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Ratings für Green Finance: Künstliche Intelligenz statt Handgelenk mal Pi

Wer heutzutage Geld anlegt, will nicht nur das Vermögen vermehren, sondern auch ein bisschen die Welt retten – oder zumindest die Klimawende erleichtern. «Nachhaltigkeit ist in der Finanzindustrie ein Megatrend», sagt Jan-Alexander Posth vom ZHAW Institut für Wealth & Asset Management . Davon zeugt die wachsende Angebotspalette in der Branche. Der Finanzdatenanbieter Morningstar zählt 7486 Nachhaltigkeitsfonds, oft tragen sie die Bezeichnung ESG im Namen. Das Kürzel steht für die Berücksichtigung der Auswirkungen auf Umwelt (Environment) sowie Menschen (Social) und für eine Einstufung der Unternehmensführung (Governance). In den ersten neun Monaten 2021 haben sich die Anlagen in diese Fonds laut Morningstar auf 3893 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Gelder, die nach ESG-Kriterien direkt in Aktien, Obligationen oder andere Finanzinstrumente investiert werden, sind in dieser Summe noch nicht mal eingerechnet. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen richten ihre Anlagen ebenfalls verstärkt an ESG-Kriterien aus. Gemäss dem Schweizer Pensionskassen-Index der Grossbank Credit Suisse (CS) haben diese Vorsorgeeinrichtungen 32,1 Prozent ihrer Gelder «sehr nachhaltig» angelegt. Massgeblich für diese Einschätzung sind die ESG-Ratings der eingesetzten Finanzprodukte durch den Finanzdienstleister MSCI. «Unser Anspruch ist es, verlässlichere Massstäbe für die Auswahl eines grünen, nachhaltigen Investments bereitzustellen.» Jan-Alexander Posth, Institut für Wealth & Asset Management Die Sache hat allerdings einen Haken. Bei den ESG-Ratings komme es vor, dass die eine Ratingagentur ein Unternehmen mit «gut» benote, die andere Agentur aber zum gegenteiligen Schluss komme, sagt Jan-Alexander Posth, zu dessen Forschungsschwerpunkten Sustainable Finance sowie Digitalisierung & Künstliche Intelligenz gehören. Das heisst: Wer nachhaltig investieren will, stochert im Nebel. Genauso geht es Unternehmen, die sich gegen den Klimawandel stemmen wollen. Für sie bleibt rätselhaft, was sie konkret ändern müssen. Hier hakt das Institut für Wealth & Asset Management ein. «Unser Anspruch ist es, verlässlichere Massstäbe für die Auswahl eines grünen, nachhaltigen Investments bereitzustellen», erklärt Posth, selbst promovierter Physiker und lange in der Finanzbranche tätig. Dabei kommt Künstliche Intelligenz zum Zug. Ein Projekt will beispielsweise Satellitendaten nutzen, um die Auswirkungen von Bergbauunternehmen auf die Biodiversität aufzuzeigen. Dabei geht es nicht nur darum, mit gewöhnlichen Satellitenbildern Abholzungen von Urwald aufzuspüren. Vielmehr sollen auch multispektrale Daten genutzt werden, die vom Infrarot- bis in den Radarbereich reichen und recht detaillierte Aussagen über Pflanzenarten, Geländeformationen und vieles mehr erlauben. Während dieses Vorhaben unter der Federführung von Tomasz Orpiszewski in der Anfangsphase steht, befindet sich ein zweites Projekt mitten in der Umsetzung. Hier geht es darum, wie nachhaltig die Technologien eines Unternehmens sind. Dieses Projekt wertet das Patentportfolio eines Unternehmens KI-gestützt aus und identifiziert so Firmen, die zum Beispiel im Bereich CO 2 -Verminderung besonders aktiv Innovationen vorantreiben. Die Datenbasis ist in einem ersten Schritt ein Satz mit 2,5 Millionen Patenten von 1990 bis 2021 in englischer Sprache. Sie stammen aus mehreren Ländern und decken die Patentklasse Y02 des Europäischen Patentamts mit den klimarelevanten Technologien ab (Climate Mitigation Technologies). Das von der Innosuisse finanzierte Projekt läuft gemeinsam mit der Universität Basel und dem Projektpartner EconSight GmbH , der sich auf die Analyse des Wettbewerbsumfelds in Zukunftstechnologien spezialisiert hat. «Was eine Firma heute an Patenten einreicht, wird in der Regel in drei bis vier Jahren am Markt eingesetzt», erläutert Jochen Spuck, Chief Technology Officer von EconSight. Er unterzieht Unternehmen vertieften Patentanalysen und identifiziert so jene, die im Klimawandel punkten werden. Die Ergebnisse sind manchmal verblüffend. Die Erdölkonzerne Shell, Exxon und Total zum Beispiel bemühen sich auf den ersten Blick gleichermassen um Nachhaltigkeit, doch Spuck ist überzeugt, dass die französische Total dank einer Vielzahl von relevanten «grünen» Patenten – etwa in den Bereichen Photovoltaik, Batterietechnologie oder Automation – ihre beiden Konkurrenten deutlich überflügeln wird. «Die Maschine erkennt also, ob ‘Bank’ für eine Sitzgelegenheit im Park steht oder für eine Bank, bei der ich ein Konto eröffnen kann.» David Jaggi, Institut für Wealth & Asset Management Tausende von Patenten hat EconSight bereits klassifiziert. Sie kommen nun als Daten-Lernsatz auf eine Deep-Learning-Workstation, erklärt David Jaggi , Mitglied in Posths Projektteam. Dabei handelt es sich um einen besonders leistungsfähigen Computer, der für den Einsatz mit Künstlicher Intelligenz optimiert ist. Er durchforstet die Patenttexte mit einem Deep-Learning-Sprachmodul, das nicht nur einzelne Wörter, sondern auch ihren Kontext versteht. «Die Maschine erkennt also, ob ‘Bank’ für eine Sitzgelegenheit im Park steht oder für eine Bank, bei der ich ein Konto eröffnen kann», sagt David Jaggi. Mit dem Lernsatz und einem Teil der 2,5 Millionen Patente trainiert er Computer. Jeden Patenttext stellt er numerisch dar, vergleicht automatisch Muster und Zusammenhänge. Dann gilt es ernst: ein erster Durchlauf, bei dem ein bislang nicht benutzter Satz an Patenten eingesetzt wird. «Dabei zeigt sich, wie gut der Algorithmus mit Daten zurechtkommt, die er noch nie gesehen hat», sagt Jaggi. Ablesen lässt sich der Erfolg an jenen Patenten und Unternehmen, die schon EconSight bewertet hatte. Kommt der Computer zu einem vergleichbaren Resultat? Falls nicht, ist Nachsitzen angesagt: Justierungen vornehmen, am Algorithmus feilen, neue Trainingsrunden absolvieren, bis das Ziel erreicht ist: eine verlässliche Einstufung, wie gut eine Firma in den klimarelevanten Technologiefeldern aufgestellt ist. Bislang rechne fast jeder ESG-Ratinganbieter nach einer anderen Methodik, sagt Projektteammitglied Linus Grob, «deshalb sind die Resultate der verschiedenen Ratinganbieter halt schlecht vergleichbar». Etablierte Kennzahlen fehlen noch, zudem beruhen viele Angaben auf kaum überprüfbaren Selbstdeklarationen der Unternehmen. Ein transparentes, belastbares Rating hat einen grossen Stellenwert, wie Projektleiter Posth verdeutlicht: «Um den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu schaffen, müssen wir die Finanzströme so umlenken, dass innovative Ansätze und nachhaltige Technologien begünstigt, klimaschädigende Produktionsweisen aber verteuert werden.» Umlenken ohne Leitplanken und Wegweiser sei ein Ding der Unmöglichkeit: «Fehlen verlässliche Daten und Vorgaben zur Entscheidungsfindung, missglückt letztendlich auch der Wandel.» (Aufmacherbild: lvalin ) Thomas Müller

Die Netto-Null-Party

Als die Dämmerung einbricht, beginnen die Lichterketten im Quartier zu leuchten. «Jetzt geht’s los», sagt Carla zu ihrem Freund Tobias. «Aber ich bin am Verhungern!» «Gut! Es gibt unglaublich viel leckeres Essen heute», sagt Tobias mit strahlenden Augen und lässt seinen Blick über das grüne Quartier schweifen. Die mit Bäumen bestückten Grünflächen füllen sich langsam mit jungen und alten Menschen. Sie essen Lupinenburger, dazu Rüebli-, Tomaten- und Gurkensalat aus den lokalen Gemüsegärten und trinken vom quartiereigenen süssen Weisswein. Denn heute wird gefeiert. Nicht nur hier, sondern rund um den Globus. Von Reykjavik bis Harare, von Kuala Lumpur bis New York, von Novosibirsk bis Buenos Aires versammeln sich die Menschen in ihren Quartieren. Es ist kurz vor Mitternacht, als die Fassade des höchsten Gebäudes im Quartier zu funkeln beginnt. Sie dient als Interface, die durch ein integriertes Photovoltaik-System tagsüber Energie speichert und nach Einbruch der Dunkelheit Strom für die Beleuchtung und Ausstrahlung von Bildern liefert. Carla, Tobias und die anderen Menschen im Quartier starren gebannt auf die Fassade. Dann – Punkt Mitternacht – zuckt und blitzt es wie ein Feuerwerk und schliesslich leuchtet überall auf der Welt dasselbe Bild auf den Interfaces: eine neongrüne Null. Die Menschen tanzen, umarmen sich und jubeln. Denn soeben ist der erste Tag verstrichen, an dem der globale Ausstoss von Treibhausgasen bei Netto Null lag. Als Hologramm in der Luft schwebend, erscheint die Präsidentin des Weltklimarats. Sie wischt sich eine Träne aus dem linken Auge und hebt wortlos beide Fäuste. «Thank you! Gracias! Mahalo! Xie Xie! Spasiba! Danke!», ruft sie in die Menschenmenge. Alle verstummen und die renommierte Klimaforscherin erzählt, wie die Welt aussehen würde, hätte die Menschheit ihre Klimaziele verfehlt: «Die Temperatur der Erdatmosphäre wäre um vier Grad höher als vor Beginn der Industrialisierung, die Gletscher wären abgeschmolzen, Korallenriffe und Mangrovenwälder zerstört. Taifune, Sturmfluten und Dürren würden häufiger über die Kontinente fegen. Einige Inseln und Küstenstädte hätte das Meer verschluckt, viele Tier- und Pflanzenarten wären ausgestorben – unglaublich, dass wir nur knapp an diesem Schreckensszenario vorbeigeschrammt sind.» Ein Raunen geht durch die Menge. Dem ernsten Gesichtsausdruck der Präsidentin entweicht ein breites Grinsen. «Aber zum Glück kann ich heute sagen: Danke an alle Visionäre, die fossilfreie Energieträger vorangetrieben haben, die uns eine emissionsfreie Mobilität ermöglicht haben, mit deren Hilfe wir genügend und saubere Nahrung für jeden Weltbürger produzieren können. Danke an jede und jeden von euch. Ihr habt mit eurem Handeln die Industrie und die Staaten aufgerüttelt und dazu gebracht, auf die Wissenschaft zu hören. Und nun lasst uns feiern!» Auf der interaktiven Gebäudefassade erscheinen eine Trompetenspielerin, ein Gitarrist und eine Sängerin, die in Lissabon auf einer Bühne stehen. Dann beginnen sie zu spielen. Einige Menschen heben ihre Kinder auf ihre Schultern, Carla und Tobias halten sich an den Händen und singen mit. Ein paar andere wiegen sich gedankenverloren im Takt. Stefanie Schnydrig*

Wenn Studierende selbstständig Kranke behandeln

«Es rasselt ein bisschen», sagt Medizinstudentin Sophie Strasser zur Patientin im Spitalbett. «Sie haben immer noch ein wenig Wasser auf der Lunge.» Nicht nur die angehende Ärztin, sondern auch ein Pflegestudent und eine zukünftige Physiotherapeutin hören die ältere Frau mit dem Stethoskop ab. Nach der Visite tauschen sie sich auf dem Gang aus. Sophie Strasser legt schliesslich fest, das Medikament gegen Lungenödeme höher zu dosieren. «Schauen wir mal, ob das eine weitere Verbesserung bringt», meint sie. «Wir sind ein motiviertes Team», sagt sie später, als sie im Stationsbüro einen Bericht verfasst. «Wir geben uns gegenseitig unser Wissen weiter.» «Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen und profitieren voneinander.» Lionel Fend, Bachelorstudent Pflege Darauf zielt das Ausbildungsmodell Zürcher interprofessionelle klinische Ausbildungsstation ZIPAS (siehe Box) ab. «Die Teilnehmenden sollen ein besseres Verständnis und eine Offenheit für andere medizinische Berufsgruppen entwickeln», sagt Seraina Beerli, stellvertretende Leiterin Berufsbildung am Kantonsspital Winterthur (KSW). «Sie sollen von- und miteinander lernen.» Am KSW sind Anfang November, als dieser Bericht entstand, sieben Studierende der Medizin, der Pflege und der Physiotherapie für zwei Zimmer auf der allgemeinmedizinischen Abteilung zuständig. Sie organisieren sich selbst und versorgen Patientinnen und Patienten eigenständig. Zur Seite stehen ihnen drei Supervisorinnen, sogenannte Facilitatorinnen. «Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen und profitieren voneinander», sagt Lionel Fend, der an der ZHAW Pflege studiert und sein letztes Praktikum absolviert. Er hat unter anderem an den Röntgenrapporten, die sonst der Ärzteschaft vorbehalten sind, spannende Einblicke erhalten. Im Gegenzug hat er mit den künftigen Ärztinnen geübt, einen Venenkatheter zu legen und Blut abzunehmen. «Die Pflegenden haben darin mehr Routine als wir», sagt Paula von der Lage, die an der Universität Zürich Medizin studiert. An diesem Morgen nun unterstützt sie ihre Kollegin von der Physiotherapie bei einem Gehtraining. Gemeinsam gehen sie mit einer Patientin den langen Korridor entlang und eine Treppe hoch. Auf dem Rückweg übernimmt es Paula von der Lage, die betagte Frau zu sichern. «Wir geben einander bewusst Aufgaben ab», sagt sie. Die gegenseitige Wertschätzung nehme dadurch zu. Die Stichworte «Wertschätzung», «Konfliktfähigkeit» und «Kreativität» sind auch an einer Pinwand im Büro zu lesen. Sie benennen drei interprofessionelle Kompetenzen, die das ZIPAS-Team in dieser Woche besonders stark gewichtet. Am Ende des Durchgangs soll es sich in zwölf interprofessionellen Fähigkeiten verbessert haben. «Die Teilnehmenden ergänzen einander und entwickeln sich zusammen weiter», sagt Seraina Beerli. Sie hat am KSW zwei Testläufe der ZIPAS begleitet und freut sich nun über den Regelbetrieb. Jede Gruppe funktioniere anders, jede gehe ihren eigenen Weg. «Ich präsentiere keine Ideen, sondern stelle Fragen.» Vanessa Vega, Berufsbildnerin Pflege am Kantonsspital Winterthur «Die Lernenden sollen befähigt werden, selbst zu einer Lösung zu gelangen», sagt Facilitatorin Vanessa Vega, die als Berufsbildnerin Pflege am KSW tätig ist. Sie hält sich bewusst im Hintergrund. «Ich präsentiere keine Ideen, sondern stelle Fragen.» Nur wenn es um die Patientensicherheit geht, wird sie von sich aus aktiv. Sie weist etwa darauf hin, dass ein Antibiotikum intravenös abgegeben werden kann, ohne dass dafür zuerst der Katheter gespült werden muss. «Beim Spülen besteht immer ein gewisses Infektionsrisiko», erklärt sie. Die Facilitatoren müssten über ein breites Fachwissen verfügen und den Überblick behalten, sagt Marion Huber vom Departement Gesundheit der ZHAW. Sie müssten kreative Lösungen zulassen. «Die Teilnehmenden lernen, indem sie selbstgesteuert handeln und ihr Handeln reflektieren.» Marion Huber hat im ZIPAS-Projektverbund die Expertengruppe geleitet, welche die Lernziele definiert hat. Sie begleitet ZIPAS zudem wissenschaftlich und berichtet von positiven Effekten. So ist die fachübergreifende Kooperation mit besseren Handlungsabläufen und kürzeren Kommunikationswegen verbunden. Die Bürokratie nimmt ab. Das Personal schätzt den Austausch und ist motiviert. Die Patientinnen werden qualitativ hochstehend versorgt und fühlen sich sicher. Sie bleiben im Durchschnitt weniger lang im Spital, als dies auf vergleichbaren Stationen der Fall ist. Die Kosten nehmen dadurch tendenziell ab. «Die Teilnehmenden lernen, indem sie selbstgesteuert handeln und ihr Handeln reflektieren.» Marion Huber, Departement Gesundheit der ZHAW Seraina Beerli bestätigt diese Befunde aus dem Spitalalltag. «Die Patienten sind froh, wenn sie nicht immer wieder die gleichen Fragen beantworten müssen.» Doppelspurigkeiten kämen seltener vor. Positiv äussern sich auch die Teilnehmenden. «Wir werden diese Sensibilität für andere Berufsgruppen mitnehmen», sagt Lionel Fend. Er fände es gut, wenn alle Pflegestudierenden eine solche Praxiserfahrung machen könnten. «Das gegenseitige Verständnis ist enorm wertvoll», pflichtet ihm Sophie Strasser bei. Sie schätzt es, im Rahmen von ZIPAS selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen zu können. Sie ist überzeugt, dass die Patienten und das Gesundheitswesen als Ganzes von mehr Vernetzung profitieren würden. Viele Fachleute betonen, dass Interprofessionalität angesichts der steigenden Kosten, der demografischen Entwicklung sowie des Fachkräftemangels gestärkt werden müsse. «Sie kann ein wichtiger Baustein sein, um diese Herausforderungen zu meistern», sagt ZIPAS-Projektleiter Gert Ulrich von Careum. Das KSW will ihr künftig noch mehr Gewicht geben. Das Spital kann sich vorstellen, auf weiteren Abteilungen ZIPAS-Stationen einzurichten. Eveline Rutz

Weshalb engagieren Sie sich im Nachhaltigkeitsausschuss der ZHAW?

Sustainable Impact: Emotionen mit weniger Emissionen

Im August steht Winterthur stets im Zeichen seiner Musikfestwochen. Mit rund 70 Konzerten und einem kulturellen und kulinarischen Rahmenprogramm lockt das Festival über 50'000 Menschen in die Gassen der Altstadt. An neun der zwölf Festivaltage ist der Eintritt frei. Seit der Gründung vor fast fünf Jahrzehnten kommen immer mehr Musikbegeisterte nach Winterthur. Mittendrin in der Organisation: Lotta Widmer. Die ZHAW-Studentin leitet den Bereich Partnerschaften und Events der Musikfestwochen. «Das lässt sich mit meinem Teilzeitstudium in Umweltingenieurwesen an der ZHAW vereinbaren», sagt sie und meint es auch so. Mit ihrer Bachelorarbeit in der Vertiefung «Umweltsysteme und nachhaltige Entwicklung» will sie dazu beitragen, das Festival künftig noch nachhaltiger zu gestalten. «In der Kulturbranche sehe ich die einmalige Chance, ein grosses Publikum durch positive Erlebnisse für nachhaltige Themen zu sensibilisieren.» Lotta Widmer, Studentin, die durch das Sustainable Impact Program gefördert wird Mit Mehrweggeschirr und Solarstrom wurden schon erste Schritte getan. Eine professionelle Berechnung der CO 2 -Emissionen soll nun die wissenschaftliche Grundlage schaffen für weiterführende Massnahmen im Bereich ökologischer Nachhaltigkeit. Teil der Arbeit ist aber auch die Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit sowie der umweltpsychologischen Hintergründe. Dabei geht Lotta Widmer der Frage nach, wie das Publikum für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert und zu umweltfreundlichem Handeln motiviert werden kann. «Zum einen sehe ich Veranstaltende in der Pflicht zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung, zum anderen bietet sich in der Kulturbranche die einmalige Chance, ein grosses Publikum durch positive Erlebnisse für nachhaltige Themen zu sensibilisieren oder sogar zu umweltfreundlichem Handeln anzuregen», sagt Lotta Widmer angesprochen auf ihre Motivation. Als die Studentin ihre Projektidee für die Bachelorarbeit schon aufgegleist hatte, stiess sie auf die Ausschreibung für das Sustainable Impact Program (SIP). Zunächst zögerte sie, ihr Projekt für die 5000-Franken-Förderung einzureichen. «Dieses interdisziplinäre Projekt erfüllt mehrere wichtige Evaluationskriterien: Es nimmt Bezug auf alle drei Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung und analysiert darüber hinaus die Umweltkommunikation mit dem Publikum.» Francesco Bortoluzzi, Leiter Nachhaltigkeitsprogramme ZHAW «Ich war unsicher, ob mein Projekt den Kriterien genügt. Schliesslich dachte ich mir, dass ich ja nichts zu verlieren habe», sagt Lotta Widmer rückblickend. Ihr Vorhaben erhält nun als eines der ersten studentischen Projekte finanzielle Unterstützung durch das neue Programm. «Dieses interdisziplinäre Projekt erfüllt mehrere wichtige Evaluationskriterien», sagt Francesco Bortoluzzi, der als Leiter Nachhaltigkeitsprogramme an der ZHAW das SIP gemeinsam mit einem Vorstand verantwortet. «Es nimmt Bezug auf alle drei Dimensionen von nachhaltiger Entwicklung und analysiert darüber hinaus die Umweltkommunikation mit dem Publikum. Lotta Widmer setzt ihre Skills aus dem Studium ein, um die Musikfestwochen zu einem Reallabor zu machen, und erzeugt so kontextspezifisches System- und Transformationswissen.» Dieses könne wiederum künftigen Projekten als Grundlage dienen. Für die Ökobilanzierung hat Lotta Widmer alle Daten aus dem Jahr 2019 zusammengetragen – dem letzten Jahr der Durchführung im gewohnten Rahmen. «Ich habe berechnet, wie viel Bier getrunken, wie viele Würste gegessen und wie viel Strom verbraucht wurde, aber auch, wie das Publikum und die Bands ans Festival gereist sind», nennt die Studentin einige Beispiele. Für die Ökobilanzierung hat ein externes Ingenieurbüro alle Berechnungen der CO 2 -Emissionen durchgeführt. Die anschliessende Analyse, die Ableitung der Massnahmen und das Erstellen des Aktionsplans liegen nun wiederum bei der Studentin und sind Gegenstand des SIP-Projekts. «Aus dem vorliegenden CO 2 -Fussabdruck kann ich bereits schliessen, dass das Einsparpotenzial bei der Mobilität und der Gastronomie am grössten ist», stellt sie fest. Nun will sie im Detail herausfinden, wo die grossen Hebelwirkungen liegen und welche Änderungen zu einer CO 2 -neutralen Veranstaltung führen könnten. Auch wenn es noch ein weiter Weg ist bis zu einem emissionsfreien Festival, hofft Lotta Widmer schon jetzt auf die Strahlkraft der Musikfestwochen. Sie sollen Vorbildcharakter für andere kulturelle Veranstaltungen haben. Neben der ökologischen Bewertung analysiert die Studentin auch die soziale und wirtschaftliche Dimension in einem sogenannten Nachhaltigkeitsraster, um die brachliegenden Potenziale aufzuzeigen. «Der Verein Winterthurer Musikfestwochen ist nicht gewinnorientiert, und die ökologische wie auch die soziale Nachhaltigkeit sind bereits im Leitbild verankert», erklärt Lotta Widmer. «Das neuntägige kostenlose Programm zieht unterschiedlichste Gesellschaftsschichten an, und auch auf der Bühne wird viel Wert auf Diversity gelegt.» Dennoch gebe es überall noch Raum für zusätzliche Massnahmen. Einige weitere Hebel zur Reduktion der Emissionen hofft sie bereits im kommenden Jahr umlegen zu können, wenn das Festival mutmasslich wieder in voller Grösse stattfinden wird. Ihre Bachelorarbeit wird Lotta Widmer dann abgeschlossen haben, aber ihr damit geschaffener Aktionsplan soll auf mehrere Jahre hinaus Wirkung zeigen. Matthias Kleefoot

«Nachhaltigkeit ist positiv und macht Spass»

Urs Hilber: Nein, das ist es natürlich nicht. Wir verstehen zwar rational, dass grundlegende Änderungen nötig wären, um die langfristige Existenz der Menschheit zu sichern. Zwischen diesem Wissen und dem Handeln besteht aber eine grosse Diskrepanz. Regina Betz: Nachhaltigkeit ist ein recht schwammiger Begriff. Und das ist das Problem. Cathérine Hartmann: Da muss ich einhaken: Für mich ist Nachhaltigkeit per Definition à la Forstwirtschaft ein klarer Begriff. Hartmann: Nachhaltig ist, wenn wir nur so viel Ressourcen verbrauchen, wie wir zur Verfügung haben. Wir verbrauchen derzeit aber sehr viel mehr. Der «Earth Overshoot Day 2021» hat gezeigt, dass wir bereits in der ersten Jahreshälfte mehr Ressourcen aufgebraucht hatten, als uns eigentlich für das ganze Jahr zustünden. Das ist das Problem. Das Ziel wäre: Footprint und Handprint zusammenzubringen. Dann wäre uns ein Stückweit geholfen. Seit 2019 hat die ZHAW eine explizite Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an der Agenda 2030 der UNO mit ihren 17 «Sustainable Development Goals» orientiert. Sind die gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung wirklich miteinander in Einklang zu bringen? Betz: Ich denke nicht. Wir müssen unsere ökologischen Anstrengungen stärker gewichten als die beiden anderen Dimensionen. Denn ohne Umwelt können wir schlicht nicht leben. Hilber: Die Hochschulleitung der ZHAW bekennt sich ganz klar zu dieser «Dreifaltigkeit» und will ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit fördern. Wir sind zwar mit dem Green Impact Book gestartet, das sehr stark ökologisch ausgerichtet ist. Je länger, je mehr versuchen wir aber bei ZHAW sustainable, alle drei Punkte zu berücksichtigen. So werden wir auch eine Stelle schaffen, die eine Brücke zu Diversity und zur Ökonomie schlagen soll. Hartmann: Die Zusammenhänge zwischen den drei Dimensionen sind sehr komplex. Die Abhängigkeiten, die dort bestehen, sind noch nicht vollends erforscht. Es ist aber doch so, dass wenn wir Umwelt und Lebensgrundlagen zerstören, Arbeitslosigkeit, Armut und Flüchtlingsströme die Folgen sind. Das wird bislang aber nicht so wahrgenommen. Deshalb müssen beispielsweise die Themen Menschenrechte und Armutsbekämpfung im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung ein stärkeres Gewicht bekommen. Betz: Wir haben jetzt gerade bei der EU einen Horizon-Antrag eingereicht, wo es um «Just Sustainable Transition» geht – also um gerechten nachhaltigen Wandel. Hier soll der soziale Aspekt im Vordergrund stehen. Auch bei der CO 2 -Abstimmung in der Schweiz hat man gemerkt, dass es bei den Diskussionen stark um Verteilungseffekte ging – wer trägt so eine Transformation in der Gesellschaft? Wo kommen die Gelder her? Wen belastet es wie? Wenn wir in Richtung Netto Null denken, um das Klimaziel noch erreichen zu können, dann werden die Kosten noch höher ausfallen. Im Vorfeld des Klimagipfels in Glasgow waren mahnende Worte zu hören, dass trotz Klimaschutz die Preise für Fleisch oder Benzin niedrig bleiben müssten, weil die Geringverdiener sich das sonst nicht mehr leisten können. Wie gelingt dieser Spagat zwischen Ökologie und Sozialem? Hilber: Dieser Spagat wird nicht gelingen. Wir werden um diese unangenehmen Effekte nicht herumkommen. Wenn wir nichts machen, wird es nämlich noch viel teurer. Aber man muss dann auf der anderen Seite auch sehen und betonen, dass es durch die Transformation bei uns auch neue und zwar hochwertige Arbeitsplätze geben wird. Und es werden neue Technologien eingeführt, denn in der Innovation sind wir in der Schweiz ja Weltmeister. Das sind riesige Chancen. Diese sollten wir nutzen. Hilber: Da sind wir wieder bei der kognitiven Dissonanz. Wir wissen, dass wir was ändern müssen, aber wir handeln nicht entsprechend. «Aber Wissen allein reicht eben nicht aus, damit Leute ihr Verhalten ändern.» Cathérine Hartmann, Umweltpsychologin Hartmann: Wir legen uns einfache Rechtfertigungsstrategien zurecht wie zum Beispiel: Ich fliege in die Ferien, weil mein Nachbar es ja auch tut. Oder: Ich mache das ja nur einmal im Jahr. Und dann schlafen wir erst einmal wieder gut. Betz: Der Begriff Social Innovation ist sehr breit gefasst. Viele denken da zuerst an Grassroot-Projekte der Gesellschaft. Das muss aber nicht sein. Es können auch Innovationen von Unternehmen sein, die neues gesellschaftliches Denken, neue Prozesse und neues Verhalten bewirken. Betz: Unter anderem um eine Typologisierung von Sozialer Innovation in der Energiewende, die viel breiter ist und nicht nur Energiegenossenschaften umfasst. Wir versuchen, über die fünf teilnehmenden Länder hinweg zu vergleichen: Welche Faktoren waren Auslöser für die Gründung von Sozial Innovativen Initiativen, was sind deren Konzepte und Entwicklung, und wie erfolgreich sind sie bei der Unterstützung der Energiewende? Betz: Es hat sich gezeigt, dass alle Energiegenossenschaften keine Probleme haben, Leute zu finden, die ihren Solarstrom kaufen wollen. Das Problem ist jedoch, Dächer zu finden, die passende Rahmenbedingungen bieten. Besonders eignen würden sich die Gebäude von Gemeinden, weil Gemeinden langfristige Lieferverträge oder Pachtverträge eingehen könnten. «Es müssen Produkte entwickelt werden, die langlebiger sind, und neue Geschäftsmodelle, die eher das Vermieten fördern.» Regina Betz, Umweltökonomin Hilber: Die Gemeinde Wädenswil hat schon vor Jahren sämtliche Hausdächer analysiert, um herauszufinden, welche sich für die Solarstromgewinnung eignen würden. Die Ergebnisse wurden dann relativ hartnäckig an die Eigenheimbesitzer gestreut – immer wieder. Doch erst jetzt kommt die Entwicklung in Gang und Hausbesitzer bestücken ihre Dächer. Betz: Entscheidende Schritte, die Solarenergie in der Schweiz voranzubringen, waren die Einführung der Möglichkeit zu «Zusammenschlüssen für den Eigenverbrauch» – kurz ZEV – und die «Kostendeckende Einspeisevergütung» – kurz KEV. Basel scheint dabei eine Vorreiterrolle zu spielen. Da sind viele Solar-Genossenschaften entstanden. Daher haben wir im SONNET -Projekt Basel-Stadt als Region besonders untersucht. Das war sehr spannend, weil hier das Klima für soziale Innovationen durch die Anti-Atomkraftbewegung in der Region entstanden zu sein scheint. Die Protestbewegung verharrte dort nicht in der Antihaltung, sondern entwickelte ganz viele alternative Lösungen: Es entstanden viele Architekturbüros, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind und Quartiere mit besonderen nachhaltigen Ansprüchen umsetzen, die zum Beispiel E-Autos fördern. Experimentiert wird auch hinsichtlich Suffizienz: Zum Beispiel damit, wie viel Wohnfläche Menschen wirklich brauchen. Basel hat auch zusätzlich zum Bund eine CO 2 -Abgabe auf kantonaler Ebene eingeführt, mit der sie innovative Projekte unterstützen können. «Ein spannendes Konzept ist eine Nachbarschaftsaktion: Dabei helfen die Nachbarn aktiv mit, die Solaranlage zu bauen.» Regina Betz, Umweltökonomin Nicht zuletzt ist mir bei SONNET aufgefallen: Soziale Innovation scheint ein eher weibliches Thema zu sein (lacht). Ist die Ökonomen- oder die Energiewelt sonst eher männlich geprägt, so besteht dieses Projekt zu 90 Prozent aus Forscherinnen. Was für das Spannungsfeld zwischen Ökologie und Sozialem gilt, gilt erst recht für Ökologie und Ökonomie – es sind Gegenpole. Sie, Frau Betz, sind Co-Präsidentin des Nationalen Forschungsprogramms 73, bei dem es um nachhaltige Wirtschaft geht. Was ist das Ziel dieses Förderprogramms des Bundes? Betz: Wollen wir die Wende schaffen, brauchen wir technologische Lösungen, wirtschaftliche Anreize, geeignete politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie vorbildliche Praxisbeispiele. Die Projekte in dem Forschungsprogramm stammen deshalb aus ganz unterschiedlichen Bereichen und reichen von neuartigen Lieferketten, grünen Finanzprodukten, nachhaltiger Landwirtschaft, umweltfreundlicher Mobilität, Förderung von nachhaltigem Verhalten durch Unternehmen bis hin zur Kreislaufwirtschaft. Gerade bei dieser zeigt sich zum Beispiel, dass Wirtschaft ganz neu gedacht werden muss, und zwar vom Ende her. Betz: Nehmen wir mal das Beispiel aus dem NFP-73-Programm, bei dem es darum geht, die Recyclingquoten der Baubranche für Isolationsmaterialien zu erhöhen. Derzeit wandern viele Materialien auf die Mülldeponie oder werden verbrannt. Will man die Quote erhöhen, muss man schon bei der Herstellung ansetzen, damit die Produkte besser in die Einzelteile zerlegt und sortiert werden können. Deshalb müssen Produkte entwickelt werden, die langlebiger sind. An der ZHAW untersuchen Forschende im Rahmen dieses Förderprogramms zum Beispiel, wie der Lebenszyklus von Mobiltelefonen verlängert werden könnte. Aber auch für viele andere Konsumprodukte bräuchte es neuartige und nachhaltigere Geschäftsmodelle. Betz: Eine Möglichkeit könnten Geschäftsmodelle sein, die dazu führen, dass weniger Produkte verkauft, dafür eher vermietet werden – zum Beispiel Waschmaschinen. Statt das Gerät kaufe ich quasi Waschleistung. Der Hersteller würde mir eine Mietwaschmaschine in den Keller stellen und sich um den ganzen Service drum herum kümmern. Er hätte dann einen viel grösseren Anreiz, dass die Waschmaschine sehr lange hält und gut zu reparieren ist. Hartmann: Zunächst einmal müssen alle verstehen, dass der Klimawandel auch vor unserer Tür angekommen ist. Dazu braucht es viel Aufklärung und Wissensvermittlung. Das ist ja unsere Aufgabe als Hochschule. Aber Wissen allein reicht eben nicht aus, damit Leute ihr Verhalten ändern. Das haben verschiedene Studien gezeigt. Hartmann: Wir müssen aufzeigen, dass man auch mit kleinen Schritten wirkungsvoll vorankommen kann. Es braucht Anreize und auch ein gewisses Anstupsen – Fachleute sprechen dann von Nudging. Anstupsen zum nachhaltigen Verhalten kann man zum Beispiel dadurch, dass man infrastrukturelle Anpassungen vornimmt, sodass es einfacher wird, erneuerbare Energien oder den ÖV zu nutzen oder dass man nicht zum Pappbecher greift, sondern neuerdings zum Kooky-Becher. Solche wirksamen Interventionsprogramme können auch Community-Ansätze beinhalten, dann misst man sich spielerisch in der Gruppe – mit Nachbarn, innerhalb der Hochschule oder mit anderen Hochschulen. Wer messbar nachhaltiger handelt, gewinnt. Solche Challenges versuchen wir auch noch stärker an der ZHAW einzusetzen. Betz: Allein mit Verzichtsbotschaften und Verboten kommt man nicht weiter. Studien, die nach der abgelehnten CO 2 -Abstimmung in der Schweiz publiziert wurden, haben gezeigt, dass man klimagerechtes Verhalten nur erreichen kann, wenn man stärker die positiven Effekte der notwendigen Veränderungen und Reglementierungen herausstreicht. Dann wäre so eine positive Botschaft: Ohne Ölheizung bist du nicht mehr so abhängig von den ölexportierenden Ländern, Arbeitsplätze werden hier vor Ort geschaffen, die Luft wird weniger verschmutzt, was positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Umweltschutz und Nachhaltigkeit machen Spass, muss das Motto sein. Und der Community-Geist funktioniert auch bei den Energiegenossenschaften. Ein ganz spannendes Konzept ist eine Nachbarschaftsaktion: Helfen die Nachbarn aktiv mit, die Solaranlage zu bauen, spart ein Hausbesitzer ca. 20 Prozent der Kosten. Neben den Kosteneinsparungen hofft man auf den Nachahmer-Effekt. Wenn die Nachbarn sehen, dass es kein Hexenwerk ist, eine Photovoltaik-Anlage zu bauen, dann würden sie sich auch dafür entscheiden, um nicht hinter den anderen Nachbarn zurückzustehen. Hilber: Regina Betz spricht mir aus dem Herzen. Und wie wirksam das ist, zeigt sich auch in meinem Bekanntenkreis. Kollegen zeigen mir ihre Apps und was sie mit denen an Neuem erfahren oder welche Tipps sie erhalten haben und was sie dadurch ändern konnten. Ein Kollege, der Hausarzt ist, erzählte mir: «Manchmal, wenn so richtig die Sonne scheint, dann fahre ich mein E-Auto nach Hause, hänge es an die Steckdose und radle mit dem Velo zurück in die Praxis. Oder eine andere Bekannte berichtete, dass sie nur noch Wäsche wasche, wenn die Sonne scheint. Das sind Anstupser durch coole Apps, die zeigen, was man tun kann, welche Auswirkungen das hat – und zwar auf eine spielerische Art. «Ein wichtiger Meilenstein ist die Gründung des Zurich Knowledge Center for Sustainable Development aller kantonalen Hochschulen.» Urs Hilber, Nachhaltigkeitsbeauftragter Betz: Enerjoy des Basler Energieerzeugers IWB entwickelte auch so eine App, mit deren Hilfe man seinen persönlichen CO 2 -Fussabdruck verbessern kann. Wir haben diese im Rahmen des EU-Projekts SONNET mit unseren Studierenden evaluiert und wollten verstehen, wie sich deren Verhalten verändert. Überraschend war, dass sich die signifikantesten Veränderungen bei Milchprodukten zeigten, nicht beim Fleischkonsum, wie wir ursprünglich angenommen hatten. Das kommt vielleicht daher, dass viele schon weniger Fleisch essen, weil ihnen bewusst ist, wie viele Treibhausgase bei der Viehzucht entstehen. Dass das aber auch für Milch und Käse gilt, nahmen viele vor der App nicht so wahr. Hilber: In diese Richtung muss es gehen. Es müsste nur einfach noch viel schneller vorangehen. Das Tempo ist das Problem im Moment. Wir in den sehr reichen, hochtechnologisierten Gesellschaften haben technische Lösungen zu Verfügung und damit unglaubliches Glück. Aber in einem Schwellen- oder Entwicklungsland stellen sich ganz andere Problematiken, und es braucht andere Lösungen. Hilber: Wir haben unsere globalen Oberziele definiert, die da sind: mehr Visibilität, ein Green Impact Book, Student Experience und dass die ZHAW eine Community für Nachhaltigkeit aufbaut. Als erste Massnahmen haben wir einen Nachhaltigkeitsauschuss eingeführt mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen Departementen. Wir haben das Sustainable Impact Program geschaffen, ein Förderinstrument für studentische Ideen sowie Lehr- und Forschungsprojekte von Mitarbeitenden. Und wir haben einen U-Change-Antrag gewonnen, sodass wir mit Drittmitteln studentische Aktivitäten für Nachhaltigkeit unterstützen können. Hartmann: Wir haben uns auch im WWF-Ranking für nachhaltige Hochschulen massiv verbessert. Hilber: Doch nicht nur intern haben wir uns vernetzt, sondern auch extern vor allem durch die Gründung des Zurich Knowledge Center for Sustainable Development – kurz ZKSD – zusammen mit den drei anderen kantonalen Hochschulen: der Universität Zürich, der PH Zürich und der Züricher Hochschule der Künste. Das ist ein wichtiger Meilenstein. Wir sind auch dem Netzwerk Sustainable International Campus beigetreten. Nicht zuletzt haben wir eine Suchmaschine entwickelt, mit der wir sämtliche Datenbanken an der ZHAW nach den Kriterien der Sustainable Development Goals durchsuchen und verschlagworten. So versprechen wir uns einen guten Überblick darüber, wo wir bereits besonders aktiv und gut sind und wo wir noch etwas stärker werden könnten. Hartmann: Das ZKSD ist eine forschungsorientierte Kooperationsplattform für den Wissenstransfer. Am ersten November war die feierliche Eröffnung. Wir wollen hier Forschende und Studierende zusammenbringen aus Disziplinen, die bisher vielleicht noch nicht so eng verbunden waren, aber die zusammen Mehrwert schaffen und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Daraus könnten ungewöhnliche Ideen mit grossem Potenzial für eine bessere Welt entstehen. Hilber: Interessant wird es dann, wenn man sich Neuem annähert, von dem man bisher noch gar nicht wusste, dass man es noch nicht weiss. Hilber: Was die Führungsausbildung anbelangt, da macht die School of Management and Law einen ausgezeichneten Job mit PRME, den Prinzipien der nachhaltigen Managementausbildung, die in Bildung und Forschung einfliessen. Das ist systematisch durchdacht und international eingebettet – das ist genial. «Verbesserungspotenzial liegt aber noch bei der Verankerung der SDGs in der Lehre.» Cathérine Hartmann, Umweltpsychologin Hartmann: Also ich glaube, wir können schon sagen, dass wir ein Vorbild sind. Wir leisten einen wichtigen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung. Verbesserungspotenzial liegt aber noch – und das diskutieren wir auch im Nachhaltigkeitsausschuss – bei der Verankerung der SDGs in der Lehre, um den Fachkräften von morgen das Handwerkszeug mit auf den Weg zu geben, um die Zukunft ein Stückchen besser zu machen. Die jungen Leuten, die gerade mit ihren Forderungen auf die Strasse gehen, stellen auch Forderungen an uns – nämlich dass wir keine alten Theorien mehr unterrichten sollen, sondern neue Modelle und Theorien in den Unterricht einfliessen lassen. Das finde ich spannend und wichtig. Als Hochschulpersonal müssen wir da tatsächlich noch stärker werden und uns weiterbilden. Hartmann: Ja, definitiv. Wobei das in der Psychologie nicht ganz so einfach ist wie in anderen Studiengängen, weil wir dem Psychologieberufsgesetz unterliegen. Aber wir haben das Masterstudium revidiert und umweltpsychologische Module integriert. Aber auch interdisziplinär in anderen Studiengängen bieten wir Umweltpsychologie an. Das grosse Thema dabei: Wie kann man Verhaltensveränderungen erreichen? Auch ein Ingenieur sollte wissen, wie entsprechende Interventionen aussehen müssen und was er oder sie beachten muss, um umweltfreundliches Verhalten zu fördern. Es soll ja nicht bei smarten Technologien bleiben, sondern diese sollen eingesetzt und von den Nutzerinnen und Nutzern bedient werden. «Als Biologe weiss ich, dass auch ein Evolutionsprozess nicht linear verläuft.» Urs Hilber, Direktor des Departements Life Sciences und Facility Management Hilber: Ich denke, wir haben an der ZHAW ein gutes Fundament, auf dem wir aufbauen können. Vielleicht müssen wir uns in der Lehre auch von der Idee verabschieden, dass es immer neue Module geben muss. Jetzt schauen wir erst einmal bei den Modulbeschreibungen, wie viel Nachhaltigkeit da schon drinsteckt und wo man es vielleicht besser deklarieren oder inhaltlich noch ein bisschen besser darstellen könnte. Hartmann: Dann werden auch die tatsächlichen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung sichtbar, nicht nur die ökologischen. Hartmann: Ich finde, es braucht beides. Wir müssen die Generationen zusammenbringen – also die Generation Greta, die für grundlegende und sofortige Änderungen auf die Strasse geht, und die Generation der Babyboomer, die Erfahrung und Know-how mitbringt, wie man ganz real Verbesserungen erzielt. Hilber: Aus meinem Geschichtsunterricht am Gymnasium blieb mir ein Satz in Zusammenhang mit der Französischen Revolution: Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder auf. Und das wollen wir eigentlich nicht, sondern wir wollen, dass unsere Kinder und deren Kinder die gleich guten Bedingungen haben wie wir. Ich bevorzuge deshalb eine Evolution. Aber als Biologe weiss ich, dass auch ein Evolutionsprozess nicht linear verläuft, wie viele meinen, oder dass es sogar so ist, dass extrem optimierte und hoch entwickelte Organismen oftmals in einer Sackgasse enden und es stattdessen an weniger entwickelten Stellen weitergeht. Mal sehen, wie das bei der Nachhaltigkeit rauskommt.

Wie gut ist Chefkoch Social Media?

Ob vegan, zucker- oder glutenfrei, proteinreich oder pflanzenbasiert – Essen ist zum Religionsersatz geworden. In Zusammenhang steht dies mit der unüberschaubaren Fülle von Lebensmitteln, die überall und jederzeit verfügbar sind. Gleichzeitig geht ein Drittel des globalen Energieverbrauchs auf das Konto der Lebensmittelherstellung, davon landet wiederum ein Drittel im Müll. Ungeachtet dessen spielt die Ernährung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eine immer wichtigere Rolle. Längst geht es weit über die blosse Nahrungsversorgung hinaus: Es existieren zahlreiche Trends nebeneinander, die mit Überzeugung gelebt werden. Doch diese Trends basieren meist nicht auf wissenschaftlich gesicherten Empfehlungen, sondern orientieren sich an unterschiedlichen Einflüssen, Überzeugungen und Meinungen, die im privaten und öffentlichen Raum diskutiert und ausgetauscht werden. Das Essverhalten hat auch grosse Auswirkungen auf die gesundheitliche, soziale, ökologische und ökonomische Zukunft. «Wir leben in einer dynamischen, komplexen Essumgebung, die unsere Ernährungsweise mitbeeinflusst – dabei kommt es derzeit zu Veränderungsprozessen, auf die wir nur bedingt vorbereitet sind», sagt Christine Brombach , Ernährungsexpertin und Professorin in der Forschungsgruppe für Lebensmittelsensorik der ZHAW . «Die Problematik dabei ist, dass Social Influencer über wenig wissenschaftlich fundierte Ernährungsexpertise verfügen.» Christine Brombach, ZHAW-Ernährungswissenschaftlerin An diesem Punkt setzt die Studie der Heinz Lohmann Stiftung «Essen der Zukunft: Wer oder was bestimmt die Ernährung von morgen?» an. Unter der Leitung von Brombach entstand in knapp zweijähriger Arbeit eine Studie, die aufzeigt, in welcher Weise verschiedene Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung des Essverhaltens jetzt und in der Zukunft wirken. «Die Studie betrachtet die Sichtweise verschiedener Anspruchsgruppen und versucht so, das Essverhalten der Zukunft zu verstehen und Wechselwirkungen zu erkennen. So können wir Bereiche identifizieren, in welchen wir die Ernährungsweise im Sinne einer zukunftsfähigen Ernährung beeinflussen können.» Auf der Grundlage von intensiven Recherchen wurde das komplexe Thema in Deutschland, Österreich und der Schweiz länderübergreifend im Rahmen einer empirisch-qualitativen Erhebung anhand von Experteninterviews und Befragungen tiefgehend beleuchtet. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Einfluss von Social Media. Denn diese spielen heute eine zentrale Rolle: Vor allem jüngere Menschen nutzen fast ausschliesslich Informationen von Social Media, um ihre Ernährungsweise zu gestalten, sich zu informieren und sich zu orientieren. «Die Problematik dabei ist, dass Social Influencer über wenig wissenschaftlich fundierte Ernährungsexpertise verfügen», sagt Brombach. Dies bestätigt auch die Studie, bei der die ernährungsbezogenen Aussagen von drei Influencern und Influencerinnen in vielen Bereichen von den Ernährungsempfehlungen abweichen, zum Teil erheblich. Für die Verfasserinnen der Studie steht fest: Der Umgang mit ernährungsrelevanten Themen in sozialen Medien sollte zukünftig in der Ernährungsberatung mehr beachtet werden. Hilfreich wären Expertinnen und Experten, die mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen und bei Falschaussagen korrigierend eingreifen. Für Brombach, die sich seit über 20 Jahren mit Ernährung befasst, hielten die Ergebnisse auch Erstaunliches bereit: «Am meisten überraschte mich, dass es ein so grosses Interesse an Ernährung gibt und sich die Menschen sehr viele Sorgen machen.» So seien sich alle Befragten einig gewesen, dass es dringend ist, etwas zu ändern. «Ein `Weiter so` kann es nicht geben!» «Ernährungsbildung muss neben den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Ernährung auch soziale, ökologische und ökonomische Aspekte eines mitverantwortlichen Handelns beinhalten.» Christine Brombach Als wichtigen Hebel für einen nachhaltigeren Weg nennt die Studie Ernährungskompetenzen , die in allen Lebensphasen vermittelt werden müssten. Denn: Die Ernährungsbildung, die meist in den Familien, unterschiedlich oder gar nicht stattfindet, sollte im pädagogischen Kontext neu gestaltet und Teil des schulischen verpflichtenden Lehrplans werden. «Die Ernährungsbildung muss einen höheren Stellenwert in den gesellschaftlichen Anstrengungen zu einem gesundheitsfördernden Verhalten bekommen. Sie muss neben den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Ernährung auch soziale, ökologische und ökonomische Aspekte eines selbst bestimmten und mitverantwortlichen Handelns beinhalten.» Ziel müsse es sein, dass jeder Einzelne einen sorgfältigen und respektvollen Umgang mit Lebensmitteln entwickle. Auch dem Detailhandel schreibt Brombach eine wichtige Rolle zu: Einkaufen müssten alle. «Angebot, Preisgestaltung, Promotion und Kommunikation, Lieferantenauswahl – der Handel verfügt über viele Hebel, die Einfluss auf die Ernährung haben.» Die von Brombach befragten führenden Vertretenden des Handels seien sich aber alle ihrer Verantwortung bewusst, und zwar im Sinne des Gemeinwohls. Für Brombach steht fest, dass jeder Akteur des Ernährungssystems Verantwortung übernehmen muss, nicht nur die Konsumenten. «Wir kommen trotzdem nicht umhin, unsere Ernährung zu verschieben, hin zu mehr pflanzlichen und zu weniger tierischen Produkten.» Damit bis 2050 zehn Milliarden Menschen, die dann schätzungsweise auf der Erde leben, gesund und nachhaltig ernährt werden können, ist ein langer, mühsamer Prozess erforderlich. «Es ist fraglich, ob wir genug Zeit dafür haben. Und ohne Vorgaben der Politik und Massnahmen des Bundes kann es nicht funktionieren. Aber wir müssen handeln, und zwar umgehend!» Dem individuellen Genuss muss dieses Umdenken aber nicht unbedingt im Weg stehen. Für einen lustvollen und zukunftsfähigen Speiseplan empfiehlt Brombach, genussvoll und wertschätzend zu essen, sich Zeit zu nehmen und dem Essen volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das Essen sollte möglichst selbst zubereitet und die Zutaten sollten vorzugsweise unverarbeitet sein. Fleisch sparsam, dafür regionale, saisonale Bio-Lebensmittel – vor allem Gemüse – grosszügig einsetzen. Die Zutaten sollten zudem möglichst verpackungsfrei und fair gehandelt sein. «Es kann viel Freude bereiten, beim Kochen kreativ zu sein, mit Gewürzen und Zubereitungsarten zu spielen und so die Vielfalt an Möglichkeiten auszuloten.» Kathrin Reimann

Studiengänge: Viele Wege führen zur Nachhaltigkeitsexpertise

«Die Energiewende lässt sich nicht mit noch mehr Apps herbeiführen.» Franz Baumgartner ist ein Mann der klaren Worte. Damit die Schweiz endlich von den fossilen Brennstoffen wegkomme, sagt der ZHAW-Dozent für Photovoltaik und erneuerbare Energien, seien Investitionen in Milliardenhöhe notwendig. «Nicht in Digitalisierung, sondern in Hardware erneuerbarer Energieformen: Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Batteriesysteme, Windkraft und Hardware zur Effizienzsteigerung.» «Auf die Fachexpertise, die sich Studierende hier aneignen, lässt sich die nächsten zwei Jahrzehnte aufbauen.» Franz Baumgartner, Studiengangleiter Energie- und Umwelttechnik Man könne nicht über Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sprechen, ohne die dahinterliegende Technik zu verstehen. «Dazu braucht es Fachleute, die wissen, wie man Strom erzeugt und Wärme bereitstellt», betont Baumgartner, der den Studiengang Energie- und Umwelttechnik an der ZHAW School of Engineering leitet. «Genau diese Frauen und Männer bilden wir hier aus.» Neben theoretischen Kenntnissen in Mathematik und Physik erarbeiten sich seine Studierenden denn auch vieles praktisch in den thermischen und elektrischen Labors. Die Entscheidung für Energie- und Umwelttechnik verlange von jungen Menschen auch etwas Mut, weiss der Photovoltaikexperte. Schliesslich sei das Thema erneuerbare Energien noch immer neu, und Studierende seien manchmal verunsichert, ob der Arbeitsmarkt genügend Stellen für sie bereithalte. Baumgartner selbst zweifelt keine Sekunde daran: «Auf die Fachexpertise, die sich Studentinnen und Studenten hier aneignen, lässt sich die nächsten zwei Jahrzehnte aufbauen.» Bis ins Jahr 2030, so ist er überzeugt, wird der Anteil der Solarenergie am gesamten Stromverbrauch in der Schweiz von 5 auf 25 Prozent steigen – für den Einsatz in Wärmepumpen und Elektromobilität. Umweltingenieurinnen und Umweltingenieure erarbeiten Konzepte für Naturschutzgebiete, unterstützen traditionelle Betriebe bei der Umstellung auf biologische Landwirtschaft, entwickeln Nachhaltigkeitsstrategien für Gemeinden, gestalten die Grünzonen einer Stadt und projektieren Anlagen für erneuerbare Energie. Das Bachelorstudium Umweltingenieurwesen am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW kombiniert naturwissenschaftliche Fächer mit ingenieur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen – und ermöglicht es jungen Frauen und Männern, die Entwicklung der Bereiche Umwelt, Nachhaltigkeit und Energie an den unterschiedlichsten Orten mitzugestalten. Gerade unterzieht sich der Studiengang einer Revision, in dessen Rahmen das Kompetenzprofil weiterentwickelt werden soll. Das bedeutet unter anderem, dass fachliche und überfachliche Kompetenzen künftig gleichbehandelt werden. «Es stellt sich heute nicht nur die Frage, was die Studierenden lernen, sondern vor allem wie», sagt Tetiana Kaufmann , die Projekte in der Lehrentwicklung leitet. Ein wichtiger Aspekt der überfachlichen Fähigkeiten sollen künftig Schlüsselkompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung ausmachen: zukunftsorientiertes, wertorientiertes, strategisches sowie systemisches Denken, aber auch Kollaborations- und Selbstkompetenz. Im Moment werden diese Kernkompetenzen im Detail ausformuliert. Im Herbst 2023 sollen dann die ersten Studierenden auf der neu erarbeiteten Grundlage starten können. «Solche Kompetenzen geben auch das Rüstzeug mit, um sich den Bedingungen der Arbeitswelt der Zukunft anzupassen.» Tetiana Kaufmann, Damit die angehenden Fachleute für Nachhaltigkeitsfragen nicht nur Lösungen für heute, sondern auch für morgen erarbeiten können, müssen sich laut Kaufmann sowohl Lern- als auch Lehrmethoden des Studiengangs verändern. Dazu gehören Fragen wie: Wie können die Stärken, Interessen und Lernstile der Studierenden mehr berücksichtigt und der Studiengang individueller gestaltet werden? Was sind sinnvolle und zeitgemässe Leistungsnachweise, wenn es um den Erwerb von Kompetenzen geht? Wie erhält projekt- und problembasiertes Lernen mehr Gewicht? Nachhaltigkeitskompetenzen sind aber keineswegs nur für künftige Umweltingenieurinnen und Umweltingenieure von Bedeutung, sondern sind grundsätzlich nützlich in einer Arbeitswelt, die kontinuierlich im Wandel ist. «Solche Kompetenzen bereiten Studierende nicht nur auf den Eintritt in den gegenwärtigen Arbeitsmarkt vor», betont Kaufmann. «Sie geben auch das Rüstzeug mit, um sich den Bedingungen der Arbeitswelt der Zukunft anzupassen.» Der Verkehr ist mit Abstand der grösste Verursacher von CO 2 -Emissionen in der Schweiz – mehr als 40 Prozent gehen auf sein Konto. Gerade biografische Wendepunkte wie die Geburt eines Kindes oder eine neue Stelle führen nach wie vor häufig dazu, sich ein Auto anzuschaffen, sagt der ZHAW-Mobilitätsforscher Thomas Sauter-Servaes . «Das Auto ist noch immer der maximale Komplexitätsreduzierer.» Grundlegend etwas ändern werde sich erst, wenn die Menschen die tatsächlichen Kosten für das heute stark subventionierte Autofahren trügen – und wenn sie Fahrzeuge teilten. Heute transportiere ein Personenwagen im Durchschnitt gerade einmal 1,1 Personen. «Es führt kein Weg daran vorbei, vom Besitzauto wegzukommen.» «Es führt kein Weg daran vorbei, vom Besitzauto wegzukommen.» Thomas Sauter-Servaes, Studiengangleiter Verkehrssysteme All die möglichen Alternativen zum Auto attraktiver und besser machen – das ist zentrales Anliegen des Studiengangs Verkehrssysteme an der ZHAW School of Engineering. Studentinnen und Studenten klären dazu Fragen aller Art: Wie viele neue Züge sollen auf einmal angeschafft werden? Wie erneuert man Busfahrpläne und hält gleichzeitig die Kosten für den Betreiber tief? Wie verlagert sich der Verkehr durch den Bau einer neuen Brücke? Konkret nehmen die Studierenden dann zum Beispiel die Mikromobilität in Zürich unter die Lupe und analysieren Daten zur Nutzung von Trottinetten und Leihvelos. Oder sie entwickeln transportable Sicherungssysteme für historische Lokomotiven – da die ursprünglichen meist nicht mehr zeitgemäss, neue Systeme aber teuer sind und die Fahrzeuge meist nur selten zum Einsatz kommen. «Wir wollen keine Einheitsingenieure stanzen», betont Sauter-Servaes, der den Studiengang leitet. Jede Person solle sich möglichst ein individuelles Profil geben können. Die Studierenden kommen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern, sind Polymechanikerinnen und Bauzeichner, aber auch kaufmännische Angestellte oder Flugbegleiter – und gehen nach dem Studium oft in ihre angestammten Bereiche zurück. «Wir sehen unseren Studiengang als eine Art Katalysator.» Die Leute sollen aus ihren Fachgebieten später möglichst viel herausholen können, um einen Beitrag an eine nachhaltigere Mobilität zu leisten. Obwohl das Studium keineswegs nur technisch angelegt ist, liegt der Frauenanteil gerade einmal bei 10 Prozent. Einen Grund dafür sieht Sauter-Servaes darin, dass hauptsächlich an der technischen Berufsmaturitätsschule für das Studium geworben wird, die bereits relativ wenige Schülerinnen hat. Dass Frauen Stadtmobilität anders und oft nachhaltiger denken, zeigt sich an Paris oder Barcelona: So sorgte die katalanische Bürgermeisterin Ada Colau zum Beispiel dafür, dass in der schachbrettmusterartig angelegten Stadt sogenannte Superblocks eingeführt werden – mehrere Gebäudequadrate werden zu Inseln zusammengeschlossen, aus denen der motorisierte Verkehr ausgeschlossen ist. Zur Illustration der bisweilen unterschiedlichen Beziehung der Geschlechter zum Verkehr zeigt der ZHAW-Dozent seinen Studierenden zudem jeweils gerne zwei Fotografien: Die eine zeigt Jacques Chirac, den einstigen Bürgermeister von Paris und späteren Staatspräsidenten, lässig mit Zigarre im Mundwinkel an seinem Peugeot 403 werkelnd. Das andere: die amtierende Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo – auf dem Leihfahrrad. Ümit Yoker

Wie heiss sind unsere Städte?

Mit dem fortschreitenden Klimawandel macht sich ein Phänomen der urbanen Entwicklung immer stärker bemerkbar: In sogenannten städtischen Hitzeinseln liegt die Durchschnittstemperatur oft deutlich höher als an den Rändern. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die dichte Bebauung mit Gebäuden und Strassen führt einerseits zu vielen dunklen Oberflächen, welche die Sonnenstrahlung stärker absorbieren, andererseits behindern sie die natürliche Luftzirkulation. Die einhergehende Versiegelung bietet ausserdem wenig Platz für Grünflächen, die durch Verdunstungseffekte regulierend auf das Umgebungsklima wirken. Insbesondere nachts kühlen innerstädtische Gebiete daher nicht so stark ab wie die Umgebung. Der resultierende Hitzestress kann schwerwiegende Folgen für die Bevölkerung haben. «Besonders Kleinkinder, ältere Menschen oder jene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden oft unter den höheren Temperaturen», erklärt Julien Anet, Leiter der Gruppe Meteorologie, Umwelt und Luftverkehr am Zentrum für Aviatik (ZAV) der ZHAW School of Engineering. Zusammen mit dem Basler Unternehmen meteoblue AG und dem Institut für Datenanalyse und Prozessdesign (IDP) der ZHAW haben er und sein Team daher ein Innosuisse-Forschungsprojekt lanciert, um Wärmeinseln ermitteln und untersuchen zu können. «Besonders Kleinkinder, ältere Menschen oder jene mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden oft unter den höheren Temperaturen.» Julien Anet, Leiter der Gruppe Meteorologie, Umwelt und Luftverkehr Zwar lassen sich mit komplexen Simulationen Temperaturkarten erstellen, die Wärmeinseln in urbanen Räumen darstellen. Diese Modelle zu erstellen, ist aber aufwendig, und die Ergebnisse müssen mit Messdaten validiert werden. Im Forschungsprojekt des ZAV und des IDP wurden daher in den Städten Zürich und Basel zahlreiche Sensoren installiert, die unter anderem Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufzeichnen. Allein in Zürich sind rund 300 dieser Sensoren installiert. «Die Daten, die wir daraus gewinnen konnten, sind bereits sehr aufschlussreich. Man muss aber die örtlichen Gegebenheiten der Sensoren berücksichtigen. Manche sind an besonders gut belüfteten oder schattigen Orten. Das beeinflusst die Messwerte», erklärt Julien Anet. «Um auch Messdaten zwischen den fixen Sensorstationen erfassen zu können, haben wir uns entschieden, zusätzlich Velos mit Sensoren auszustatten.» Warum aber sollten es Velos sein? Julien Anet erklärt die Entscheidung folgendermassen: «Wir hätten natürlich die Sensoren auch auf Trams installieren können, allerdings hätte das die Wartung und das Auslesen der Daten recht kompliziert gemacht.» Zudem fahren Trams gezwungenermassen immer wieder auf den gleichen Strecken. Ausserdem fügt er noch eine persönliche Motivation hinzu: «Ich bin selbst ein ‘Gümmeler’ und habe daher Spass daran, mit Velos zu arbeiten.» Erste Prototypen eines Messgeräts wurden von den Aviatik-Studierenden Soneesh Gill und Manuel Walter in einer Projekt- und Bachelorarbeit entwickelt und an Mietvelos der Firma PubliBike getestet. Nach dem Abschluss der Arbeit wollten die Forschenden das Projekt unbedingt weiterführen. Mit den Mietvelos liess sich jedoch nicht sicherstellen, dass diese auch so weit bewegt werden, um ausreichend Daten zu sammeln. Kurzerhand entschied sich Julien Anet, die Zürcher Kurierfirma Veloblitz in das Projekt miteinzubeziehen. Die Velokuriere sind pro Tag oft über hundert Kilometer im Stadtgebiet unterwegs – optimale Voraussetzungen, um Daten zu sammeln. Drei Lastenräder der Kuriere wurden daher für mehrere Wochen mit den Messgeräten ausgestattet. «Im Kurieralltag waren die Messgeräte hohen Belastungen ausgesetzt. Klar fallen die Sensoren dann auch irgendwann aus, da die Sensorgruppen technisch nicht unbedingt dafür ausgelegt sind,» erklärt Julien Anet. «Aber dennoch haben wir genug Daten gewinnen können, um einige der Lücken in unserem Sensornetz zu ergänzen. Sie sind ein wichtiger Teil dieses Puzzles.» Damit die Klimawerte zur Weiterverarbeitung zur Verfügung standen, mussten sie kontinuierlich an einen Server übertragen werden. Um diese geringen Datenmengen möglichst laufend und überall zu senden, wurde das Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) des Energieunternehmens ewz genutzt. Dieses ist aber nicht nur ein Energieunternehmen, sondern betreibt in der Stadt Zürich auch das Glasfasernetz, auf welchem das LoRaWAN aufgesetzt ist. Die LoRa-Technologie bezeichnet ein energieeffizientes Funknetz, das besonders für Internet-of-Things-Anwendungen geeignet ist. «Für ewz war es interessant, Erfahrung mit mobilen LoRa-Sensoren zu sammeln und gleichzeitig dieses Klimamessprojekt zu unterstützen», erklärt Marcus Cathomen, Technology and Innovation Project Manager bei ewz. «Wie sich gezeigt hat, war die Funkabdeckung des LoRaWAN ausgezeichnet und die LoRa-Technologie hat sich für diese Anwendung sehr bewährt.» Nach Abschluss der Datensammlung mit den Kuriervelos geht es nun an deren Auswertung: Als Erstes müssen die Zahlenreihen homogenisiert werden. «Die Daten wurden alle zu unterschiedlichen Zeiten aufgezeichnet, entsprechend muss man sie einander zuordnen», so Julien Anet. In einem nächsten Schritt wird für die einfachere Berechnung von statistischen Kennzahlen ein Raster der Stadt Zürich erstellt, in das die Daten eingegeben werden. Das Ergebnis ist wiederum eine Temperaturkarte – dieses Mal mit den konkret gemessenen Daten –, die beispielweise mit den modellierten Temperaturen verglichen werden kann. Aber vielmehr noch wird diese Karte Aufschluss darüber geben, wo sich in der Stadt Zürich Hitze-Hotspots befinden oder entwickeln können. Die Firma meteoblue kann dies in ihre Prognosen einbeziehen und somit ein Warnsystem für Institutionen wie zum Beispiel Altersheime aufbauen. «Die Daten stellt das Projektteam Behörden zur Verfügung – zum Beispiel der Stadt Zürich, die die Erkenntnisse in die Stadtplanung einfliessen lassen könnte.» Julien Anet, Leiter der Gruppe Meteorologie, Umwelt und Luftverkehr Für Julien Anet spielt das Forschungsprojekt eine wichtige Rolle für die Gesellschaft. «Der Klimawandel ist Realität und wird in Zukunft immer mehr das Stadtklima beeinflussen. Es geht darum, die Bevölkerung zu schützen und ihr ein angenehmes Leben in der Stadt zu ermöglichen.» Aus diesem Grund stellen er und sein Forschungsteam die Daten den Behörden zur Verfügung. So zum Beispiel der Stadt Zürich, die die Erkenntnisse im Rahmen eines Pilotprojektes in die Stadtplanung einfliessen lassen könnte, wenn es darum geht, klimaoptimierte Bauprojekte zu planen und umzusetzen. Ebenso sollen zukünftig in Zusammenarbeit mit meteoblue die gesamten Datensätze der Stadttemperaturen als sogenannte Open Government Data zur Verfügung gestellt werden, damit diese auch von der interessierten Öffentlichkeit eingesehen und genutzt werden können. Julia Obst

Green Hospital: Wenn das Standard-Menu im Spital vegetarisch ist

Wie steht es mit den Umweltauswirkungen der Schweizer Akutspitäler und wo besteht Verbesserungspotenzial? Dieser Frage sind die Ökobilanz-Expertin Regula Keller vom Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW und ihre Forschungsgruppe nachgegangen: Gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsstudien Basel und dem Fraunhofer IML untersuchten sie das Treibhauspotenzial, die Gesamtumweltbelastung sowie die Umwelteffizienz der Schweizer Spitäler und trugen Best Practices zusammen. Die Forschenden befragten im Rahmen des Projekts «Green Hospital» als Teil des Nationalen Forschungsprogramms 73 «Nachhaltige Wirtschaft» des Schweizerischen Nationalfonds 33 Schweizer Akutspitäler. Der umfangreiche Fragebogen lieferte Primärdaten aus den Bereichen Gebäude, Verpflegung, Medikamente oder Wäscherei. Diese Daten nutzten die Forschenden, um Ökobilanzen zu erstellen, die den gesamten Lebenszyklus von der Herstellung bis zur Entsorgung berücksichtigen. 14 Bereiche haben die Forschenden genauer untersucht. Dabei stellten sie fest, dass 70% aller Umweltauswirkungen in den Spitälern durch die Bereiche Strom, Wärme, Verpflegung, Gebäude und Medikamente verursacht werden. Weniger relevant aus Umweltsicht sind beispielsweise der Papierverbrauch, aber auch die Wäsche oder Einwegartikel fallen nicht gross ins Gewicht. «Wir haben uns gefragt, welcher Bereich umweltrelevant und gleichzeitig ineffizient ist – denn dort wirkt sich eine Verbesserung am stärksten aus» Regula Keller, ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen Die Studie zeigte auf, dass die Hälfte der Spitäler ihre Effizienz um 50% steigern könnte. Das bedeutet, dass die Spitäler ihre Umweltbelastung halbieren könnten, ohne die erbrachten Gesundheitsdienstleistungen zu schmälern. Vor allem in den Bereichen Wärme und Verpflegung besteht Potenzial. Gross sind auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Spitälern – insbesondere bei Strom und Wärme. Ein Neubau, der ans Fernwärmenetz angeschlossen ist, schneidet verständlicherweise deutlich umweltfreundlicher ab als ein älteres Spital in höheren Lagen, das mit fossilen Brennstoffen heizt. So variieren die Treibhausemissionen pro Jahr von 1,7 bis 7,1 Tonnen CO2-Äquivalent pro Gesundheitsdienstleistung, die eine Vollzeitstelle im Spital erbringt. Gleichzeitig hat das Institut für Wirtschaftsstudien Basel untersucht, wie weit die Spitäler von der maximalen Umwelteffizienz entfernt sind. Diese beschreibt die geringsten Umweltauswirkungen pro erbrachte Gesundheitsdienstleistung. «Wir haben uns gefragt, welcher Bereich umweltrelevant und gleichzeitig ineffizient ist – denn dort wirkt sich eine Verbesserung am stärksten aus», erklärt Keller. Einen grossen Hebel, um die Ökobilanz zu verbessern, bietet die Verpflegung. «Pflanzenbasierte Menüs sind klimafreundlicher und individuell zusammengestellte Menüs verringern Foodwaste», erklärt Keller. Und anstatt wie mancherorts Menüs auf Vorrat zu kochen, kann der Essensabfall reduziert werden, indem bei Bedarf schnell zubereitbare Mahlzeiten bestellt werden können. Eher langfristiger Natur sind die Massnahmen an den Gebäuden. Schliesslich kann nicht von heute auf morgen energetisch saniert oder die Heizung umgestellt werden. Wird jedoch bei einem Neubau auf Recyclingmaterialien geachtet und eine flexible Nutzung bereits in der Planung berücksichtigt, verbessert das die Ökobilanz. Eine Vorreiterrolle nimmt hier das Inselspital Bern ein: Das neue Hauptgebäude wird im «Minergie-P-Eco»-Standard gebaut – als erstes Spitalgebäude mit dieser Komplexität. Damit die gewonnenen Erkenntnisse die Spitäler erreichen, organisierten die Forschenden Workshops mit den Nachhaltigkeitsbeauftragten der Spitäler. Einige Massnahmen scheinen naheliegend, andere überraschen: Wer hätte gedacht, dass sich die Böden am Unispital Genf mit den richtigen Utensilien und der richtigen Technik lediglich mit Wasser reinigen lassen? Hygienisch einwandfrei und ohne das Risiko, multiresistente Keime durch Desinfektionsmittel zu fördern. Das Universitätsspital Basel verzichtet vollständig auf das Narkosegas Desfluran, welches einen sehr hohen Treibhauseffekt verursacht. Am Kantonsspital Graubünden erhalten neu eintretende Patienten nun standardmässig ein vegetarisches Menü. Die Rückmeldungen dazu sind durchwegs positiv. Rahel Meister

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