studiengängen. Die der ZHAW bringen jedoch oft schon Arbeitserfahrung mit, was sehr willkommen sei. Elliesen erklärt: «Es braucht auch Leute mit dem Verständnis für das grosse Ganze. Ich könnte keine Steuerung programmieren, dafür mit potenziellen Sponsoren sprechen. Heute diskutiere ich mit diesen auch über Legierungen und Produktionsprozesse – dieses Wissen habe ich mir selbst angeeignet.» Das Engagement bei Aris ist ehrenamtlich. Für Elliesen und Schreiber ist die Erfahrung jedoch unbezahlbar: «Was mich am meisten motiviert: Selbstständig hochkomplexe Systeme zu entwickeln», sagt Schreiber. «Die Verantwortung, die wir übernehmen, ist enorm – wir hantieren zum Beispiel mit 300 bar und flüssigem Sauerstoff. Hier lernt man innerhalb eines Jahres so viel wie in einem Unternehmen im besten Fall in fünf Jahren.» Elliesen ergänzt: «Wer interessiert ist und Verantwortung übernehmen will, ist hier richtig. In einigen Teams arbeiten 50 Leute zusammen und das Board führt 200 Personen. Das erfordert Skills, die man in keinem Studium lernt.» Auch die Höhe des Budgets ist für einen studentischen Verein nicht zu verachten: 2024 nahm Aris Beiträge in der Höhe von über 850 000 Franken in Form von Finanz- und Sachleistungen ein. Die Vernetzung mit Gleichgesinnten ist ein weiterer wertvoller Aspekt. «Die Motivation im Team ist riesig. Und mittlerweile arbeiten bei jedem grösseren Raumfahrtunternehmen ehemalige Aris-Mitglieder. Auch Rabea Rogge, die 2024 als erste deutsche Frau ins All flog, ist eine Aris-Alumna», berichtet Elliesen. «Viele Alumni bleiben mit dem Verein in Kontakt und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite.» Dass Aris als ernsthafter Player in der Raumfahrtszene wahrgenommen wird, beweisen in den letzten Monaten gleich zwei Einladungen von hochrangiger Seite: Für die Vernehmlassung zum geplanten Schweizer Raumfahrtgesetz brachten Elliesen und drei seiner Kolleg:innen ihr Fachwissen im Nationalrat ein und Swissnex lud Aris als Vertretung der Schweizer Raumfahrtindustrie an die Weltausstellung in Osaka ein. Dort besuchten sie ausserdem das Schweizer Konsulat, wo es auch einen Austausch mit der Osaka Metropolitan University gab. «Zu merken, dass man wirklich etwas erreichen kann, war enorm motivierend», sagt Elliesen. Das Gefühl, gemeinsam mit einem Team etwas auf die Beine zu stellen, gefällt auch Schreiber sehr: «Die Faszination ist wie ein Sog, dem man nur schwer wieder entkommt. Ich gebe zu, dass ich auch schon morgens um 2 Uhr an einer Bar über technische Details diskutiert habe.» Längerfristig sehen sich beide in einem eigenen Startup. «So wie wir bei Aris arbeiten, ist meine Idealvorstellung: innovative Projekte, schnelles Vorgehen, motiviertes Team», schwärmt Schreiber. Auch der Verein selbst hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren einige Spin-Offs hervorzubringen. Elliesen: «Die Zeit ist reif, Europa muss in der Raumfahrt autonomer werden. Das Know-how ist auf jeden Fall da – und motivierte Studierende können sich jederzeit bei uns melden.» Sara Blaser

Kann die Menschheit vegan ernährt werden?

Wie kann die Menschheit in Zukunft ernährt werden, möglichst ohne die Umwelt zu stark zu belasten? Wäre eine komplett vegane Welt ohne Tierhaltung möglich? Diese Fragen trieben Patricia Krayer, Absolventin des Masterstudiengangs (MSc) in Applied Computational Life Sciences schon längere Zeit um, und so versuchte sie diese mit ihrer Masterarbeit selbst zu beantworten. Die 35-Jährige untersuchte, wie eine Landwirtschaft mit reduziertem Tierbestand oder ganz ohne Tiere sich auf die Ernährungssicherheit auswirken würde. Zudem wollte sie wissen, wie sich die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft dadurch verändern würden. Einfacher gesagt: Würde eine Landwirtschaft ohne Tiere die Umwelt weniger belasten und könnte man so weiterhin die ganze Menschheit ernähren? «Ohne Nahrungsmittel können wir nicht existieren, und gleichzeitig belasten wir mit der Lebensmittelherstellung unsere Umwelt, also eine weitere unserer Lebensgrundlagen», sagt Krayer. Dieser Konflikt interessiere sie, weil es unseren Alltag betreffe. «Alle Menschen der Welt ohne Tiere zu ernähren und ohne die Landwirtschaftsfläche auszudehnen, ginge nur mit konventioneller Landwirtschaft.» Patricia Krayer, Masterabsolventin Applied Computational Life Sciences Um die Umwelt weniger zu belasten, könnte die Tierproduktion verringert werden, da diese höhere Umweltschäden verursacht als die Produktion pflanzlicher Produkte. Hier sieht die Masterabsolventin einen weiteren Konflikt: Im heutigen Agrarsystem ist die Pflanzen- und Tierproduktion stark miteinander verflochten – insbesondere in der Bio-Landwirtschaft. «Die Produktion von tierischen Lebensmitteln ist meist mit mehr Umweltauswirkungen verbunden als die Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Gleichzeitig sind aber tierische Düngemittel ein wichtiger Faktor in der biologischen Landwirtschaft», sagt Krayer. Zu dieser Problematik fand sie kaum eine Studie und nutzte ihre Masterarbeit um sich mittels einer Modellierung vertieft damit auseinandersetzen zu können. Mit einem bestehenden Modell des globalen Ernährungssystems (SOLm V6) analysierte Krayer am Departement Life Sciences und Facility Management in Wädenswil, wie sich eine 100-prozentige vegane Welt im Jahr 2050 auf Ernährung und Umwelt auswirken würde. Das Modell entwickelte die Masterabsolventin mit digitalen und datengestützten Methoden weiter und untersuchte sechs vegane Landwirtschaftsszenarien mit unterschiedlichen Modellannahmen. Darunter drei bio-vegane und drei konventionell-vegane Produktionssysteme. Das Modell verfolgte bei allen sechs Szenarien die Nährstoffflüsse durch das ganze Ernährungssystem hindurch, vom Input zum Output. Es wurde beispielsweise untersucht, wieviel Wasser, Dünger oder Energie benötigt wird, welche Emissionen entstehen werden und welche Mengen an Nährstoffen schliesslich in den produzierten Nahrungsmitteln enthalten sind. Dabei hat sie auch untersucht, ob eine Bio-Landwirtschaft mit einer veganen Landwirtschaft vereinbar wäre. Das Resultat überraschte Krayer: «Möchte man alle Menschen der Welt ernähren, ohne dabei die Landwirtschaftsfläche auszudehnen, könnte dies ohne Tiere erreicht werden, jedoch nur mit konventioneller Landwirtschaft.» Im Gegensatz zu den vegan-konventionellen Szenarien produzierten die bio-veganen Szenarien ungenügende Mengen an Kalorien, Proteinen und Fetten. Somit wäre die biologische Landwirtschaft mit einer komplett veganen Landwirtschaft nur zu einem gewissen Grad vereinbar. «Die Bio-Landwirtschaft ist tatsächlich in einem sehr hohen Ausmass von der Tierproduktion abhängig.» Patricia Krayer, ZHAW-Masterabsolventin «Die Bio-Landwirtschaft ist tatsächlich in einem sehr hohen Ausmass von der Tierproduktion abhängig», so Krayer, denn die tierischen Düngemittel seien in der Bio-Landwirtschaft eine essentielle Nährstoffquelle. Nebst dem kleineren Ertrag, der im Biolandbau meist üblich ist, sieht die Masterabsolventin noch einen weiteren Grund, weshalb der biologische Anbau schlechter abschneidet als der konventionelle. «Im Biolandbau muss immer eine ausreichende Grünfläche für die Stickstofffixierung vorhanden sein.» Die sogenannten Kunstwiesen brauchen die Landwirte, um die Bodenqualität zu erhalten, um präventiv gegen Unkräuter vorzugehen und um den Stickstoff zu fixieren, der als Düngemittel zwingend notwendig ist. Diese Kunstwiesenflächen können in einer veganen Welt jedoch nicht direkt für die Lebensmittelproduktion genutzt werden, da der Grasaufwuchs nicht verfüttert werden kann. «Wir untersuchten auch, bis zu welchem Grad die biologische und vegane Landwirtschaft verträglich sind», sagt Krayer. Dabei habe sich gezeigt, dass die Menschheit mit einer 80-prozentigen veganen Welt in Kombination mit einer etwa 25-prozentigen biologischen Welt ernährt werden könnte. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass ein 100-prozentige vegane Welt nicht unbedingt umweltfreundlicher sein muss. «In einem veganen Szenario, das einen hohen Gemüseanteil aufwies, war der Wasserverbrauch beispielsweise sehr viel höher als bei allen anderen Szenarien», erklärt Krayer. «Dieses Szenario ist weit entfernt von den heutigen Produktionsmustern, dennoch muss man sich bewusst sein, dass es auch solche Effekte geben kann.» Sie ist überzeugt, dass die konkrete Umsetzung eine grosse Rolle spielen wird und die ideale Landwirtschaft weder 100 Prozent biologisch noch 100 Prozent vegan sein muss, sondern eine intelligente Kombination aus verschiedenen Ansätzen. Die neuen Erkenntnisse der Masterarbeit führten nicht nur zu einer Anpassung des Modells SOLm, sondern auch zu mehreren Einladungen zu renommierten Veranstaltungen. So konnte Krayer ihre Resultate beim Schweizerischen Verband der Ingenieur-Agronomen und Lebensmittel-Ingenieure (SVIAL) vortragen. Nun arbeitet Krayer als Associate Consultant bei der zu Accenture gehörenden Firma Trivadis und wird ihr Trainee-Jahr Ende September abschliessen. Beim IT-Dienstleister, der Unternehmen dabei unterstützt, Daten und neue Technologien intelligent zu nutzen, konnte Krayer viele neue Erfahrungen sammeln. «Fachlich konnte ich sehr viel im Bereich Data Engineering, Data Warehousing und Data Analytics lernen. Oder anders gesagt, wie man mit Daten umgeht, diese verwaltet, transformiert und dadurch neue Einblicke daraus generiert.» Dies sei eine sehr spannende Tätigkeit, auch weil sie dadurch die Möglichkeit erhalte, hinter die Kulissen von verschiedenen Firmen zu blicken. Und was geschieht mit den Erkenntnissen aus ihrer Masterarbeit? «Meine Supervisoren und ich streben die Veröffentlichung eines Papers an, damit die Ergebnisse auch weiter in die wissenschaftliche Welt getragen werden.» Cindy Schneeberger

Damit Träume keine Träume bleiben 

«Es heisst ‘das rote Haus’, aber ‘ein rotes Haus’, mit ‘s’. Deklination ist ein kompliziertes Thema, ich weiss», sagt Khulan Meier und lächelt verständnisvoll. Die Studentin des Bachelorstudiengangs Sprachliche Integration befindet sich gerade in einem Mentoringtreffen für Studierende und Studieninteressierte mit Fluchthintergrund, das sie zusammen mit ihrer Kommilitonin Melissa Kaspar durchführt. Ihre beiden Mentees hören aufmerksam zu. Jemal Yasin ist erst seit einem knappen Jahr in der Schweiz – spricht aber schon erstaunlich gut Deutsch. «Jemal ist ein Sprachtalent», beteuern die beiden Mentorinnen. Neben seinen beiden Muttersprachen Amharisch und Tigrinya spricht der Äthiopier Französisch, Englisch und Arabisch auf hohem Niveau. Er hat in mehreren afrikanischen Ländern als Übersetzer, im Kundendienst und in der Flüchtlingshilfe gearbeitet. Sein Ziel ist es, seine Sprachkenntnisse auch in der Schweiz beruflich einzusetzen. Nafisa Abdelbagi stammt aus dem Sudan und ist seit sieben Jahren in der Schweiz. In ihrer Heimat hat sie Ökonomie und Sozialwissenschaften studiert und danach auf einer Bank gearbeitet. In der Schweiz war sie zwei Jahre in einem Kinderhort tätig. Seit Herbst 2025 studiert sie wie die beiden Mentorinnen Sprachliche Integration. Lange wusste sie aber gar nicht, dass sie diese Möglichkeit überhaupt hat. Das Mentoringprogramm führen Kaspar und Meier im Rahmen eines Praxismoduls im fünften Semester des Studiengangs Sprachliche Integration durch. Andere Studierende stellen ihre praktischen Fähigkeiten etwa bei kantonalen Integrationsstellen unter Beweis, die beiden tun es bei einem Angebot der ZHAW für Studierende mit Fluchthintergrund. Die übergeordneten Ziele des Programms sind, dass sich die Mentees an der ZHAW willkommen, gut informiert und sozial integriert fühlen und ihren Studienalltag besser bewältigen können. Da die Gruppe in diesem Semester so klein ist, können die Mentorinnen das Programm sehr individuell auf die Bedürfnisse der beiden Mentees anpassen. Zehn Mal haben sie einander bereits getroffen und dabei neben allgemeinen Fragen zum Studienalltag und dem Leben in der Schweiz spezifisch an Themen gearbeitet, die für die beiden Mentees von Bedeutung sind. Für Yasin steht die Unterstützung beim Deutsch lernen im Zentrum; für Abdelbagi sind es inhaltliche Fragen zum Studium Sprachliche Integration. Eine Ansprechperson für alles zu haben, schätzen die beiden Mentees enorm. «Ich hätte ansonsten ein schlechtes Gewissen, jemanden ständig mit Fragen zum Studium zu löchern», sagt Abdelbagi. Das Programm gibt ihr die Sicherheit, keine Belastung zu sein. Die Mentorinnen organisierten ausserdem auch gemeinsame Aktivitäten, Treffen mit anderen Studierenden ihres Studiengangs und zeigten den Mentees Orte, an denen sie eine gute Lernumgebung finden, wie die Stadtbibliothek Winterthur oder die Hochschulbibliothek. Auf die Frage, ob sie das Mentoring weiterempfehlen würden, antworten die Mentees einstimmig: «Haben wir bereits mehrfach!» Doch nicht nur die Geflüchteten profitieren von den Treffen. Auch für die Mentorinnen ist die praktische Erfahrung in ihrem zukünftigen Arbeitsbereich viel wert – ein Bereich, in dem die Praxis nicht gross genug geschrieben werden kann. Sowohl Meier als auch Kaspar haben bereits Unterrichtserfahrung im DAZ (Deutsch als Zweitsprache). Sprachliche Integration sei jedoch viel mehr als Grammatik und Wortschatz. Die Arbeit mit Menschen sei in jedem Fall individuell, erklärt Kaspar. Und da die Zielgruppe enorm breit ist und jede Person ihre eigene – oft schmerzhafte – Geschichte hat, erfordert die Arbeit viel Einfühlungsvermögen. Dabei kommt den Mentorinnen ihre eigenen Erfahrungen zugute. Khulan Meier kam selbst erst vor sechs Jahren in die Schweiz und kennt die Herausforderungen bei der Integration und dem Spracherwerb aus erster Hand. Melissa Kaspar engagiert sich schon seit mehreren Jahren als Deutschlehrerin bei Solinetz Winterthur. Der gemeinnützige Verein bietet geflüchteten Personen kostenlose Sprachkurse und ein soziales Netzwerk. Parallel zum Studienbeginn übernahm sie vor zweieinhalb Jahren die Leitung der Winterthurer Geschäftsstelle. Die theoretischen Grundlagen zu ihrer praktischen Erfahrung zu erwerben, gab für sie den Ausschlag für das Studium. Für Meier war es vor allem die Vielfalt an Berufsmöglichkeiten: «Der Fachbereich ist noch relativ jung, man kann die Jobprofile vielerorts noch selbst mitgestalten und der Bedarf an Fachkräften ist gross. Neben dem Deutsch Unterrichten für Erwachsene sind mögliche Berufsfelder auch die Entwicklung von Lehrmitteln, die Mitarbeit bei Integrationsprojekten oder das Sprachbildungsmanagement – also das Konzipieren von Sprachkursen oder ganzen Integrationsprogrammen.» Sowohl Meier als auch Kaspar sehen sich in Zukunft auf strategischer Ebene im Sprachbildungsmanagement. Hört man Nafisa Abdelbagis Geschichte, wird offensichtlich, dass die Professionalisierung im Integrationsbereich einen wichtigen Beitrag für persönliche Erfolgsgeschichten, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes leisten könnte. Um sich erfolgreich zu integrieren, seien Kontakte bisher das A und O, beteuert Abdelbagi. «Ohne Netzwerk erfährt man leider kaum, welche beruflichen Optionen existieren oder nur schon, wo man welche Informationen erhält.» Es sei ein Teufelskreis: Um sich zu informieren, ist ein hohes Deutschniveau notwendig. Sprachkurse werden in den meisten Gemeinden jedoch nur bis Niveau B1 finanziert. Die Priorität liege darauf, Geflüchtete arbeitsfähig zu machen, damit sie nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig sind. Der berufliche Hintergrund oder besondere Fähigkeiten von Geflüchteten würden jedoch kaum beachtet. Dadurch bleibe vielen die Chance auf eine qualifizierte Arbeit verwehrt. «Sprachkurse auf höherem Niveau bieten vor allem Vereine an, die auf Freiwilligenarbeit beruhen», erzählt Kaspar. Abdelbagi hat dank dem Verein Solinetz das Deutschniveau C1 erreicht. Auch dass sie studieren könnte, erfuhr sie nur durch ihre Kontakte im Verein. «Meine Betreuerin auf dem Sozialamt hatte mir gesagt, in der Schweiz zu studieren werde ein Traum bleiben. Meine Diplome seien sowieso nicht anerkannt. Und ich habe das natürlich geglaubt.» Kritik möchte sie keine ausüben – dafür sei sie viel zu dankbar. Aber es sei natürlich schade, dass man sie nicht über alle ihre Möglichkeiten aufgeklärt habe. «Es ist klar, dass nicht alle Geflüchteten individuell gefördert werden können», sagt Kaspar. «Aber es ist auch klar, dass uns ein enormes wirtschaftliches Potenzial entgeht, wenn wir alle Geflüchteten nach demselben Schema abfertigen und kein bisschen auf ihre Fähigkeiten eingehen.» Abdelbagi beteuert: «Es wäre ok gewesen, wenn ich zuerst irgendeine Lehre hätte machen müssen. Aber jetzt, im Studium, fühle ich mich absolut am richtigen Ort und habe die Chance, eine qualifizierte Stelle zu bekommen, bei der ich anderen Geflüchteten mit meiner Erfahrung weiterhelfen kann.» Sara Blaser

Medizininformatik: Daten managen für eine bessere Gesundheit

Die Datenflut im Gesundheitsbereich nimmt ständig zu. Die Digitalisierung verspricht ein besseres Verständnis von Krankheiten und somit auch gezieltere Massnahmen zur Prävention, genauere Diagnosen und personalisierte Behandlungen. Um von den riesigen Datenmengen zu profitieren, müssen sie jedoch richtig verstanden und sinnvoll genutzt werden. Dies lernen Studierende in zwei neuen Digital-Health-Studiengängen der School of Engineering sowie des Departements Life Sciences und Facility Management . Diesen Sommer starten rund 60 Personen mit dem neuen Bachelorstudium Medizininformatik an der School of Engineering. Sie eignen sich das Rüstzeug an, um künftig an den Schnittstellen zwischen den Bereichen Medizin und Informatik zu arbeiten – etwa in Spitälern oder bei Krankenkassen. «Unsere Studierenden lernen, beide Welten zu verstehen», erklärt Thomas Järmann , Leiter Lehre am Departement. Sie programmierten in der Regel nicht selber umfangreiche und komplexe Software, passten jedoch diese zum Teil an die spezifischen Verhältnisse an und sorgten dafür, dass die gesammelten Daten von diagnostischen Tests, Medikamenten, Therapien und Operationen übersichtlich und sicher an der richtigen Stelle verfügbar sind. Während der sechs Semester im Vollzeit- beziehungsweise acht Semester im Teilzeitstudium beschäftigen sich die Studierenden unter anderem mit den Grundlagen des Gesundheitssystems und der Medizin, mit Machine Learning in der Diagnostik, Robotik im Rehabilitationsbereich, Bioinformatik und Statistik, aber auch mit Datenschutz und Ethik. Im engen Kontakt mit Branchen des Gesundheitswesens habe sich gezeigt, dass der Bedarf an entsprechenden Fachkräften gross sei, sagt Järmann. «Unsere Studierenden lernen, beide Welten zu verstehen – die der Medizin und jene der Informatik.» Thomas Järmann, Leiter Lehre an der School of Engineering Im interdisziplinären Studiengang der ZHAW unterrichten auch Dozierende der Bereiche Gesundheit, Life Sciences, Gesundheitsökonomie, Wirtschaftsinformatik und Linguistik. Ebenso divers sind die Vorerfahrungen der ersten Studierenden: Während die einen aus der Pflege oder Sozialarbeit kommen, bringen andere einen kaufmännischen Hintergrund mit und einige wenige stammen aus der Informatik. «Die Heterogenität ist eine Herausforderung», sagt Thomas Järmann. «Wir wollen aber alle Interessierten abholen.» Eine gute Vorbereitung seien die mathematischen Vorkurse der School of Engineering. Derweil sind in Wädenswil bereits vor einem Jahr 47 Personen im neuen Bachelorstudiengang Applied Digital Life Sciences gestartet und rund 50 weitere beginnen dieses Jahr. Es handelt sich schweizweit um ein einzigartiges Angebot. Die Studierenden lernen mit Big Data umzugehen, die mitten aus dem Leben stammen – etwa aus den Bereichen Pharmazie, Chemie, Biotechnologie, Landwirtschaft, Umwelt oder Gesundheitswesen. Ab dem vierten Semester tauchen sie in eine von drei Vertiefungsrichtungen ein: Digital Environment (Umweltbereich), Digital Labs and Production (Labore und Produktionsstätten unter anderem der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelbranche) oder Digital Health (Bereich Gesundheit). «Der Studiengang ist so interdisziplinär und abwechslungsreich, wie ihr späterer Berufsalltag sein wird.» Céline Reinbold, Studiengangleiterin In der Vertiefung Digital Health werden neben Konzepten für die Datenverarbeitung auch anatomische und physiologische Kenntnisse vermittelt sowie statistische Anwendungen zum Umgang mit Daten aus der Epidemiologie und Genetik. «Informatik und Naturwissenschaften halten sich ungefähr die Waage», sagt Studiengangleiterin Céline Reinbold . Genau dieses Profil sei im Gesundheitswesen vermehrt gefragt, betont die Psychologin und Hirnforscherin. «Es braucht Leute, die zwischen diesen Bereichen vermitteln können und beide Sprachen sprechen.» Typische Einsatzorte sind unter anderem Pharmakonzerne, die individuelle Krebstherapien aufgrund genetischer Profile von Patientinnen und Patienten entwickeln, oder ein Schlaflabor, wo viele medizinische Parameter gemessen und ausgewertet werden. Auch die Tiermedizin kann von Applied-Digital-Life-Sciences-Spezialistinnen und -Spezialisten profitieren: Hier wird zum Beispiel an Sensoren geforscht, welche die Vitalzeichen von Pferden erheben. Lernfähige Algorithmen bestimmen daraus anschliessend die Ovulationsphasen von Stuten. Somit können invasive Untersuchungen vermieden werden. Auch dieser Studiengang baut auf einer Zusammenarbeit mit diversen anderen Instituten der ZHAW sowie mit dem Studiengang Data Science der School of Engineering auf. Dieser Ansatz ermögliche den Studierenden einen Überblick über verschiedene Fachgebiete, erklärt Céline Reinbold. «Der Studiengang ist so interdisziplinär und abwechslungsreich, wie ihr späterer Berufsalltag sein wird.» Andrea Söldi

Tabletten im Kreislauf – ZHAW- und Stanford-Studierende gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit

Am Anfang stand ein Problem: Die acht Studierenden im einjährigen Vollzeitmaster International Business der ZHAW sollten die Pharmaindustrie, die einen deutlichen Fussabdruck hinterlässt, hin zu mehr Nachhaltigkeit bewegen. «Wir waren schon bei der Aufgabenstellung gefordert», erinnert sich die Teilnehmerin Anna Dietrich. «Sie war total offen formuliert und wurde auch auf unser Nachfragen hin nicht präzisiert.» Doch das war pure Absicht der Initiatorinnen und Initiatoren: «Wenn alles definiert ist, sind der Weg beziehungsweise das Ergebnis vorgespurt», sagt Dozentin Albena Björck, die das ungewöhnliche Studienformat initiierte und den Pilot verantwortete. Sie fügt hinzu: «Unsicherheit ist schwer auszuhalten, birgt hingegen auch unendlich viele Möglichkeiten.» Genau diese Möglichkeiten galt es auszuloten, immer wieder zu verwerfen und neu anzufangen. Das Team der ZHAW-Wirtschaftstudierenden entwickelte zusammen mit Stanford-Ingenieurstudierenden ein Pionierprojekt, das einen Mehrwert für alle Beteiligten schafft. Auftraggeber und Sponsor war der Pharmakonzern Johnson & Johnson. «Die Studierenden erlernten Skills wie Ambiguitätstoleranz und agiles Denken, die mit klassischen didaktischen Methoden kaum vermittelbar, aber in der heutigen Zeit Schlüsselkompetenzen sind.» Albena Björck, Leiterin Pilotprojekt Die Kooperation der beiden Hochschulen fand in diesem Jahr zum ersten Mal statt. Albena Björck begleitete das Projekt gemeinsam mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Juanita Guarin Davila eng. Auf seiten der Standford University waren die Professoren George Toye und Mark Cutkosky ihre Kooperationspartner. Das Studierendenprojekt glich denn auch einem Labor. Vorgegangen wurde nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Von Winterthur aus machten sich die acht ZHAW-Studierenden an die Arbeit. «Relativ schnell grenzten wir das Arbeitsgebiet auf den Bereich Selbstmedikation ein, da hier derzeit besonders viel Abfall entsteht und der Wirkungsbereich damit enorm gross ist», erzählt Teilnehmerin Anna Dietrich. Mit einer profunden Recherche, Marktanalyse und Prototypen in der Tasche reiste die erste Gruppe ZHAW-Studierender im Januar nach Stanford. «Ein zentrales Learning war für mich, dass man sich manchmal etwas Zeit lassen sollte und die erste Idee nicht sogleich die beste sein muss.» Anna Dietrich, Teilnehmerin am Studierendenprojekt Doch dort wurden in einem kreativen Prozess wieder alle bisherigen Ideen verworfen und sogleich neue Ansätze generiert. Die hier entstandene Lösung hat die Gestalt eines Dispensers, der wie ein Selecta-Automat an hoch frequentierten Standorten handelsübliche, rezeptfreie Arzneimittel (z. B. Ibuprofen) herausgibt. Der grosse Vorteil dieser Lösung wäre, dass die Tabletten einzeln statt in grösseren Packungen bezogen werden und so pharmazeutischer Abfall reduziert werden könnte. Dieses Ideenkonstrukt und einen rudimentären Prototyp übergab die Projektgruppe an die nachfolgenden Studierenden der ZHAW, die in die USA reisten. «Wir merkten rasch, dass Amerika bei der Kreislaufwirtschaft noch deutlich weniger weit ist als Europa. Während das Land vor allem noch am Recycling arbeitet, sucht Europa grundlegender nach Lösungen zum Ressourcensparen und -wiederverwenden. Wir von der ZHAW arbeiteten deshalb schon bald an einem übergeordneten Projekt», berichtet Teilnehmer Stephen Primeau. «Solche Projekte sind sehr komplex und verlangen von allen Beteiligten, die Extrameile zu gehen.» Juanita Guarin Davila, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHAW Das ZHAW-Team schlug ein Rückholprogramm vor, das es für die Apotheken wie auch die Kundschaft attraktiver macht, abgelaufene Medikamente zu sammeln. «Die Inhaltsstoffe könnten extrahiert und wieder dem Kreislauf zugeführt werden», führt Stephen Primeau aus. Somit hat das internationale und interdisziplinäre Studierendenteam im Endergebnis eine integrierte Systemlösung entwickelt. Das Fazit der Beteiligten: «Solche Projekte sind sehr komplex und verlangen von allen Beteiligten, die Extrameile zu gehen. Viele Stakeholder sind involviert, das Ende ist komplett offen und es braucht andere Mindsets», findet Juanita Guarin. Alle diese Faktoren würden das Ergebnis aber auch enorm verbessern. Albena Björck fügt hinzu: «Wir konnten hautnah miterleben, wie die Studierenden an ihrer Aufgabe wuchsen. Sie machten so viele Erfahrungen mit dem interdisziplinären, internationalen Team und im offenen Dialog mit international führenden Designexperten. Dabei erlernten sie Skills wie Ambiguitätstoleranz und agiles Denken, die mit klassischen didaktischen Methoden kaum vermittelbar, aber in der heutigen Zeit Schlüsselkompetenzen sind.» «Wir merkten rasch, dass Amerika bei der Kreislaufwirtschaft noch deutlich weniger weit ist als Europa.» Stephen Primeau, Teilnehmer am Studierendenprojekt Die positiven Feedbacks von Projektpartnern, Expertinnen und Experten sowie der Öffentlichkeit bestätigten schliesslich den Eindruck des ZHAW-Projektleitungsteams, dass das Pilotprojekt absolut gelungen ist. Die zahlreichen Kollaborationen, die übrigens dank jahrelanger Aufbauarbeit letztlich zu diesem Leuchtturmprojekt geführt haben, werden denn auch in unterschiedlichen Formen weitergeführt. Für die Studierenden Stephen Primeau und Anna Dietrich avancierten das Experiment und die Zusammenarbeit mit den Studierenden in den USA – bei denen sie die Innovationen im Silicon Valley und am Industriestandort Schweiz mitgestalten konnten – zum Höhepunkt des Studiums. Anna Dietrich spricht wohl für alle Teammitglieder, wenn sie sagt: «Ein zentrales Learning war für mich, dass man sich manchmal etwas Zeit lassen sollte und die erste Idee nicht sogleich die beste sein muss. Unglaublich war auch zu erleben, wie viel wir dann in den wenigen Tagen in Stanford gemeinsam auf die Beine stellten.» Rahel Lüönd

Neuer Studiengang: Kreislaufwirtschaft in all ihren Facetten

Kreisläufe sind im Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen der ZHAW ein zentrales Thema. Wasser aus dem Meer verdunstet, kondensiert zu Wolken, fällt als Regen auf die Erde, sammelt sich zu Seen und Flüssen und strömt zurück ins Meer: der Wasserkreislauf. Blätter fallen zu Boden, zersetzen sich, geben Nährstoffe frei und werden von den Wurzeln der Bäume und Sträucher wieder aufgenommen: der Nährstoffkreislauf. «Kreislaufwirtschaft hat für uns bisher vor allem bedeutet, Kreisläufe in Prozessen aus naturwissenschaftlicher Sicht zu optimieren», sagt Institutsleiter Rolf Krebs . «Die Wirtschaftlichkeit war da eher nachgelagert.» «Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft braucht Lösungen, die ökologisch sinnvoll sind – aber auch technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv.» Rolf Krebs, Leiter Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Departement Life Sciences und Facility Management So wie am Departement Life Sciences und Facility Management in Wädenswil klingt es auch in anderen Abteilungen der ZHAW: Das Thema Kreislaufwirtschaft ist in den letzten Jahren zwar immer wichtiger geworden, wurde aber bisher vor allem durch die eigene Departementsbrille betrachtet. «Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft braucht aber nicht nur Lösungen, die ökologisch sinnvoll sind – sondern auch technisch machbar und wirtschaftlich attraktiv», betont der Dozent für angewandte Bodenökologie. Genau aus diesem Grund wird in diesem Herbstsemester der neue interdisziplinäre Masterstudiengang Circular Economy Management eingeführt. Geleitet wird er von Krebs gemeinsam mit Christian Zipper von der ZHAW School of Engineering und Christian Vögtlin von der ZHAW School of Management and Law. «Ressourcen sparen und Energie effizienter nutzen war schon Ende der achtziger Jahre ein Thema», sagt Christian Zipper, der Stoff- und Energieflussanalysen, Ökobilanzierung und Risikomanagement unterrichtet. Nur habe das, was wir heute Kreislaufwirtschaft nennen, damals eigentlich nur ressourcen- und energieintensive Branchen wie die Stahl- und Zementindustrie interessiert. «Im Vordergrund stand nicht die Umwelt, sondern der Wunsch, Kosten für Produktion und Entsorgung zu senken.» Seit einigen Jahren nimmt vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Debatte um die Folgen des Klimawandels und des Ressourcenverbrauchs laut dem promovierten ETH-Umweltnaturwissenschaftler in Unternehmen ganz grundsätzlich das Bewusstsein zu, dass man Rohstoffe zurückgewinnen und wiederverwerten kann und muss. «Die EU ist weiter als die Schweiz, wenn es darum geht, Produkte langlebiger, reparierbar und rezyklierbar zu machen.» Christian Zipper, Dozent für Stoff- und Energieflussanalysen, Ökobilanzierung und Risikomanagement, School of Engineering Es sind vor allem neue Gesetze und Regulierungen, die diese Entwicklung vorantreiben. «Gerade im Rahmen des Green Deal der Europäischen Union ist die Kreislaufwirtschaft ein grosses Thema», sagt Christian Vögtlin, Co-Leiter des Center for Corporate Responsibility an der School of Management and Law. Der Green Deal bündelt politische Initiativen mit dem Ziel, alle Mitgliedstaaten bis 2050 klimaneutral zu machen. Die EU ist aus seiner Sicht weiter als die Schweiz, wenn es darum gehe, das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung abzukoppeln und Produkte langlebiger, reparierbar und rezyklierbar zu machen, ergänzt Zipper. Etwa das sogenannte «Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz»: Grosse Unternehmen in Deutschland sind seit Anfang 2023 verpflichtet, nicht nur in ihren Werken faire, soziale und umweltfreundliche Bedingungen zu garantieren, sondern müssen diese entlang der gesamten Lieferkette sicherstellen. Wer also beispielsweise Bürostühle herstelle, müsse gewährleisten, dass auch der dafür verwendete Stahl oder die Baumwolle für die Stoffbezüge unter menschenwürdigen und nachhaltigen Bedingungen produziert wurden. Das Gesetz hat direkte Auswirkungen auf ein Exportland wie die Schweiz: Wer als Zulieferer für deutsche Grossunternehmen wie zum Beispiel Siemens produziert, werde diese Vorgaben künftig ebenfalls umsetzen müssen, gibt Zipper zu bedenken. «Ob es sich um einen Betrieb mit mehreren Tausend oder ein KMU mit zehn Angestellten handelt, spielt dabei keine Rolle.» «Unternehmen, die für ihre wenig nachhaltigen Praktiken bekannt sind, haben heute deutlich mehr Probleme bei der Personalsuche als früher.» Christian Vögtlin, Co-Leiter Center for Corporate Responsibility, School of Management and Law Den Wandel treiben aber nicht nur Gesetzgeber und grosse Unternehmen an, die exponierter und entsprechend grösserem Druck ausgesetzt sind und Reputationsrisiken fürchten. «Heute verlangen auch Konsumentinnen und Konsumenten immer öfter nach Produkten, die länger halten und sich reparieren lassen», sagt Vögtlin. Stellensuchende wollen nicht einfach irgendeine Arbeit, sondern eine sinnvolle Tätigkeit, die sie mit gutem Gewissen ausüben können. «Unternehmen, die für ihre wenig nachhaltigen Praktiken bekannt sind, das Dirty Business, wenn man so will, haben heute deutlich mehr Probleme bei der Personalsuche als früher.» Nicht zuletzt werde Nachhaltigkeit auch für Investorinnen und Investoren immer mehr zum entscheidenden Kriterium. So sehr die Kreislaufwirtschaft als Idee immer mehr in Unternehmen präsent ist: «An Fachkräften, die den Übergang begleiten können, fehlt es», weiss Vögtlin. Natürlich gebe es heute in vielen Betrieben bereits Nachhaltigkeitsbeauftragte. «Es braucht jedoch noch mehr Menschen, die ein transdisziplinäres und ganzheitliches Wissen über die Kreislaufwirtschaft mitbringen.» Neben technischen, wirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten und Kenntnissen sind mehr denn je auch sogenannte Soft Skills gefragt, wie der habilitierte Betriebswirtschaftler ergänzt. «Die Wende zur Kreislaufwirtschaft setzt voraus, dass Gewohntes kritisch betrachtet und neu gedacht wird.» Genau da will der neue Masterstudiengang der ZHAW in die Bresche springen. «Wir wollen Fachleute ausbilden, die über ein breites Verständnis davon verfügen, was Kreislaufwirtschaft alles bedeutet», sagt Zipper. Das heisst: Studierende setzen sich etwa vertieft mit den natürlichen Kreisläufen sowie der Endlichkeit von Ressourcen auseinander. Phosphor, zum Beispiel, sagt Krebs, werde im grossen Stil abgebaut, sei es doch zentral für die Landwirtschaft als Düngemittel. «Wenn der Rohstoff erst einmal aufgebraucht ist, fehlt die Alternative.» Beim Phosphorrecycling nehme die Schweiz übrigens weltweit eine Vorreiterrolle ein: Ab 2026 muss Phosphor hierzulande aus Abwasser, Klärschlamm oder Klärschlammasche gewonnen und als Dünger stofflich verwertet werden. Zur Ausbildung gehört auch ein Überblick über verschiedene Instrumente zur Ökobilanzierung, sie messen die Nachhaltigkeit eines Produkts auch anhand seiner Auswirkungen auf die Umwelt. So sind zum Beispiel Elektroautos nur dann klimafreundlicher als herkömmliche Fahrzeuge, wenn die Energie im Tank nicht aus Kohle, sondern aus Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Quellen kommt. Gleichzeitig erfahren Studierende viel über Materialeigenschaften und Produktionsprozesse. Was das bedeutet, erklärt Zipper an einem aktuellen Projekt der ZHAW, einem Velohelm aus Pilzmaterial: Angehende Spezialistinnen und Spezialisten in Sachen Kreislaufwirtschaft lernten entsprechend nicht nur die Charakteristiken herkömmlicher Materialien und deren Herstellungsart kennen, sondern auch jene nachhaltigerer Alternativen: Haben Pilze dieselben Dämpfungseigenschaften wie Styropor, bessere vielleicht sogar? Wie produziert man einen biologisch abbaubaren Velohelm? Welche natürlichen Beschichtungstechnologien gibt es, damit er dem Regen standhält? Nicht zuletzt: Wie bringt man, um beim Beispiel zu bleiben, einen solchen Helm aus Naturstoffen an die Velofahrerin und den Velofahrer? Was kostet seine Herstellung und welche Transformationsprozesse muss ein Betrieb dazu durchlaufen? Was für Normen muss er erfüllen, welche Tests bestehen? Wie verdient man mit einem Pilzvelohelm letztlich auch Geld? «Die Nachhaltigkeit eines Produkts allein reicht nicht aus, damit es auf dem Markt bestehen kann», gibt Vögtlin zu bedenken. «Es muss auch dieselbe Funktionalität und Qualität haben.» Arbeit dürfte es laut den Initiatoren des neuen Studiengangs für die künftigen Absolventinnen und Absolventen mehr als genug geben: Denn wo auch immer physische Produkte hergestellt werden, seien es Hörgeräte oder Smartphones, Velohelme oder Notizblöcke, wird sich in nächster Zeit einiges ändern müssen. Ümit Yoker

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