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Ihr Energiespeicher soll wie ein Handwärmer funktionieren

Noch befindet sich dieses junge Energie-Startup ganz am Anfang: ZHAW-Masterstudentin Selina Pfyffer steht zusammen mit Simon In-Albon, Janis Perren, Tim Zgraggen und Raphael Moretti, vier Studenten der Hochschule Luzern, vor der Gründung von SeasonCell . Ihre Idee: ein Energiespeicher für Wohnhäuser, der im Sommer überschüssige Energie aus erneuerbaren Energiequellen wie beispielsweise Photovoltaik speichern kann, um sie im Winter je nach Bedarf an die Heizung abzugeben. «Uns war sehr wichtig, dass wir ein Projekt lancieren, das einen Impact auf die nationale Energiestrategie hat – das war für uns die Voraussetzung für ein Startup.» Selina Pfyffer, Masterstudentin und wissenschaftliche Assistentin am Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering Das Prinzip hinter dem Speichermodell ist denkbar einfach und dürfte vielen bekannt vorkommen: Vorbild dafür sind die kleinen Handwärmer-Kissen, wie man sie etwa beim Skifahren dabeihat. Knickt man ein kleines Metallplättchen um, kristallisiert das darin enthaltene Phasenwechselmaterial, wird fest und gibt Wärme ab. Der Vorgang lässt sich durch eine erneute Erwärmung des Materials, das dabei wieder flüssig wird, beliebig oft wiederholen. Die daraus gewonnene Wärme kann dann in eine Heizanlage eingespeist werden. Die Idee zu SeasonCell entstand im Sommer 2022 bei gemeinsamen Masterkursen der fünf Studierenden auf der Suche nach einem Forschungsthema für ihre Masterarbeit. «Uns war sehr wichtig, dass wir ein Projekt lancieren, das einen Impact auf die nationale Energiestrategie des Bundes hat – das war für uns die Voraussetzung für ein Startup», erklärt Selina Pfyffer. Bevor die Gründung von SeasonCell angegangen werden soll, sind die Entrepreneurin und die vier Entrepreneure auf Finanzierungssuche. «Wir haben schon verschiedene Eingaben gemacht, unter anderem haben wir uns bei der Gebert Rüf Stiftung beworben und haben in der finalen Runde des Zukunftspreises der Luzerner Kantonalbank den zweiten Platz geholt, mit einem Förderbeitrag von 50’000 Franken», so Pfyffer, die neben ihrem Masterstudium als wissenschaftliche Assistentin am ZHAW-Institut für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE) arbeitet. Dank der Entrepreneurship Initiative der School of Engineering wird das Startup durch Mentor Andreas Witzig, Leiter des Institute of Computational Physics (ICP) , unterstützt: «Andreas Witzig berät mich aktuell vor allem bei rechtlichen Fragen rund um Verträge, gleichzeitig hilft er uns aber auch mit seinem Know-how bei den unterschiedlichen Finanzierungseingaben», sagt Selina Pfyffer und hofft, dass diese möglichst erfolgreich verlaufen, damit der offiziellen Gründung von SeasonCell nichts mehr im Wege steht. David Bäuerle

Sein Startup hilft mit Künstlicher Intelligenz Wachstum zu optimieren

Die Idee für sein Startup kam Patrick Albrecht während seines Weiterbildungsmasters im Bereich Data Science an der ZHAW School of Engineering: «Mein fehlender grüner Daumen hatte mich dazu veranlasst, ein automatisiertes System zu entwickeln, um Kräuter und Salat zu Hause im Keller zu züchten. «Mir hat jedoch ein Modell gefehlt, welches mich auf Fehler hinweist und mir Vorschläge macht, wie das Wachstum optimiert werden kann», erinnert sich Patrick Albrecht. So war die Idee geboren, die Optimierung des Wachstums systematisch anzugehen. «Ich habe damals im Bereich Advanced Analytics bei einer Schweizer Grossbank gearbeitet», erzählt der aus Zürich stammende Gründer. Heute konzentriert sich Patrick Albrecht mit seiner eigenen Firma Fruitful auf die Verbesserung von Wachstumsprozessen in der Landwirtschaft, der modernen Lebensmittelproduktion und der Biotechnologie. Durch den Einsatz von Computer Vision und Data Science konzipiert Fruitful neuartige Lösungen, die es Indoor-Landwirtschafts- und Laborbetrieben ermöglichen, effizienter zu werden. Bakterien, Zellen, Pflanzen, alle haben eines gemeinsam: Je nach Bedingungen in der Umgebung wird das Wachstum beschleunigt, werden mehr Früchte produziert oder wird der Geschmack verändert. Bewässerung, Temperatur, Besonnung oder Düngung sind alles wichtige Einflussfaktoren. Nur wenn alle aufeinander abgestimmt sind, kann sich eine Pflanze optimal entfalten. «Meine Neugier erachte ich als eine der wichtigsten Eigenschaften als Unternehmer.» Patrik Albrecht, Fruitful-Mitgründer In professionellen Landwirtschaftsbetrieben werden die anfallenden Daten schnell komplex und unübersichtlich: «Die Herausforderung besteht darin, die kausalen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Parametern und dem eigentlichen Wachstum zu identfizieren und zu quantifizieren», erklärt Fruitful-CEO Patrick Albrecht. Das Konzept hinter Fruitful besteht darin, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen und sie in einer Software zusammenzufassen. Diese Software kombiniert Daten aus der Wachstumsumgebung mit Computer Vision, um aufzuzeigen, wie sich Veränderungen schlussendlich auf das Produkt auswirken. Computer Vision ist ein Feld innerhalb der Künstlichen Intelligenz, das hilft, aus visuellen Quellen wie Bildern oder Videos Informationen zu gewinnen. So haben Kundinnen und Kunden Möglichkeiten zu experimentieren. Die Technologie unterstützt sie bei der Entscheidungsfindung. Fruitful ist ein aufstrebendes Unternehmen mit Kunden aus der Landwirtschaft und der modernen Nahrungsmittelproduktion. Für Patrick Albrecht ist es kein Zufall: «Meine Neugier erachte ich als eine der wichtigsten Eigenschaften als Unternehmer. Ich bin offen für Ideen, kann mich in die Situation anderer hineinversetzen und sauge ständig neues Wissen auf, um daraus mit meinem fantastischen Team ein Produkt mit Mehrwert zu schaffen.» Jonas Urscheler

Gründerin mit spiritueller Ader

Schon als Kind war es für Birgitta Borghoff selbstverständlich, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Vater führte in Deutschland eine Mühle, und all ihre Geschwister arbeiten heute auf selbstständiger Basis. «Unternehmertum ist eines der Themen, für die ich auf die Welt gekommen bin», sagt die Dozentin an den Departementen Linguistik und Wirtschaft. Zudem ist sie Coach, derzeit Growth Coach bei der Innovation Challenge von ZHAW entrepreneurship, und Jurymitglied an der jährlichen ZHAW Startup Challenge. In diesen Funktionen vermittelt sie den Studierenden, wie sie ihre Geschäftsidee wirkungsvoll hinüberbringen können. «Viele gute Ansätze scheitern an der Kommunikation», stellt Borghoff immer wieder fest. Mit überladenen Präsentationen und abstrakten Fachbegriffen sei es schwierig, Investierende oder Partnerinnen und Partner zu gewinnen. «Man muss eine Geschichte erzählen, authentisch und anschaulich.» «Unternehmertum ist eines der Themen, für die ich auf die Welt gekommen bin.» Birgitta Borghoff In die Schweiz kam die Diplom-Betriebswirtin vor gut 20 Jahren durch eine Anstellung bei der Swissair. Die Marketing-Managerin erkannte, dass die vom Terroranschlag 9/11 gebeutelte Flugbranche von einem kulturellen Repräsentations-Instrument profitieren würde, und gründete das Orchester Flughafen Zürich. «Es war mir stets wichtig, Wirtschaft und Kultur zu verbinden», erklärt die 49-Jährige. Sie sehe ihre Rolle meist am Rand von Teams. Von dort halte sie Ausschau nach neuen Möglichkeiten und baue Brücken zwischen unterschiedlichsten Bereichen. Nachdem Birgitta Borghoff an der ZHAW einen Master in Kulturmanagement erworben hatte, wechselte sie zum Lucerne Festival und baute dort die zeitgenössische Akademie mit auf. 2007 kam sie ans Zentrum für Kulturmanagement der School of Management and Law, wo sie selber studiert hatte. Sie entwickelte das Fachgebiet Cultural Entrepreneurship, aus dem später ein CAS hervorging. «Damals war Entrepreneurship noch nicht einmal am Wirtschaftsdepartement ein Thema», wundert sie sich. Auch für Kunstschaffende seien unternehmerische Fähigkeiten jedoch essenziell. Wer zum Beispiel eine Galerie eröffnen wolle, müsse sich genau überlegen, wie diese im bestehenden Angebot positioniert sein soll. Die Kommunikation sollte Entrepreneurial Storytelling mit dem Geschäftsmodell verknüpfen. « Wenn Logik und Intuition in dir verschmelzen,wirst du Wunder wälzen.» Birgitta Borghoff, ZHAW-Dozentin Der passionierten Dozentin und Forscherin geht es jedoch nicht nur darum, dass möglichst viele neue Firmen entstehen. «Auch wer in einem bestehenden Betrieb angestellt ist, sollte unternehmerisch denken und handeln.» Generell gebe es heute immer noch zu wenig Eigeninitiative und zu viel Dienst nach Vorschrift. Besonders wichtig seien Kreativität und Innovation im Hinblick auf alternative Arbeitsformen und spezielle Lebenssituationen. Diese Mentalität fördert Borghoff auch mit ihrer eigenen Firma namens brückenwege , die sie 2013 gegründet hat. Neben ihren vielfältigen Rollen an der ZHAW coacht sie Menschen, die beruflich neue Wege gehen wollen. In diesem Prozess stelle sie vor allem Fragen und nehme die Rolle der Sparring-Partnerin ein, erklärt sie. «Ich rege meine Klientel zum Reflektieren an und ermutige zum Ausprobieren neuer Dinge.» Dabei gehe sie oft intuitiv vor. Die Winterthurerin hat nämlich auch eine sehr gefühlvolle Seite und eine feine Wahrnehmung. Sie ist überzeugt, dass es neben der materiellen Welt auch eine nicht greifbare, spirituelle Dimension gibt. Gern beschäftigt sie sich mit philosophischen Fragen und trifft sich in ihrer Freizeit zu Gesprächsrunden mit Freundinnen und Freunden. Oft ist sie auch schweigend und lauschend in der Natur unterwegs oder schreibt poetische Texte, die ihr spontan in den Sinn kommen. Diese lässt sie auch in ihre Arbeit und den Unterricht einfliessen. Es brauche Mut, sich mit dieser Eigenschaft im rational geprägten Umfeld der Hochschule zu zeigen, sagt Birgitta Borghoff. Einen Widerspruch zwischen den beiden Bereichen sieht sie aber nicht: «Intuition und Logik sind für mich zwei Seiten derselben Medaille.» Andrea Söldi

Die Entrepreneurial University zum Fliegen bringen

Wo können sich Gleichgesinnte mit innovativen Ideen physisch an der Hochschule treffen, kennenlernen und austauschen? Welche konkreten Angebote und Hilfe zum Thema Entrepreneurship gibt es an der ZHAW? Oder wie navigiert man sich mit unternehmerischen Anliegen am besten durch den Bürokratiedschungel? Verschiedene Teams widmen sich im Rahmen der ersten Innovation Challenge solchen Fragestellungen. Denn die ZHAW soll als Entrepreneurial University zu einem Ort werden, an dem sich unternehmerisch denkende und handelnde Menschen treffen und an Herausforderungen wachsen. Bei diesem von der strategischen Initiative ZHAW entrepreneurship lancierten Innovationsprozess steht die Entwicklung neuartiger Projekte von der Teambildung über die Ideenfindung bis hin zur Implementierung im Vordergrund. «Wir möchten, dass möglichst viele Studierende, Mitarbeitende sowie Externe an diesem offenen Innovationsprozess mitwirken», so Anita Buchli, Co-Leiterin ZHAW entrepreneurship. Einen Treffpunkt ohne interdisziplinäre Grenzen möchte beispielsweise das Team rund um Zifei Wang-Speiser mit ihrer Idee schaffen. «Wir wollen ein Erlebnis schaffen, bei dem Studierende und Mitarbeitende aus allen Abteilungen der ZHAW kollaborativ ein Gewächshaus bauen, in dem wir gemeinsam pflanzen, ernten, kochen und essen. Dabei können alle mitmachen, denn es werden keine spezifischen Kompetenzen vorausgesetzt», so die wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZHAW-Institut für Facility Management. Diese Erfahrung ermögliche nicht nur den transdisziplinären Austausch von Wissen und Fähigkeiten. «Während wir gemeinsam an diesem greifbaren Projekt arbeiten, ermöglicht diese Veranstaltung spontane Begegnungen und die Entstehung unerwarteter Ideen.» «Denn in Zukunft werden auf die ZHAW immer mehr Fragestellungen und Herausforderungen zukommen, die ein rasches Handeln erfordern und die in den gewohnten Prozessen mit den etablierten Methoden nicht ideal bearbeitet werden können.» Anita Buchli, Co-Leitung ZHAW entrepreneurship Für eine bessere Orientierung zu den Themen Innovation und Entrepreneurship an der ZHAW sorgen sich zum Beispiel Raphael Wolfensberger und sein Team. «Wir haben festgestellt, dass Innovationsförderung an der Hochschule teilweise parallel verläuft. Um diese Synergien besser zu nutzen, wäre eine zentrale Anlaufstelle sinnvoll.» Als Idee schwebt ihnen eine Online-Plattform vor, welche die bestehenden Angebote vereint, Coachings anbietet und einen Marktplatz für zu lösende Probleme. Dies soll zu mehr Transparenz und einem regeren Austausch zwischen den Departementen führen und letztlich Innovation zusätzlich begünstigen. Die verschiedenen Teams mussten sich bei einem Bootcamp zum Start der ersten Innovation Challenge der ZHAW zuerst finden, dann zusammen Ideen entwickeln und sich gegenseitig davon überzeugen. An sogenannten Deep Dive Events treffen sich die Teilnehmenden seither regelmässig, werden durch erfahrene Growth Coaches begleitet und durch Inputreferate von erfolgreichen Entrepreneurinnen und Entrepreneuren inspiriert. «Wir haben diese Innovation Challenge lanciert, weil wir ein Entrepreneurial Mindset fördern wollen bei Studierenden und Mitarbeitenden der ZHAW.» Hanna Brahme, Co-Leitung ZHAW entrepreneurship Bei diesem iterativen Prozess experimentieren und testen die Teams ihre Projektideen. «So gehen wir schrittweise vor und entwickeln dadurch Dinge, die neuartig sind und an die wir vielleicht noch gar nicht gedacht haben», erläutert Anita Buchli, Co-Leitung ZHAW entrepreneurship. «Denn in Zukunft werden auf die ZHAW immer mehr Fragestellungen, Herausforderungen und Initiativen zukommen, die ein rasches Handeln erfordern und die in den gewohnten Prozessen und Abläufen und mit den etablierten Methoden nicht ideal bearbeitet werden können.» «Wir haben diese Innovation Challenge lanciert, weil wir ein Entrepreneurial Mindset fördern wollen bei Studierenden und Mitarbeitenden der ZHAW», so Hanna Brahme, Co-Leiterin von ZHAW entrepreneurship. «Aber wir haben uns nicht auf eine spezifische Idee festgelegt, sondern suchen engagierte Teams, welche begeistert sind von ihren Ideen und diese in der Realität testen wollen.» Die am Bootcamp der Innovation Challenge gebildeten Teams arbeiten während des gesamten Jahres als sogenannte «Innovators» an den ausgewählten Ideen und Lösungen. Beim Pitching Event Mitte November werden sie sich der Kritik einer Jury stellen müssen und diese vom Mehrwert, der für die Studierenden und Mitarbeitenden generiert wird, und von der Umsetzbarkeit der Idee überzeugen müssen. Danach werden die Gewinnerteams ihre innovativen Projekte umsetzen und in der Realität testen – und somit die ZHAW auf dem Weg zu einer führenden Entrepreneurial University wieder ein Stück näher ans Ziel bringen. Manuel Martin

Veganes Ei für die Industrie

Käseküchlein, Schoggi-Mousse, Meringues – viele Leckereien gibt es heute auch vegan. Dies auch dank dem 2022 gegründeten Startup EggField , das der Lebensmittelindustrie eine Ei-Alternative auf Basis von Hülsenfrüchten bietet. Die Idee hatte einer der drei Co-Gründer, Silvan Leibacher, der für seine Biber-Manufaktur einen Ei-Ersatz suchte. Ende 2019 lernten sich Silvan Leibacher und David Ebneter über gemeinsame Freunde kennen. «Wir kamen ins Gespräch und Silvan erzählte mir, dass er auf der Suche nach einem pflanzlichen Ei-Ersatz für seine Backwaren war», sagt Ebneter, der zu diesem Zeitpunkt sein Studium beendet hatte und nach ersten Arbeitserfahrungen an der ZHAW im Industriebereich arbeitete. «Fast noch wichtiger als das praxisnahe Studium aber war das Umfeld: An der ZHAW lernte ich Leute kennen, die eigene Ideen umgesetzt haben.» David Ebneter, ZHAW-Absolvent «Mich interessierte diese Herausforderung, und kurzerhand entwickelte ich einen ersten flüssigen Prototyp», sagt Ebneter, der an der ZHAW einen Bachelor in Lebensmitteltechnologie und einen Master in Food and Beverage Innovation absolviert hat. Das praxisnahe Studium habe ihm für diesen Entwicklungsprozess viel gebracht. «Fast noch wichtiger aber war das Umfeld: An der ZHAW lernte ich Leute kennen, die eigene Ideen umgesetzt haben.» EggField mit Sitz in Illnau und drei Mitarbeitenden setzt auf einen stark wachsenden Markt. «Unsere Hauptkonkurrentin ist die riesige, subventionierte Ei-Industrie.» Im Gegensatz dazu kann EggField die Produkte nicht einfach in ein Regal stellen, denn das Unternehmen produziert aktuell ausschliesslich für die professionelle Gastronomie sowie für die Lebensmittelindustrie. Grund dafür ist die Intention des Unternehmens: Sie wollen den auf dem Schweizer Markt relativ hohen Anteil an «guten» Label-Eiern nicht ersetzen, sondern diejenigen Eier, die aus ethisch und ökologisch fragwürdigen Quellen stammen – diese kommen zu einem höheren Anteil in verarbeiteten Produkten zum Einsatz. «Wir begleiten unsere Kunden bei ihren Produktinnovationen und geben unser Know-how weiter.» So könne es bis zu einem Jahr dauern, bis ein neues Produkt entstehe. «Unsere Hauptkonkurrentin ist die riesige, subventionierte Ei-Industrie.» David Ebneter, Co-Gründer und Chief Technical Officer von EggField In Sachen Wachstum verfolgt EggField einen KMU- und keinen klassischen Startup-Ansatz. «Wir wollen uns Zeit nehmen und nachhaltig wachsen, wollen zufriedene Mitarbeitende und zufriedene Kundinnen und Kunden.» Diesen Anspruch ebenso wie eine grosse Leidenschaft erachtet Ebneter als wichtig für Entrepreneurinnen und Entrepreneure: «Es braucht Risikobereitschaft und Beharrlichkeit, um Gegenwind und Rückschläge auszuhalten und zu überwinden.» Kathrin Reimann

«Was zeichnet eine Entrepreneurin und einen Entrepreneur aus?»

Aufgezeichnet von Manuel Martin

Die Kunst relevanter Bildung

Alessandro Maranta: Wer nicht bereit ist, ein Leben lang immer wieder Neues zu lernen und auszuprobieren, wird nicht unternehmerisch denken können. Unternehmerisches Denken ist die Kunst, Altes und Neues geschickt zu kombinieren. Es ist mit einer Stadt vergleichbar, in der einiges beständig ist, wie Strassen oder historische Viertel, und anderes nach wenigen Jahren nicht wiederzuerkennen ist, weil Gebäude abgerissen und Pärke umgebaut wurden. Eine Stadt verändert sich ständig und schafft neue Zusammenhänge. Es braucht eine lebenslange Bereitschaft, solche Zusammenhänge verstehen und gestalten zu wollen und darin die Chancen und Risiken zu erkennen. Das Beispiel veranschaulicht für mich, wie man nachhaltig unternehmerisch und innovativ denken und handeln soll. Einmal gut ausgebildet bedeutet nicht, dass man für immer gut ausgebildet ist. Zum einen verändern sich Wissen sowie Kompetenzen, sie haben unterschiedliche Halbwertszeiten. Zum anderen können wir die individuellen Berufskarrieren und unternehmerischen Herausforderungen nicht im Einzelnen vorhersehen. Curriculum-Entwicklung ist daher die Kunst, die unterschiedlichen Entwicklungen von Wissenschaft, Praxis, Trends und individuellen Bildungsverläufen aufeinander abzustimmen. Wir stimmen in unseren Bildungsangeboten die Lebenszyklen relevanter Kompetenzen und die Halbwertszeit von Wissen mit der Lebensdauer von Ausbildungen und den Bildungsbiografien von Einzelnen ab. Mit unseren Bachelor- und Masterstudiengängen sowie Weiterbildungen realisieren wir Bildungsangebote, die nahe an den Menschen sind und ihren vielfältigen Lebens- und Berufsphasen gerecht werden. «Didaktisch gab es in den letzten Jahrzehnten einen Perspektivenwechsel, den sogenannten shift from teaching to learning, also hin zur Kompetenzorientierung.» Alessandro Maranta, ZHAW-Ressort Bildung Didaktisch gab es in den letzten Jahrzehnten einen Perspektivenwechsel, den sogenannten «shift from teaching to learning», also hin zur Kompetenzorientierung. Politisch gesehen haben die Förderung der Berufs- und Anwendungsorientierung sowie der Bedarf von Fachkräften mit Hochschulbildung den Fachhochschulen einen riesigen Aufschwung ermöglicht. Zudem befinden sich Arbeitswelten und Karrieremodelle im Wandel, worauf wir unsere Bildungsangebote ausrichten. Vor diesem Hintergrund erhalten Bildungsangebote einen neuen Stellenwert, denn gut ausgebildete Fachkräfte sind ein kostbares Gut. Es sind vor allem die Studiengangleitungen und Dozierenden, die mit ihrem Qualitätsbewusstsein und ihrer Nähe zum Themengebiet dafür sorgen, dass ihr Bildungsangebot aktuell bleibt. Sie beurteilen regelmässig, wie sich ihr Umfeld verändert und welche Kompetenzen relevant sind. «Doch nicht nur aktuell nachgefragte Fachkompetenzen sind relevant, es braucht auch überfachliche Kompetenzen, sogenannte Future Skills.» Alessandro Maranta, ZHAW-Ressort Bildung Doch nicht nur aktuell nachgefragte Fachkompetenzen sind relevant, es braucht auch überfachliche Kompetenzen, wie den Umgang mit unterschiedlichen Kommunikations- und Medienformen oder Projektmanagement. Solche Kompetenzen werden auch unter dem Begriff Future Skills zusammengefasst. Mit diesem Kompetenzmix fördern wir nachhaltig unternehmerisches und innovatives Denken sowie Handeln. Dazu gehört auch ein interdisziplinärer Austausch. Wir wollen unseren Studierenden individuelle Freiräume ermöglichen, sie aber gleichzeitig nicht allein lassen und sichergehen, dass sie die nötigen Kompetenzen erhalten. Im Ressort Bildung stärken wir kontinuierlich die Grundlagen, um vermehrt interdepartementale Module und Studiengänge zu ermöglichen. Dabei legen wir unseren Fokus auf die Organisation von Bildungsmanagement über verschiedene Abteilungen, Institute oder Zentren hinweg und beseitigen organisationale Hürden. Mit guten Rahmenbedingungen wollen wir die Offenheit in der Bildung gewährleisten und einer fachlichen Zementierung von Wissen entgegenwirken. Die demografische Entwicklung, die anhaltende Migration, der Klimawandel oder das Wiedererstarken von Autokratien, aber auch die Digitalisierung unterstreichen die Notwendigkeit, für gut ausgebildete Fachpersonen zu sorgen und zu einer aufgeschlossenen Gesellschaft beizutragen. Global bedeutet das, demokratisch und mit liberaler Offenheit in stetig lernenden Gesellschaften diese Herausforderungen anzugehen. Die ZHAW leistet zu dieser unabdingbaren weltumspannenden Kooperation ihren Teil. Wir zeigen unseren Angehörigen, dass Offenheit die partnerschaftliche fachübergreifende Kooperation unterstützt und innovatives Denken und Handeln stärkt. Selbst etwas dazu beizutragen, erfüllt mich mit Freude und Genugtuung. Interview Thomas Schläpfer

Entrepreneurial University: «Alle Studierenden sollen bei uns Unternehmergeist erleben»

Jean-Marc Piveteau: Wenn ich mich auf drei fokussieren soll, dann wären das Enthusiasmus, Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen. Enthusiasmus ist sehr wichtig, um sich selbst und andere zu motivieren und zu überzeugen. Risikobereitschaft, weil man bereit sein muss, etwas auszuprobieren, was bisher vielleicht noch niemand gemacht hat. Und nicht zuletzt braucht es Durchhaltevermögen, denn sicher bleiben Rückschläge oder gar Misserfolge nicht aus. Wo kann man dies im Alltag besser leben als an einer Hochschule, einem Ort, an dem immer Neues entwickelt wird? In inspirierenden Begegnungen mit Forschenden, Dozierenden, Studierenden, Absolventinnen und Absolventen spürt man den Mut und die Begeisterung, etwas Neues erarbeiten oder Startups gründen zu wollen. Der Funke springt über. «Wir als Hochschule wollen verstärkt Menschen anziehen, die wachsen wollen an komplexen und schwierigen Herausforderungen.» Rektor Jean-Marc Piveteau Unternehmergeist, wie ich ihn mir für die ZHAW wünsche, ist eine Frage der Haltung. Wir als Hochschule wollen verstärkt Menschen anziehen, die wachsen wollen an komplexen und schwierigen Herausforderungen. Die Hochschule soll Eigeninitiative fördern, auf nachhaltige Wertschöpfung zielen und offen machen für die Zusammenarbeit über interdisziplinäre Grenzen hinweg. In der EU und in der angelsächsischen Welt gibt es bereits Hochschulen, die sich «Entrepreneurial Universities» nennen. Mir ist es aber sehr wichtig, dass wir als ZHAW unser ganz eigenständiges Profil entwickeln. Für unsere Fachhochschule, die in der Schweizer Bildungslandschaft verankert ist, ist mein Hauptanliegen – und das sehe ich als unseren Bildungsauftrag: Alle Studierenden sollen bei uns während des Studiums unternehmerisches Denken erleben und leben. Künftig sollen Studierende mehr Eigenverantwortung für ihre Bildungsreise an der ZHAW übernehmen können. Auch ausserhalb der Curricula soll es Aktivitäten geben wie Summer oder Winter Schools, zu denen sich Studierende verschiedener Fachrichtungen treffen und wo sie gemeinsam unternehmerische Fähigkeiten und eine unternehmerische Haltung entwickeln können. In Werkstätten und Laboren sollen Studierende verstärkt experimentieren, Prototypen herstellen und aus Fehlern lernen können. Und es soll Orte geben, an denen sie die Projekte, für die sie brennen, präsentieren können. Die Projekt- und Abschlussarbeiten sind bereits heute sehr praxisorientiert. Wir wollen künftig vermehrt auch offene Diskussionen und Co-Creation-Formate mit der Industrie und der Gesellschaft fördern. Unternehmerisches Denken nur mit Firmengründung oder technischer Innovation in Verbindung zu bringen, ist zu eng gedacht. Es muss in allen Studiengängen erlebt und vermittelt werden. Spannend ist zum Beispiel am Departement Soziale Arbeit das neue Social Entrepreneurship Lab. Hier stehen nicht IT, Künstliche Intelligenz oder Technik im Vordergrund, sondern Fortschritt, der das gesellschaftliche Zusammenleben weiterbringen soll. Unternehmerisches Denken zu fördern, ist nichts Neues an der ZHAW. Das machen wir bereits seit Jahren. An der School of Management and Law gibt es zum Beispiel das Institut für Innovation und Entrepreneurship, das seit Jahren in den thematischen Schwerpunkten Business Innovation und Entrepreneurship forscht, lehrt und berät und darin führend ist. Im Master of Business Administration wurde der Schwerpunkt Innovation and Entrepreneurship etabliert. Und seit 2015 gibt es jedes Jahr eine ZHAW Startup Challenge für Studierende. Auch die School of Engineering fördert mit einer Entrepreneur-Initiative Studierende, die ein Startup gründen wollen, vermittelt ihnen Mentorinnen und Mentoren oder leistet Brückenfinanzierung. Erwähnt sei ebenso der neue Master of Science in Preneurship for Regenerative Food Systems am Departement Life Sciences und Facility Management, bei dem Studierende sehr selbstbestimmt ihre Bildungsinhalte zusammenstellen können. Nicht zuletzt werden mit dem Sustainability Booster vor allem Businessideen von Studierenden gefördert, die einen positiven Impact auf die Umwelt haben. Ich könnte hier noch vieles aufzählen. «Die neue Initiative ZHAW entrepreneurship soll eine zusätzliche Dynamik in die schon existierenden Bestrebungen bringen. Wir schalten jetzt einen Gang höher.» Rektor Jean-Marc Piveteau Die Initiative soll eine zusätzliche Dynamik in die schon existierenden Bestrebungen bringen. Wir schalten jetzt einen Gang höher. Wichtig ist das gute Zusammenspiel zwischen allen bereits existierenden Initiativen. Bei ZHAW entrepreneurship mit Anita Buchli und Hanna Brahme als Co-Leitung setzen wir derzeit auf zwei Handlungsfelder: Zum einen wollen wir an der ZHAW eine Community von Entrepreneurinnen und Entrepreneuren ins Leben rufen. Das ist die Idee hinter der Initiative ZHAW Visioneur. Zum anderen soll ein hochschulweiter Innovationsprozess etabliert werden. Auch wir als Hochschule müssen Strukturen und Arbeitsweisen überdenken und transformieren. In der derzeitigen Pilotphase prüfen wir, mit welchen Aktivitäten und Formaten die Kultur des Austausches sowie Enthusiasmus und Risikobereitschaft innerhalb der Hochschule gefördert werden können. Bei der der derzeitigen Innovation Challenge sollen sich neue Ideen herauskristallisieren. Der Wandel, der sich in vielen Branchen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen, aber auch in der Gesellschaft insgesamt vollzieht, erfordert Mitarbeitende mit unternehmerischen Fähigkeiten und Denkweisen. Diese wollen wir aus- und weiterbilden, damit unsere Absolventinnen und Absolventen noch attraktiver für den Arbeitsmarkt werden. Sie sollen mutig die Herausforderungen der Zukunft angehen können. Bei den Spin-offs – also den Unternehmensgründungen mit Innovationen aus der ZHAW heraus – sind es fünf oder sechs und einige sind noch in der Pipeline. Die Startups zu zählen, ist etwas schwierig. Wir erfahren nicht immer von den Firmengründungen. Da dürfte die Anzahl aber um ein Vielfaches höher liegen als bei den Spin-offs. Acht Jungunternehmen sind allein aus den Gewinnerinnen und Gewinnern der jährlichen ZHAW Startup Challenge hervorgegangen, und an der School of Engineering sind es seit 2013 über 40 Neugründungen gewesen. Die Mehrheit unserer Studierenden wird nach dem Studium jedoch in bereits bestehenden Organisationen und in mittelgrossen oder grossen Unternehmen arbeiten. Aber auch dort wird selbstverständlich unternehmerisches Denken erwartet angesichts der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, vor denen wir alle stehen. «Unternehmerisches Denken nur mit Firmengründung oder technischer Innovation in Verbindung zu bringen, ist zu eng gedacht.» Rektor Jean-Marc Piveteau Um ehrlich zu sein, nein. Ich bin kein Entrepreneur, ich bin ein Intrapreneur. Vor meiner Tätigkeit an der ZHAW war ich bei Ascom, einem börsennotierten Schweizer Unternehmen für Telekommunikation und Services, tätig. Als Forschungsingenieur musste ich dort Kundinnen und Kunden akquirieren sowie Produkte verkaufen. Auch später bei der UBS in der IT-Abteilung wurde unternehmerisches Denken erwartet. Aus diesem Grund bin ich überzeugt, dass man Entrepreneurship breiter denken muss als im Zusammenhang mit Unternehmensgründungen. Jede Absolventin und jeder Absolvent soll sagen können: Ich habe an einer Hochschule studiert, an der unternehmerisches Denken etwas sehr Wichtiges ist. Wir haben dieses unternehmerische Denken wirklich erlebt und gelebt. In der Community Visioneur wird man sich zu Innovationen austauschen, und die Zahl der Startups und Spin-offs aus dem ZHAW-Umfeld wird steigen. Die ZHAW wird dann ein Ort sein, an dem sich unternehmerisch denkende und handelnde Menschen treffen und gemeinsam an Herausforderungen wachsen und die Zukunft kreativ mitgestalten. Interview Patricia Faller

Damit der Foodsektor regenerativer wird

Gerade der Foodsektor und die Agrarwirtschaft müssten innovativ sein, sagt Thomas Bratschi, Leiter Geschäftsentwicklung am Departement Life Sciences and Facility Management . Sonst könnten sie die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit nicht meistern. Lebensmitteltechnologin Maya Ladner pflichtet ihm bei: Um globalen Problemen wie dem Klimawandel, Hunger oder dem Verlust von Biodiversität etwas entgegenzusetzen, seien neue Lösungsansätze gefragt. «Es braucht innovativere und regenerativere Lebensmittelsysteme.» Bratschi und Ladner haben den neuen Masterstudiengang «Preneurship for Regenerative Food Systems» initiiert und aufgebaut. Er soll Personen dazu befähigen, bestehende Geschäftsmodelle zu überdenken und regenerative Lösungen zu finden. «Die Studierenden sollen sich zu vernetzt denkenden und handelnden Preneurinnen und Preneuren entwickeln», sagt Studiengangleiterin Maya Ladner. «Das Chaos zuzulassen, kann wertvoll sein. In diesem Prozess werden neue Ansätze entworfen, diskutiert, weiterverfolgt oder fallen gelassen.» Maya Ladner, Studiengangleiterin MSc Preneurship for Regenerative Food Systems Die Branche zu transformieren, gelinge nur, wenn man die Expertise und die Technologien unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenbringe, betont Thomas Bratschi. Der Master, den die ZHAW seit dem Frühling 2022 anbietet, ist daher interdisziplinär konzipiert. Er vermittelt Wissen aus den Themenfeldern «Wirtschaft & Preneurship», «Lebensmittelsysteme», «Nachhaltigkeit & Regeneration», «Naturwissenschaft», «Innovation» und «Digitalisierung». Zusätzlich schult er die Teilnehmenden in persönlichen und sozialen Kompetenzen. «Diese Fähigkeiten kommen in der Lehre häufig zu kurz und fehlen dann in der Arbeitswelt», stellt Ladner fest. Die Ausbildung zeichnet sich durch ein Open Curriculum aus. Gewisse Inhalte der Pflichtmodule sind nicht von vornherein festgeschrieben und die Auswahl an Wahlpflichtmodulen ist gross. Das Studium kann nach individuellen Bedürfnissen gestaltet werden. Eine solche Flexibilität ist an der ZHAW neu und nach wie vor mit einigen administrativen sowie didaktischen Anpassungen verbunden. Die Studierenden erhalten viel Raum für eigene Ideen. «Das Chaos zuzulassen, kann wertvoll sein», sagt Maya Ladner. In diesem Prozess würden neue Ansätze entworfen, diskutiert, weiterverfolgt oder fallen gelassen. «Prioritäten zu setzen und Neues zu entwickeln, braucht Zeit.» Während der vier Semester treiben die Teilnehmenden eigene Projekte voran. Sie bilden dafür Teams, in denen verschiedene Disziplinen vertreten sind. «Ich bin beeindruckt, wie dynamisch die jungen Leute unterwegs sind.» Thomas Bratschi, Leiter Geschäftsentwicklung Life Sciences and Facility Management «Es gibt schweizweit keinen vergleichbaren Ansatz», sagt Maya Ladner. Der Master wecke denn auch das Interesse anderer Hochschulen. «Wir werden immer wieder eingeladen, um unsere Erfahrungen weiterzugeben.» Diese sind überwiegend positiv. Im Frühjahr ist der zweite Durchgang gestartet. Inzwischen studieren 37 Personen in diesem Format. Die meisten haben einen starken Bezug zum Foodsektor. Sie verfügen über Abschlüsse in Umweltwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften oder Lebensmitteltechnologie. Hinzu kommen einige Quereinsteigerinnen und -einsteiger. Einzelne Teilnehmende brächten bereits zu Beginn relativ konkrete Startup-Ideen ein, berichtet die Studiengangleiterin. Lena Götsch baut mit drei anderen Studierenden einen Verein auf, um Foodfirmen dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu werden. «Wir möchten auf Produkteebene ansetzen und Fooddesignerinnen und Fooddesigner bestärken, ihre Kreationen insgesamt umweltbewusster auszurichten», erklärt sie. Die Gruppe will in einer ersten Phase unter anderem Workshops anbieten. Das Thema Nachhaltigkeit sei gerade sehr präsent, man könne dabei aber leicht den Überblick verlieren, sagt die Studentin, die als Food Consultant bei Betty Bossi arbeitet. Lena Götsch erlebt es als bereichernd, sich an der ZHAW mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Berufsfeldern auszutauschen. Sie sagt: «Der interdisziplinäre und regenerative Ansatz des Masters hat mich sofort angesprochen». Zurzeit führt ihr Team Gespräche mit Vertretern aus der Praxis. 2024 will es Pilotprojekte mit Industriepartnern starten. «Der Markt für eine solche Dienstleistung ist sicher da», sagt Studiengangleiterin Maya Ladner. Gesetzliche Anforderungen und der Wunsch der Kundschaft nach nachhaltigen Produkten nähmen kontinuierlich zu. Studiengangleiter Thomas Bratschi erwähnt die grosse Bandbreite an Themen, welche die Teams verfolgen, angefangen bei Vertical Farming über essbare Gärten bis hin zu netto-positivem Fleisch. «Ich bin beeindruckt, wie dynamisch die jungen Leute unterwegs sind», sagt er. Einige hätten bereits einen grossen Teil der Finanzierung geregelt, andere ansehnliche Aufträge erhalten. «Sie bringen die besten Voraussetzungen mit, um in der Praxis zu reüssieren.» Eveline Rutz

«Nicht warten, bis man so weit ist – denn man ist nie so weit»

Dass sie nicht nur konzeptionell, sondern auch direkt in den Workshops mitarbeiten kann, findet sie besonders spannend: Als externe Beraterin ist Eliana Hohl bei der Innovation Challenge von ZHAW entrepreneurship gleich mehrfach im Einsatz. Es sei sicher auch ein Vorteil, dass sie schon im «ZHAW-Kontext» zu Hause sei, sagt sie. Denn die 40-jährige gebürtige Argentinierin hat an der ZHAW vor gut anderthalb Jahren ihr Masterstudium in Arbeits- und Organisationspsychologie absolviert und ist heute auch als Dozentin tätig. Vor allem aber hat sie vor gut zwei Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: «Es hat sich so ergeben», begründet sie ihren Entscheid. Doch es gab einige Stationen in ihrer beruflichen Laufbahn, die wohl den Weg bereiteten für die Selbstständigkeit. So hatte sie bis 2021 drei Jahre lang als Management Consultant bei einer kleineren Unternehmensberatung gearbeitet. Dort konzipierte und leitete sie unter anderem Projekte im Change Management, in kultureller Transformation und agiler Zusammenarbeit, vorab für Unternehmen aus den Branchen Pharma, Medizintechnik und Versicherungen. «Ohne Covid wäre ich vermutlich nicht selbstständig geworden.» Eliana Hohl, selbstständige Organisationsberaterin Dann kam die Pandemie: «Ohne Covid wäre ich vermutlich nicht selbstständig geworden», sagt sie. Denn die Nachfrage nach digitalen Workshops – einem ihrer Kerngebiete – stieg rasant. Sie sah: Der Markt ist da. «So habe ich es versucht mit der Selbstständigkeit – und bin happy damit.» Als Beraterin ist sie heute breit aufgestellt: Sie ist schwergewichtig in neuen Arbeitsformen, Innovationsförderung und Design Thinking tätig, ist aber beispielsweise auch bei der Planung von Neubauten involviert, wo Anforderungen der kollaborativen Zusammenarbeit baulich umgesetzt werden sollen. Ein weiterer Markstein auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit: ihr Studium an der ZHAW. Ihre Masterarbeit hat sie zum Thema Resilienz von Organisationen geschrieben. Ihre Bachelorarbeit behandelte dagegen die Holokratie in Unternehmen: Bei dieser Organisationsform sollen Hierarchien im Idealfall ganz abgeschafft und die Mitarbeitenden transparent und partizipativ an geschäftlichen Inhalten beteiligt werden. Dazu konnte sie bei der Swisscom ein Praktikum absolvieren, wo sie bei einem Forschungsprojekt mitwirkte, das die Auswirkungen von Holokratie auf Mensch und Unternehmen messen wollte. Dieses Praktikum, vermittelt von ihrem Dozenten Michael Zirkler, habe ihr viele Möglichkeiten eröffnet, sagt sie heute. Sie hat viele Menschen kennengelernt, sich in der Beraterwelt vernetzen können und hatte sogar die Gelegenheit, ihr Bachelor-Thema an einer Konferenz in Indien vorzustellen. Das sei für ihren beruflichen Werdegang, aber vor allem auch für ihren persönlichen Reifungsprozess sehr wichtig gewesen. Aufgewachsen ist Eliana Hohl in Argentinien, wo sie bereits ein Studium in klinischer Psychologie begonnen hatte. Mit 22 Jahren kam sie in die Schweiz – «der Liebe wegen», wie sie lachend erzählt. Hier in der Schweiz war allerdings die argentinische Matura nicht anerkannt, die Fortsetzung des Studiums und der Abschluss an einer Schweizer Universität waren ihr deshalb verwehrt. Sie entschied sich für ein Studium an der ZHAW, bei dem keine Schweizer Matura notwendig war; auch weil ihr die klinische Psychologie nicht mehr so entsprach. Das sei ein guter Entscheid gewesen, findet sie heute. Die ZHAW sei sehr anwendungsorientiert, was sicher auch zu ihrer heutigen Selbstständigkeit beigetragen habe, nebst dem Fachwechsel in die Arbeits- und Organisationspsychologie. «Ich habe eine starke Mission: Ich will bei Menschen etwas bewegen und den Arbeitsplatz und die Arbeitswelt etwas menschlicher machen.» Eliana Hohl Wichtige Zutaten für die Selbstständigkeit? Für sie sind dies: sich vernetzen, Menschen mit gemeinsamen Interessen suchen, bei anderen lernen und mit den eigenen Themen sichtbar werden. Und es einfach versuchen: «Es hat keinen Sinn, zu warten, bis man so weit ist – denn man ist nie so weit», sagt sie. Im Moment geniesse sie ihre Arbeit, «alles ist ein Geschenk», sagt sie. Mit ihrer eigenen Zukunft hat sie sich noch nicht auseinandergesetzt: «Irgendwie lustig», lacht sie: «Ich berate andere Unternehmen, habe jedoch keine eigene Geschäftsstrategie.» Dafür habe sie eine starke Mission: Ihr Ziel sei, bei Menschen etwas zu bewegen, eine Verbesserung auf gesellschaftlicher Ebene zu bewirken und den Arbeitsplatz und die Arbeitswelt etwas menschlicher zu machen. https://www.elianahohl-consulting.ch Sibylle Veigl

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